Archiv des Autors: b-kreutzer

Der heisse Heiligenschein

von Hans Obermair
erschienen am 16.12.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Christbaum und Krippe sind untrennbar Bestandteile einer bayerischen Weihnacht.

Beide Traditionen lassen sich auf das 15. beziehungsweise 16. Jahrhundert zurückführen. Der Christbaum, ursprünglich als „Paradiesbaum” bekannt, symbolisiert die Vertreibung aus dem Paradies, während die Krippe als figürliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte in der Gegenreformation entstand. Diese Kunstform entwickelte sich, weil viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten und die Verkündigung des Wortes allein nicht ausreichte.

Die Krippe basiert auf den Evangelien, wobei ihre bildliche Umsetzung an die jeweilige Hauslandschaft und Region angepasst ist. Man kannte die Geschichte, aber nicht die genaue Örtlichkeit. So entstanden verschiedene Krippen-typen, wie die neapolitanische oder die alpenländische Krippe. Diese Tradition zeigt, wie tief das Weihnachtsgeschehen verinnerlicht wurde. Die Geburt eines Kindes und die Herbergssuche armer Leute waren alltägliche Erleb-nisse, im Gegensatz zu Verurteilung, Kreuzigung und Auferstehung.

In den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren bauten wir Buben Krippen, weil uns die Geschichte von unseren Eltern und im Religionsunterricht vermittelt wurde. Mit einfachsten Mitteln konnten wir diese umsetzen, das war einfacher als eine Modelleisenbahn. Unser Werkzeug war meist eine Laubsäge, oft aus „Vorkriegsbeständen”. Die Materialien fanden wir im Wald: Rindenstücke für Dach und Wände des Stalls und Landschaftsteile. Der Untergrund bestand aus Sperrholzresten oder Holz von Zigarrenkistchen. Ein gezeichneter Plan existierte nicht; die Größe des Bauwerks richtete sich nach den verfügbaren Materialien. Alles wurde mit „Papp” aus erhitztem Fichtenpech zusammengefügt, da Nägel rar waren. Papier wurde mit „Mehlpapp” verklebt, einer Mischung aus Weizenmehl und Wasser.
Für das Gelände außerhalb des Stalls sammelten wir Moos und Wurzelteile, die als Bäume dienten, sowie Fels-brocken und Steine für ein ärmliches Umfeld. Die Krippe mit Jesuskind, Maria, Josef, Hirten, Ochs, Esel und Schafen stammte aus den Vorjahren. Neue Attraktionen wie der Kometenstern und das Hirtenfeuer wurden jedes Jahr ergänzt. Der Kometenstern schwebte an einem Draht über dem Stall, das Hirtenfeuer stand im Feld. Beide wurden künstlich beleuchtet, mit Glühbirnen, die an eine Taschenlampenbatterie angeschlossen waren. Ein Schalter existierte nicht; das Ein- und Ausschalten erfolgte durch Anund Abklemmen der Batterie. Unser Taschengeld reichte gerade für Lampen, Fassungen und Draht.

Mir war das nicht genug: Ein beleuchteter Heiligenschein für das Christkind musste her. Ich bastelte eine Wiege mit Fassung und Glühbirndl am Kopfende. Die Wärme der Bir-ne hatte ich unterschätzt: Sie ließ den wächsernen Christkindlkopf anschmelzen, bis ich die Fassung ein Stück zu-rücksetzte. Stolz präsentierte ich meine Erfindung, und die Heiligen Könige Kaspar, Melchior und Balthasar konnten beruhigt auf ihren Auftritt am 6. Januar warten. Das begleitende Kamel verriet, wo das Trio daheim war. Am Lichtmesstag kam das Krippeninventar in die Schachtel, und die Batterie zurück in die Taschenlampe.

