| 3.1.2023 “Schlechter Schnitt mit hiesigen Schnitten” | 16.8.2023 “Der Wirtshansi erinnert sich” |
| 20.2.2023 “Unser Lesebuch” | 23.8.2023 “Als den Glonnern ein Licht aufging” |
| 18.4.2023 “Eine Bücherei wird 100” | 31.8.2023 “Unsere Kartoffel – eine tolle Knolle” |
| 16.5.2023 “Hut ab” | 30.9.2023 “Markt ist nicht Markt” |
| 25.5.2023 “Unsere gute alte Zeitung” | 10.11.2023 “Milliardenschweres Gedenken” |
| 6.7.2023 “Da Bot von Glon” | 30.12.2023 “Das Glücksschwein und die arme Sau” |
| 5.8.2023 “Löschwasser in Lederkübeln” |
Archiv der Kategorie: Ortschronisten
Unsere Hausnamen: Da Moar und andere
Dieser Text von Hans Obermair erschien am 19.2.12021 in der Ebersberger Zeitung
Unsere Hausnamen – Da Moar und andere
Mein Vater hieß Hans Obermair. Seine alten Freunde nannten ihn aber den „Niedermoar Hans“. Warum? Die Sache ist ganz einfach: Früher, und in ländlichen Gegenden heute noch, nannte und nennt man die Leute nach dem Hausnamen des Hauses, aus dem sie kommen. Und mein Vater stammte vom „Niedermoar“ in Frauenreuth. Dieser Hausname ist schon 1501 in den Urbaren genannt und ist sicher wesentlich älter. Wahrscheinlich hat das Kloster Tegernsee, zu dessen Verwaltung das Frauenreuter Gäu gehörte, ihren Mairhof in frühester Zeit aufgeteilt und die Teile nach ihrer Lage benannt. Ausgegangen ist man vom Dorfmittelpunkt, der Kirche. Und so nennt man in Frauenreuth heute noch diese Anwesen beim „Obermoar“, beim „Niedermoar“ (Wirt), beim „Hintermoar“ und beim „Neumoar“ (zu „Noima“ verkürzt).
Diese Aufteilung könnte auf Grund von weiteren Rodungen erfolgt sein. Eine erste Rodung hat ja dem Ort den Namen „Reuth“ gegeben. Mit der bedeutend werdenden Marienwallfahrt eben dann Frauenreuth. Die fünf weiteren Anwesen, beim „Huber“, beim „Mesner“, beim „Schäffler“, beim „Rumpl“ (Schmied) und beim „Siman“ werden auf weitere Teilungen, oder Schenkungen,Im südlichen Bayern ist der Hofhame „Moar“ mit allen Varianten besonders häufig anzutreffen. Woher kommt der „Moar“? Reinhard Riepl schreibt: Er war Inhaber eines ganzen Hofes (nach Hoffuß) oder Verwalter eines Gutes. Das Wort selbst kommt aus den Lateinischen Major und bedeutet, der Größere, auf Besitz und Verwaltung bezogen. So nannte man schon die Vorfahren Karl des Großen Hausmaier. Sie haben sich in der Verwaltung bewährt und hoch gedient. Der „Moar“ als der Verwaltende ist heute noch in verschiedenen Sprachen präsent. Zum Beispiel in Französisch ist der „Maire“ der Bürgermeister, oder in Englisch heißt er der „Mayor“. Im bayerischen Dialekt ist der „Moar“ zwar kein Bürgermeister, aber in der Sprache des Eisschießens derjenige, der in der um eine Person weniger besetzten Gruppe, den Fehlenden zu ersetzten hat, also zweimal dran kommt.
Der „Moar“ ist ein Name mit Bedeutung. Und so ist es nicht verwunderlich dass man zum Beispiel bei einer Einheirat oder eines sonstigen Wechsels gerne den „Moar“ mitnahm und sich nach seiner Herkunft nennen ließ. Den „Moar“ gab es bei uns vornehmlich im bäuerlichen Umfeld. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er im Laufe der Zeit auch auf Anwesen, die keine „Moargröße“
Bauer wurde. Wie wäre es sonst zu verstehen, dass es in Landsham gleich ein ganzes Dutzend „Moar“ gab, wie Willi Kneißl nachweist: den Niedermoar, Hintermoar, Weidachmoar, Westermoar, Radlmoar, Geßmoar, Stock- moar, Feldmoar, Neumoar, Thalmoar, Obermoar und den Straßmoar.
