
von Hans Obermair
erschienen am 9.7.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung
So wie man nicht durch Glonn fahren kann, ohne mit dem Namen Lebsche in Verbindung zu kommen, so trifft das auch auf die Geschichte des Marktfleckens zu. Diese Fmilie mit drei Ehrenbürgern hat aber nicht nur Orts- und Medizingeschihcte geschrieben, siondern auch bayerische. Dass der Glonner Professor Dr.Max Lebsche womöglich auch deutsche – wenn nicht gar Weltgeschichte mit beeinflusst hat, wurde erst vor ein paar Jahren offenbar.
Der Doktormax, wie der Arztsohn genannt wurde, hatte eine steile Arztkariere hinter sich: Als Schüler von ferdinand Sauerbruch hatte er auch dessen Vertrauen, sonst hätte dieser sich nicht geäußert, er würde sich nur von Lebsche operieren lassen. 1930 gründete dieser eine eigenen Klinik. 1936 wurde Lebsche nach einem Parteitribunal aus dem Staatsdienst entlassen. 1939 meldete er sich freiwillig, um Verwundeten zu helfen und wurde Chefarzt des Militärstandortlazarettes München. Das war wohl der Ort, an dem Lebsche, nicht nur über 1000 „Einhändern” mit der von ihm weiter entwickelte „Sauerbruchhand” eine weitere berufliche Tätigkeit ermöglichte, sondern auch Tausenden Kriegsverwundeten das überleben. Seine ärztliche Kunst schützte ihn möglicherweise vor KZ oder Tod.
Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg war Berufsoffizier und zunächst auch Anhänger der Nazi-Ideologie. Nicht nur Stalingrad, sondern auch sein eigener Einsatz in Nordafrika, von dem er schwere Verwundungen davon trug, brachte ihn, zu-mindest gedanklich, zum Widerstand. Nach seinem Münchner Klinikaufenthalt kam er nach Berlin, um sich dann auch dem aktiven Widerstand anzuschließen.
Veranlasst durch Peter Sauerbruchs (Sohn von Prof. Sauerbruch) kam der in Afrika schwer verwundete Stauffenberg am 21.4.43 in das Münchner Standortlazarett zu Lebsche, um von diesem wegen einer Handprothese operiert zu werden. Die Operation wurde wegen Komplikationen verschoben, so war Stauffenberg noch bis September in München.
Dass er sich in München nach der „Weißen Rose” erkundigte und sich mit Lebsche über eine Nachkriegslösung unterhielt, so berichtet es Nina Gräfin von Stauffenberg, legt nahe, dass man auch über den Widerstand sprach. Stauffenberg war dann ab 1.10.1943 in Berlin Chef eines Stabes unter General Olbrich, einem führenden Hitler-gegner.
Ob Lebsche Stauffenberg wegen des Attentats vom 20.7.1944 positiv beeinflusst hat, ist nicht genau bekannt. Es darf aber als sicher angenommen werden, dass sich Leb-sehe nicht für Hitler ausgesprochen hat, sondern gegen ihn. Wenn schon über die ,,Weiße Rose” und eine Nachkriegslösung gesprochen wurde, dann ist anzunehmen, dass auch eine Beseitigung des schrecklichen Gewaltherrschers als Lösung im Raum stand.