Wie bei vielen war mein Bild des Weihnachtsgeschehens mit einer bayerischen Krippe verbunden, die jedes Jahr in Kirchen, Stuben und Schaufenstern zu bewundern sind. Dies änderte sich, als ich ins Heilige Land reiste und Bethlehem sowie die Geburtsgrotte besuchte. Dort, wo das ganze Jahr über „Stille Nacht – Heilige Nacht” passt, nahm ich einen Erinnerungsstein mit. Er wurde Teil meines Kripperls und somit Teil des Heiligen Landes.

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Der “Doktormax” und das Attentat


von Hans Obermair
erschienen am 9.7.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

So wie man nicht durch Glonn fahren kann, ohne mit dem Namen Lebsche in Verbindung zu kommen, so trifft das auch auf die Geschichte des Marktfleckens zu. Diese Fmilie mit drei Ehrenbürgern hat aber nicht nur Orts- und Medizingeschihcte geschrieben, siondern auch bayerische. Dass der Glonner Professor Dr.Max Lebsche womöglich auch deutsche – wenn nicht gar Weltgeschichte mit beeinflusst hat, wurde erst vor ein paar Jahren offenbar.

Professor Max Lebsche

Der Doktormax, wie der Arztsohn genannt wurde, hatte eine steile Arztkariere hinter sich: Als Schüler von ferdinand Sauerbruch hatte er auch dessen Vertrauen, sonst hätte dieser sich nicht geäußert, er würde sich nur von Lebsche operieren lassen. 1930 gründete dieser eine eigenen Klinik. 1936 wurde Lebsche nach einem Parteitribunal aus dem Staatsdienst entlassen. 1939 meldete er sich freiwillig, um Verwundeten zu helfen und wurde Chefarzt des Militärstandortlazarettes München. Das war wohl der Ort, an dem Lebsche, nicht nur über 1000 „Einhändern” mit der von ihm weiter entwickelte „Sauerbruchhand” eine weitere berufliche Tätigkeit ermöglichte, sondern auch Tausenden Kriegsverwundeten das überleben. Seine ärztliche Kunst schützte ihn möglicherweise vor KZ oder Tod.

Nach dem mißglückten Attentat vom 20.Juli 1944. Foto:©DPA/AFP/Obermair

Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg war Berufsoffizier und zunächst auch Anhänger der Nazi-Ideologie. Nicht nur Stalingrad, sondern auch sein eigener Einsatz in Nordafrika, von dem er schwere Verwundungen davon trug, brachte ihn, zu-mindest gedanklich, zum Widerstand. Nach seinem Münchner Klinikaufenthalt kam er nach Berlin, um sich dann auch dem aktiven Widerstand anzuschließen.
Veranlasst durch Peter Sauerbruchs (Sohn von Prof. Sauerbruch) kam der in Afrika schwer verwundete Stauffenberg am 21.4.43 in das Münchner Standortlazarett zu Lebsche, um von diesem wegen einer Handprothese operiert zu werden. Die Operation wurde wegen Komplikationen verschoben, so war Stauffenberg noch bis September in München.

Dass er sich in München nach der „Weißen Rose” erkundigte und sich mit Lebsche über eine Nachkriegslösung unterhielt, so berichtet es Nina Gräfin von Stauffenberg, legt nahe, dass man auch über den Widerstand sprach. Stauffenberg war dann ab 1.10.1943 in Berlin Chef eines Stabes unter General Olbrich, einem führenden Hitler-gegner.
Ob Lebsche Stauffenberg wegen des Attentats vom 20.7.1944 positiv beeinflusst hat, ist nicht genau bekannt. Es darf aber als sicher angenommen werden, dass sich Leb-sehe nicht für Hitler ausgesprochen hat, sondern gegen ihn. Wenn schon über die ,,Weiße Rose” und eine Nachkriegslösung gesprochen wurde, dann ist anzunehmen, dass auch eine Beseitigung des schrecklichen Gewaltherrschers als Lösung im Raum stand.