Hausnamen können vielerlei Entstehungsgründe haben. Zum Beispiel beim „Moar“, „Huaba“, „Lehna“ und „Häusler“ ist es die /\nwe- sensgröße. Dann die Anwesenslage, Unter, Ober, Berg, Anger. Feld und so weiter, oft verbunden mit anderen Begriffen (z.B. Feldmoar). Häu- es in der Regel entweder der Vorname eines frühen, wenn nicht ersten Besitzers oder eines Besitzers durch Hofteilung. Kommen innerhalb eines Ortes überwiegend Vornamen als Hausnamen vor, so könnte das mit der Besiedlung zu tun haben, zum Beispiel, wenn sich eine ganze Sippe niedergelassen hat. Ein weiterer Anlass für Vornamen: Der Grundherr ist ein Gotteshaus, dessen Hauptheiliger dem Hausnamen bestimmt: Beim „Glos“ in Steinhausen war die Nikolauskirche in Steinhausen nicht nur der Nachbar, sondern auch der Grundherr. Wenn eine Kirche oder Pfarrei Grund Laufe der Jahrhunderte zu „Wimmer“ zugeschliffen hat.
Auch Grund- oder Gerichtsherren können Hausnamensgeber sein, wie beim „Klinger“ oder beim „Zeller“ (Kloster Dietramszell). So auch die Herkunft des Siedler wie zum Beispiel beim „Schwabi“. Viele Hausnamen wiedergeben den Beruf eines früheren Bewohners, natürlich in Verbindung mit allen möglichen Kombinationen (Angerl- schuster usw.) Häufig haben auf Berufe zurückgehende Hausnamen den ursprünglichen ersetzt, weil Bewohner jetzt einen Beruf ausübten und natürlich über die Berufsnennung sich einen Wer- manchmal nicht mehr auf Anhieb zu deuten sind, hängt oft damit zusammen, weil sie heute noch im Dialekt ihrer Entstehungszeit gesprochen werden. Zum Beispiel „Moja“ (Maler). Wir nennen zwar heute noch mundartlich das malen „mojn“. Der frühere „Moja“ ist längst zum „Maler“ geworden. Aber auch beim Nachbar des Glonner Moja, beim „Frosch“ lässt sich nicht mehr die Bedeutung auf Anhieb erkennen. Die frühen „Froschn’s“ aber werden durch das Fangen von Fröschen ihren Tisch oder gar ihren Geldbeutel aufgebessert haben.
Hausnamen hatten auch rechtliche Bedeutung. Die Familiennamen änderten sich durch Heirat und Wechsel, die Verwaltung aber brauchte in einer Zeit, wo es keine Straßennamen und Hausnummern, keine Grundbücher gab, „ewige“ Namen. Und so hießen sie auch in einer Verwaltungsvorschrift.
Gräbt man heute einen alten Gegenstand aus, der 500 Jahre alt ist, so ist die Sensation perfekt. Aber unsere alten Hausnamen, die oft weit älter sind, verkommen zusehends. Obwohl sie Familien-, Besied- lungs-, Wirtschafts-, und Sozialgeschichte ersten Ranges sind. Überdies sind sie eine Quelle für die Mundartforschung. Schade, dass unsere Häuser so ihrer kulturellen Substanz beraubt werden.