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Als Glonn große Sprünge machte


von Hans Obermair
erschienen am12.11.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Veränderung in Natur und Leben vollzieht sich oft in Schüben. Also Ereignissen, die Grundsätzliches oder eine Richtung ruckartig beeinflussen. Die Gemeinde Glonn hat im laufe ihrer Geschichte mehrere derart prä-gende Entwicklungsschritte erlebt, die als Quantensprün-ge betrachtet werden können. Wenn auch die Entstehung keiner war, denn eine richtige Gründungsurkunde gibt es nicht. Und auch die Landschaft wurde durch den lnngletscher und die Jahrtausende geformt.

Die erste Erwähnung Glonns von 774 bezieht sich lediglich auf den Fluss und nicht auf den heutigen Ort. Ob die ersten Siedler ein Aha-Erlebnis hatten, um dauerhaft zu bleiben, ist fraglich. Es war wohl ein Kommen und Gehen, bis die Kelten den Fluss Clana nannten und dem Ort einen Namen gaben. Doch auch das ist nicht einzigartig, da es mehrere Clanas gibt. Die Römer könnten durch den Ausbau ihrer Verkehrswege den Raum bekannter gemacht haben. Steine und Lehm begünstigten den Straßenbau. Römerplätze wie Helfendorf und Oberseeon gibt es ja heute noch.
Mit der bedingten Schenkung von 774 wird der Bau einer Kirche in Georgenberg in Verbindung gebracht. Das Christentum brauchte solche Mittelpunkte, und Schenkungen stärkten die Verbindung zu Bistum und Bischof. Die Taufe war damals ein Untertauchen in fließendes Wasser, was in der Glonn auf jeden Fall, vielleicht auch beim Quellaustritt bei Georgenberg möglich war. Gräber belegen dort eine frühe Besiedlung. Ab 821 werden Priester in Glonn erwähnt, was auf eine Kirche schließen lässt. Diese Kirche war der Auslöser für Glonns zentrale Rolle und somit ein Quantensprung. 1315 wird Glonn als Pfarr- und Dekanatsort erwähnt, was die Bedeutung unterstreicht. Vor 1560 gab es in Glonn zudem bereits eine Schule.

Die Burg oder Schloss Zinneberg, 1235 erwähnt, war ein weiterer Pfeiler der Ortsentwicklung, erbaut aus Glonner Tuffstein. Sie war Arbeitgeber, Kunde und Sitz eines Ge-richts. Der Tuffstein war auch wichtig für den Bau und die Mühlsteine der Glonner Mühlen, die Kunden aus München anzogen, von denen nicht nur die Müller profitier-ten: 1857 hatten 53 von 54 Glonner Anwesen ein Gewer-be.

Glonn war Verwaltungseinheit und wurde um 1808/1818 Mittelpunkt der neuen Gemeinde. Die 1768 erbaute Kirche, eigentlich für die Seelenzahl damals noch viel zu groß, bezeugte die Entwicklung. Die Säkularisation 1803 traf nur Filialkirchen und arrondierte die Pfarrei.

Die Reichsgründung 1871, das Gewerberecht und die Währungsumstellung auf Mark legten den Grundstein für die Gründerzeit. Die Bauernbefreiung und verbesserte Anbaumethoden führten zu einem Bauboom. Die Bahn erreichte 1857 Westerham und 1872 Grafing, aber nicht Glonn. Erst 1894 kam der Anschluss, was den Erholungssuchenden nach Glonn brachte. 1901 erhielt Glonn das Marktrecht, ein weiterer Quantensprung. 1928 wurden Schlacht, Reinstorf und Kreuz nach Glonn umgepfarrt.

1632 war Glonn Schlachtort und wurde fast völlig zerstört, beklagte an die 30 Gefallene. Die Pest forderte weitere Opfer. Der Wiederaufbau zeugte vom Überlebenswillen. Der Spanische Erbfolgekrieg brachte Besetzungen und Re-krutierungen. 1870 starben fünf Glonner im Krieg mit Frankreich, 1914/18 waren es 65. Die Arbeitslosigkeit, Hungersnot und Inflation nach dem Ersten Weltkrieg schadeten der Gemeinde. Der Zweite Weltkrieg forderte 91 Opfer. Diese Kriege waren negative Quantensprünge.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Ausgebombte aus München aufgenommen. Heimatvertriebene kamen hinzu. Trotz der Schwierigkeiten wurde angepackt und ein Wirtschaftswunder geschaffen.
Die Nachkriegsentwicklung der Marktgemeinde ist einzigartig. Probleme wie Wasser, Abwasser, Bauentwicklung und Verkehr wurden angegangen. Die Verwaltungsreform 1978 führte zur Verwaltungsgemeinschaft mit Bruck, Moosach, Baiern, Oberpframmern und Egmating, für alle sechs Gemeinden ein großer Schritt. Das erste Dorffest 1992 war ein gesellschaftlicher Quantensprung.

Das verhaltene Wachstum Glonns erleichterte wohl die Integration von Neubürgern. Das Vereinsleben ist ein gelungenes Beispiel dafür. Für viele Neu-Glonner bedeutete ih-re Ansiedlung hier sicherlich einen persönlichen Quantensprung. Zukünftige Quantensprünge werden nicht ausbleiben. Ein solcher könnte eine umweltschonende Umfahrung sein.

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Von Pfarrhäusern zu Schulhäusern


von Hans Obermair
erschienen am 28.9.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

 

Glonns Schulhaus von 1813-1838

In den frühen Tagen der Bildung in Glonn waren die Elternhäuser die ersten „Schulhäuser“. Dort wurde zwar nicht Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt, da die Eltern selbst oft keine formale Bildung hatten, jedoch wurden grundlegende Überlebensfähigkeiten und religiöse Erziehung vermittelt. Wer darüberhinaus Bildung sucht, musste sich Kloster-oder Pfarrschulen anvertrauen. Bei der Überlasung der pfarrer übernahmen Katecheten mit anderen berufen, wie mesner oder Handwerker, den Unterricht. Der Schulbetrieb fand meist in Kirchen oder Pfarrhäusern statt. Da es keine Schulpflicht gab, waren es meist Kinder bildungsbewußter Eltern, die diese Schulen besuchten. Der Religionsunterricht hingegen war verpflichtend, wodurch die Pfarrer Kontakt zu den Kindern hatten und talentierte Schüler fördern konnten. Neben diesen Schulen boten auch Eremiten, die zurückgezogen lebten, Unterricht an.
Ein erstes eigenes Schulhaus in Glonn könnte schon vor dem Dreißigjährigen krieg existiert haben. Die erste Erwähnung einer Schule stammt aus dem Jahr 1560. Pfarrer Amann berichtete 1810 von einem Schulhausbau nach dem Schweden krieg, das aus den Steinen abgebrannter Häuser errichtet wurde. Die Schweden waren 1632 in Glonn, wobei fast alle Gebäude niederbrannten. Möglicherweise war eine Schule darunter. Pfarrer Johann Schmalzmair, der von 1634 bis 1644 in Glonn tätig war, könnte das Schulhaus wieder aufgebaut oder erstmals errichtet haben. 1666 wurde es als “Katzmayrhäusl” bekannt, benannt nach einem Lehrer, der 1642 verstarb, was darauf hinweist, dass das Gebäude bereits 1642 existierte.
Das Schulhaus stand vermutlich auf einem Grundstück, das zum Pfarrhof gehörte. Lehrer Knöpferl erwähnte 1793, dass er dort wohnte und unterrichtete. Der Ortsplan von 1810 zeigt, dass das Schulhaus vor dem heutigen Kaufhaus Obermaier stand. In einem Bericht von 1801 wurde die Schule als „Schulhütte” beschrieben, die für einen Schmierbrenner zu schlecht und unbequem sei. Forderungen nach einer Erweiterung oder einem Neubau wurden immer lauter, besonders weil die Witwe des Lehrers Knöpferl ebenfalls dort wohnte. Reparaturen wurden 1802 durchgeführt, jedoch blieb das Schulhaus unzureichend.