Schwein gehabt
Dieser Text von ©Hans Obermair erschien am 30.6 2021 in der Ebersberger Zeitung
Bemerkenswertes Votivbild:
Wie das Schicksal von 22 Ferkeln die Autorin Lena Christ inspirierte

Schicksalsfrage: Die Stifter der Votivtafel in Frauenreuth bitten die Muttergottes, dass
ein Wurf von 22 Ferkeln überlebt – eine ungewöhnlich hohe Zahl. Das Schicksal des wertvollen Viehs war der Familie ein großes Anliegen. Repro: hog
In der Kirche von Frauenreuth sehen wir ein Votivbild, das auch in die Literatur Eingang gefunden hat: Lena Christ verewigt es in ihrem Roman „Mathias Bichler”. Für sie, die gebürtige Glonnerin, gehörte dieses Votivbild sozusagen zu ihren Kindheitserinnerungen – bewusst oder unbewusst. Jedenfalls kann es die 1909 erschienene Glonner Chronik des Johann Niedermair gewesen sein, die die Dichterin auf die literarische Verwendungsmöglichkeit von Glonner Geschichten aufmerksam machte. Niedermair ist ein Glonner Bauerssohn und feiert 1909 als 34-Jähriger dort seine Primiz. Übrigens: Vieles was in der „Niedermairchronik” aufgeschrieben ist, wie zum Beispiel viele Glonner Hausnamen, fand in Lena Christs Werk Eingang, wenn in der Regel auch anders verortet.
Jetzt aber zum Votivbild: Es wurde 1720 von den Müllers- und Bauerseheleuten „zum Steinmüller” im Glonner Mühltal gestiftet. Der Stiftungszweck ergibt sich aus dem Text (siehe Zitat).
Mit dem Votivbild von 1720 bittet der Steinmüller Servatius Wäsler und seine Frau Gott und die Gottesmutter von Frauenreuth, dass ihm alle Frischlinge, also junge Schweine, durchkommen, also nicht vorzeitig verenden. Mit dieser Tafel wolle er eine Heilige Messe und ein Opfer in den „Stock” (Opferstock) versprechen und seinen ewigen Dank zum Ausdruck bringen. Mit dem „Amen” am Schluss bekräftigt er seine Bitte und seinen Dank.
Auf dem Bild sehen wir die knienden Steinmüllers in zeitgenössischer Tracht. Die Rosenkränze sind sicher zu groß dargestellt, aber kleiner war es auf dem Bild schlecht möglich. Die abgebildete Schweineherde soll sicher nicht die „Frischlinge” darstellen, sondern gewissermaßen das „ausgewachsene Endergebnis”, um das man ja gebangt und weswegen man sich verlobt hatte. Die Bäume am rechten Bildrand dürften Eichen sein, denn deren Früchte waren eine Futterbasis für die damalige Schweinemast (Dechelmast).
Die Qualität des Bildes spricht dafür, dass es von einem Profi stammt. Es ist eines der besser gemalten von den Frauenreuther Votivbildern. Und so wird es auch mehr gekostet haben, als üblich. Eine Müllerfamilie konnte sich das eher leisten. Infrage kommen vielleicht
die Maler Möschl, wohl aus Tirol, und Zäch, eventuell aus Benediktbeuern. Aber auch ein Mitglied der Malerfamilie Beham, die 1718 nach Herrmannsdorf zugezogen ist, könnte es gewesen sein.
Die in dem Bild genannten Wäslers sind eine Glonner Müllerfamilie, die wir im Laufe der Zeit auf verschiedenen Glonner Mühlen schon vor 1600 und bis heute finden. Das heute noch mundartlich gesprochene „Wasler”, könnte auf den Ursprung des Namens „die Wassler”, also die am oder mit dem Wasser arbeiten, hindeuten.
Ein 1693 geborener Franz Steinmüller, seines Zeichens Zimmermann und „Architektus”, war Bruder des Votanten Servatius Wäsler, der 1708 die Bauerntochter Ursula Rumpl aus Hafelsberg heiratete. Das dürfte die Frau auf dem Votivbild sein. 1757 wechselte der Familiennamen durch Heirat in Mühltaler – bis heute.