Mit der Einführung der Schulpflicht 1802 wurde die Erweiterung des Schulhauses dringlich. Ein Neubau schien jedoch aufgrund fehlender Handwerker und finanzieller Mittel schwer realisierbar. Kooperator Waltl schlug einen Neubau an einem ruhigeren Ort vor, da das alte Schulhaus an einem belebten Platz stand. Sein Finanzierungsplan umfasste Reparaturgelder, den Verkauf des alten Schulhauses und Beiträge von umliegenden Gemeinden. Trotz der Anerkennung durch das Landgericht verzögerten sich die Bauarbeiten.

Die baurechtlichen Anforderungen wurden 1803 festgelegt, darunter eine ruhige Lage und ausreichende Belüftung. Ein geeignetes Grundstück zu finden, blieb jedoch eine Herausforderung. Pfarrer Frank bot zwei Plätze an, die jedoch nicht überzeugten. Ein Neubau auf dem „Furthmüllerpoint” wurde favorisiert, aber nicht realisiert. Nach Franks Tod 1803 übernahm Pfarrer Benno Amann, der die Grundstücksfrage erneut stellte. Ein Erweiterungsplan von 1804 sah eine Vergrößerung des alten Schulhauses vor, jedoch blieb der Neubau auf der „Furthmüllerpoint” bevorzugt.

Bis 1810 geschah wenig. Pfarrer Amann appellierte an den König, da das Schulhaus mehr einem Kerker als einer Schule glich. Die politische Gemeinde, seit 1808 existie-rend, war verarmt. Ein neuer Plan von Meister Vorherr aus München wurde erstellt, aber Amann verstarb 1810. Sein Nachfolger, Pfarrer Moser, begann schließlich den Bau auf Pfarrgrund, der jedoch unvollendet blieb. In einem Schreiben von 1814 wurde berichtet, dass Moser „bei Nacht und Nebel” nach Tirol abgezogen war, jedoch hinterließ er Glonn eine neue Schule, die bis 1838 genutzt wurde.

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Als die Glonner Kirchen schwanden


von Hans Obermair
erschienen am 29.10.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Die Säkularisation veränderte die kirchliche Landschaft in der Gemeinde grundlegend.

In der Gemeinde Glonn und ihrer Umgebung reihen sich sechs Filialkirchen wie ein Kranz um die zentrale Pfarrkirche: Schlacht, Adling, Haslach, Kreuz, Frauenreuth und Münster. Diese Kirchen sind Zeugen einer langen Ge-schichte, die bis in die Säkularisation zurückreicht. Neben diesen Filialkirchen gibt es auch die Kirchen in Zinneberg, im Marienheim und in Georgenberg, die kirchenrechtlich keine Filialen, sondern Eigenkirchen sind. Während die Kirchen in Zinneberg und im Marienheim neueren Datums sind, haben die anderen eine Säkularisationsgeschichte, die geprägt ist von Abrissen und Umstrukturierungen. Die Kirchen von Steinhausen, Doblberg und Sonnenhausen fielen der Säkularisation zum Opfer und wurden „demoliert“.

Die Säkularisation war ein Prozess, der die uralten Strukturen und Institutionen der katholischen Kirche, wie Pfarreien, Kirchen und Klöster, im Zuge der Aufklärung politisch hinterfragte. Besonders im alten „Baiern“ wurden die Eigentumsverhältnisse der Klöster und Pfarreien kritisch betrachtet. Diese besaßen oft große Anwesen oder Grundstücke, die als „Obereigentum“ gegen Abgaben an „Untereigentümer” verliehen wurden. Der Reichsdeputationshauptschluss übertrug viele geistliche Besitzstände an den Staat, mit Genehmigung des Papstes und ohne großen Nachteil für die Kirche. Die Einführung der Kirchensteuer schuf einen Ausgleich.