Den Anlass für das Votivbild erfahren wir aus dem Bild selbst. Was auffällt, ist die Zahl der „Frischlinge” – 22. In keinen anderen Unterlagen lässt sich auf einem Glonner „Sach”, auch nicht auf „ganzen” Höfen, des 17. und 18. Jahrhunderts eine solch hohe Zahl finden. Der Steinmüller als „Viertelhöfler” hatte nach dem Steuerbuch von 1671 nur eine „Schweinsmutter” (Muttersau) mit sieben Frischlingen – und damit schon einen überdurchschnittlichen Schweinebestand. Nimmt man das Wurfergebis von 1671, hätte man 1720 drei Sauen und das mit ähnlicher Wurfzeit haben müssen. Für einen „Viertelhöfler” eher auszuschließen.
Es kann also nur die Mühle gewesen sein, die diesen hohen Schweinebesatz erlaubte. Möglicherweise ist diese Angst um ihre „Frischlinge” durch eine Seuche wie den „Rotlauf’ (die heutige Schweinepest ist erst seit 1833 dokumentiert) bedingt. Aber vielleicht war es auch nur die generelle Sorge um diesen eventuell unerwarteten Schweinesegen.
Zurück zu Lena Christ: „Mathias Bichler”, der Roman, der sich um 1800 im oberen Leitzachtal abspielt, erschien 1914. Er handelt vom Findelkind „Mathiasl”, der auf Wanderschaft den Maler Beham – auch ein Glonner Name – trifft. Ihm hat eine Kundin einen Auftrag gegeben: Sie will der Gottesmutter von Ebbs ihren Dank abstatten, weil von einer Sau alle 22 Frischlinge durchgekommen sind. Vorbild für diese Geschichte war sicher das Votivbild von 1720 in der Frauenreuther Kirche – ein weiterer Beweis, wie unzertrennlich Lena Christ und Glonn Zusammenhängen.
Römerstraße gesucht
Dieser Text von ©Hans Obermair erschien am 7.12.2021 in der Ebersberger Zeitung
Es muss sie gegeben haben, eine Römerstraße von Helfendorf in den Norden des Landkreises Ebersberg. In Kleinhelfendorf wo die „Via Julia” südlich (Grünwald) von München nach Augsburg verläuft, muss diese abgezweigt sein. Die „Via Julia” ist heute noch gut erkennbar, zumindest in der Gemeinde Aying. Auch in der Ayinger Schule haben wir das so gelernt. Demnach führte sie an unserer Wiese vorbei. Und so grub ich beim Hüten der Kühe mit Taschenmesser und Händen in den Damm in der Hoffnung, römische Soldaten könnten für mich etwas verloren haben. Gefunden habe ich nichts – außer Freude und Ansporn, mich mit Geschichte zu befassen. Bis auf den heutigen Tag!
Die Römerstraßen im Landkreisnorden sind weitgehend bekannt, (siehe HAB Dr. Mayr Gottfried Seite?). Es war die Straße, die Augsburg mit Wels (Oberösterreich) verband und den Ebersberger Forst durchquerte. Die Hauptstrecke führte (OBB. Archiv Band 130 Hans Baur Seite 67) über „Bra- tananium” (Pretzen im LK Erding) über „Ambra” (Dachau) nach Augsburg.
Die Römerstraße, die die heutigen Gemeinden Hohenlinden, Anzing, höchstwahrscheinlich über Froschkern nach Neufarn, und Poing durchquerte (HAB), führte weiter nach Poing, Gelting, Finsing, und Neuching nach Freising. In Neufarn könnte ein Abzweig über Aschheim zum Isarübergang in Oberföhring gewesen sein.
Wo diese Trasse verlaufen ist, ist offen. Möglicherweise über Grub und Feldkirchen, wo Emmeram, der 652 in Kleinhelfendorf sein Martyrium erlitt, und auf dem Transport über Aschheim nach Regensburg verstarb. Die vermutete Römerverbindung von Helfendorf nach wahrscheinlich Neufarn, und weiter nach Feldkirchen, könnte also der Weg des schwer verwundeten Emmeram gewesen sein. Aber es gibt für diese Trasse nur Indizien.
Kreisheimatpfleger Thomas Warg berichtet uns (siehe EZ vom 24.8.2021), dass das gesuchte Teilstück (Helfendorf – Neufarn) die „Via Julia” mit der Römerstraße von Wels nach Augsburg im Norden des Ebersberger Forstes verbunden haben soll.
Eventuell ist die „Gesuchte” ab Aying am Ostrand der Schotterebene verlaufen. Nachdem Straßen, damals wie heute, nicht nur gebaut, sondern auch unterhalten werden mussten, waren hierzu „Villa Rustikas” angelegt. Eine könnte das nachgewiesene römische Gehöft in Oberseeon, oberhalb des Steinsees, gewesen sein. Also könnte sich die gesuchte Straße in der Nähe befunden haben. Zum Beispiel bei Pframmern, dessen Namen auf die Römer zurückgeht. Wenn man aber die Geländeskizze im Südlichen
Landkreis (mit den Schotter- und Lehmvorkommen) auch betrachtet, wäre auch ein Römerstraßenverlauf Kleinhelfendorf-Münster-Schlacht-Steinsee (Niederseeon)-Pframmern gut möglich. Damit wäre man ganz in der Nähe von Oberseeon gewesen.
Pframmern liegt aber auch an der Grenze zwischen dem besagten Moränenzug Oung-Altmoräne) und der sogenannten Schotterebene (Kiesboden), die früher als „Perlacher Haid”, nicht als besonders fruchtbar galt. Es muss eine Graslandschaft gewesen sein, die, wenn überhaupt, nur für die Schafweide taugte. Um aufkommendes Gehölz wird sich sicher der hohe Wildbestand gekümmert haben. Die „Perlacher Haid” war für den damaligen Ackerbau also nicht geeignet. Und so wird wohl eine Besiedlung der Moränenlandschaft an der Grenze zur Schotterebene, natürlich an oder in der Nähe einerStraße, bevorzugt worden sein: Hier waren die besseren Ackerbaumöglichkeiten, darauf stehend das erforderliche Bauholz, und das alles in der Nachbarschaft der wildreichen „Perlacher Haid”, die auch die „hohe Jagdherrschaft” zu schätzen wusste.
Wenn wir uns die Landkarte anschauen, hat das Aufeinandertreffen dieser beiden Landschaftsformen, die nur im Zornedinger Raum zweimal kurz unterbrochen ist, zu einer Kette von Orten geführt.
Beginnen wir in Aying, unweit von Helfendorf. Dann geht die Reihe weiter über Egmating, Orthofen, Pframmern, Wolfersberg, Zorneding, Ingelsberg, Purfing, Neufarn und weiter nach Poing, Ottersberg, Gelting-Pliening, Finsing und Neuching im Erdinger Land. Auf die Möglichkeiten eines möglichen teilweisen Verlaufes im Süden wurde schon hingewiesen.
Diese uralten Orte sind damals wie heute durch eine Straße verbunden. Übrigens: Aschheim und Neuching, sind zwei wichtige Orte, wo 755 und 771 Synoden der Agilolfinger zur Ergänzung des „Lex Bauivariorum” stattfanden.
Diese beiden Orte wurden sicher ausgewählt, weil sie an bedeutenden Straßen lagen und dies mit entsprechenden Beherbergungsmöglichkeiten. Eine Weiterführung von Neuching nach Freising, der Herzogs- und ersten Stadt des südlichen Bayern und seit 739 Bischofsitz, ist festgestellt. Und so ist es gut möglich, dass Bischof Hitto aus Freising, der im Januar 813 die Kirchen in Gelting und Georgenberg eingeweiht hatte, auf dieser Straße angereist ist.
Ob es sich bei der „Gesuchten” ganz oder teilweise um die Römerstraße, oder um die Vorgängerstraße aus dem ersten Jahrtausend oder um früh
mittelalterliche Wege handelt, ist (noch) nicht bekannt. Sollte es eine Römerstraße gewesen sein, wäre dies logisch. Für den bewährten römischen Straßenbau brauchte man sowohl faustgroße Steine als auch Kiesel verbunden mit Lehm. Diese Materialien waren in der Schotterebene als auch in den Moränen reichlich vorhanden. Also keine oder kaum aufwendige Transporte.