In der Gemeinde Glonn hatte die Säkularisation weitreichende Auswirkungen. Die Kirche von Steinhausen, die dem Heiligen Nikolaus geweiht war und 1416 erstmals erwähnt wurde, war eine Eigenkirche der Herren von Steinhausen. Die Kirche maß gut 12 mal 5 Meter und wurde 1812 abgerissen. Trotz Bemühungen der Bevölkerung, das Gotteshaus zu retten, wurde das Inventar der Kirche zu einem guten Preis versteigert. Der Rohbau ging an einen Zimmermann, der das Material weiterverwendete.

Auch die Kirche in Schlacht wurde als entbehrlich eingestuft. 1807 zur Versteigerung angeboten, blieb sie jedoch bestehen, da nur Einrichtungsgegenstände verkauft wurden. 1813 wurde erneut die „Demolation“ verfügt, doch das Grundstück wurde von einem Finanzdirektor gekauft, der ein „Bethaus” errichten durfte. Dies rettete zumindest den Altarraum, und die Kirche ist heute noch ein Teil der Gemeinde.

Die Kirche in Kreuz, mit ihrer Weiheurkunde von 1268 und einer Wallfahrtstradition, wurde ebenfalls als entbehrlich angesehen. Trotz der Bedeutung der Kirche, die auch einen Friedhof besaß, wurde ihre Demolierung in Betracht gezogen. Die Kreuzer setzten sich jedoch erfolgreich für den Erhalt ihrer Kirche ein und boten sogar finanzielle Unterstützung für den Bau einer Schule in Glonn an. Dies führte zur Gründung einer eigenen Pfarrei, was die Kirche vor dem Abriss bewahrte.

Die Kirche von Doblberg, die bereits 1418 als Glonner Filiale erwähnt wurde, wurde ebenfalls abgerissen. Die Kirche war sehr baufällig, und 1807 wurde der Abbruch beschlossen. Die besondere Tragik des Abrisses: der Tod der beiden Mesnerbrüder Johann und Josef Feichtner, die dabei ums Leben kamen.

Die Kirche in Adling, die dem Heiligen Lampert geweiht ist, konnte durch das Engagement der Gemeinde gerettet werden. Trotz der Einstufung als „entbehrlich” bot die Gemeinde 170 Gulden für den Erhalt der Kirche und übernahm die Baulast. Dies führte dazu, dass die Kirche bis heute erhalten blieb. Die St. Ulrichskirche in Sonnenhausen überstand die Säkularisation nicht. Der Ort bestand nur aus einem Anwesen, und die Kirche wurde als entbehrlich angesehen. Sie wurde abgerissen, während die Schlosskapelle in Zinneberg als Hauskirche bestehen blieb.

Auch die Kirche in Georgenberg, die als „Urkirche” der Pfarrei gilt, wurde als entbehrlich eingestuft. Die Bauern in Georgenberg kauften die Kirche für 140 Gulden und bewahrten sie so vor dem Abriss.

Die gotische Kirche in Haslach, bekannt für ihre wertvolle Ausstattung, wurde ebenfalls als entbehrlich betrachtet. Pfarrer Amann argumentierte jedoch, dass die Kirche eine „Sepultur“ habe, was sie vor dem Abriss schützte. Vermutlich bezog sich der Pfarrer auf Gräber aus dem 30-jährigen Krieg, die als Beweis für die Bedeutung der Kirche dienten.

Die Kirchen in Glonn, Münster und Frauenreuth blieben von der Säkularisation unberührt, da ihre Friedhöfe weiterhin genutzt wurden. Die Säkularisation war zweifellos ein einschneidendes Ereignis für die kirchliche Landschaft in Glonn. Sie legte einerseits den Grundstein für die Bauernbefreiung von 1848, führte aber auch zur Vernichtung vieler wertvoller Kunstgegenstände und historischer Dokumente.

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