Diesen „pekuniären” Vorteil berücksichtigten die Römer sicher bei der Trassenwahl. Von ihnen stammt ja der Spruch „Pekunia non ölet”, also „Geld stinkt nicht”. Aber natürlich nur, wenn es nicht ausgegeben war.
Möglicherweise sind einige Orte mit dem Entstehen der Straße entstanden. Andere wieder, weil diese da war. Die an der vermuteten Trasse liegenden Orte haben alle mindestens ein Anwesen mit dem Hausnamen „Moar”. Der „Moar” war häufig nicht nur der größte Hof eines Ortes, sondern womöglich auch der Erste. Eventuell war bei einigen eine „Villa-Rustika” der Anfang.
Diese Straße wird größtenteils knapp unterhalb der Moränenhänge gewesen sein um Steigungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Da Hänge natürlich nach unten erodieren und die flachen Schotterböden nicht nach oben, könnte diese alte Straße meterhoch überschüttet sein. Man kann es ja auch beobachten, dass landwirtschaftliche Flächen, die direkt an einem Hang liegen, mit Erosionsmasse vom Hang her überdeckt sind. Vielleicht können bei tieferen Baugruben unterhalb eines solchen Hanges doch noch Straßenreste entdeckt werden.
Der ganze „kriminalistische” Sachverstand von Generationen von Historikern, Archäologen und Heimatkundlern hat bisher nicht ausgereicht, sozusagen „die Straßen-Leiche” zu entdecken. Und so muss die Suche, auch die nach Indizien, weitergehen, bis vielleicht einmal „Kommissar Zufall” den Fall löst.
Hirte und Herde einst und jetzt
Dieser Text von ©Hans Obermair erschien am 18.11.2021 in der Ebersberger Zeitung
Erinnerung an die Wanderschäferei in Ottersberg
Zumindest in den monotheistischen Religionen sind Schafe Opfertiere, eben weil sie für den Menschen einen hohen Stellenwert hatten. Die Einheit und Abhängigkeit von Hirte und Herde hat besonders in den christlichen Religionen hohe symbolische Aussagekraft: Der „gute Hirte” ist Vorbild und Schutz für den Menschen.
Das Viernutzungstier Schaf (Fleisch-Wolle-Leder und Milch) ist, besonders auch für landwirtschaftlich weniger attraktiven Böden bestens geeignet. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie auch in unserer heutigen Landwirtschaft als Nutztiere vorkommen. Schafe waren auch bevorzugtes Leihobjekt. In der Steuerbeschreibung von 1671 ist dies des Öfteren aufgeführt. Die Schur der Wolle war sozusagen die „Leihgebühr”. Entleiher waren oft Wirte oder Metzger, die mehr am Fleisch als an der Wolle interessiert waren. Überdies waren Schafe leicht zu transportieren, denn sie liefen selbst. Schafe waren auch für die kleinteiligen Fluren früherer Zeiten, als noch Dorfhirten den Viehbestand eines Dorfes mit versorgten. Also nach Ernte der Sommerung und Winterung, als auch für die jedes dritte Jahr anfallenden Brache, geeignete Weidetiere. Sie fanden ihre Nahrung auch noch auf Flächen, die von Rindern bereits genutzt waren und so auch „Spezialisten” für Reste. Dies galt auch für Futterreste auf den Anwesen. Ihr Viermägen-Wiederkäuer-System begünstigt dies.
Die kleinteilige Schafhaltung gab es durch alle Zeiten. Besonders von kleineren Betrieben gepflegt und besonders in „schlechter” Zeit, wo Eigenversorgung einen hohen Stellenwert hatte.
Zur bäuerlichen Schafhaltung auf den einzelnen Anwesen gibt es die Wanderschäferei. Es sind dann schon einige Hundert Tiere, die eine Herde bilden. Diese Art der Haltung, die ja auf wesentlich größere Flächen angewiesen ist, ist wesentlich jünger als die traditionell bäuerliche. Sie ist nicht Zubetrieb sondern Hauptbetrieb. In Zeiten und Gegenden wo die Wanderschäferei nicht in den Ablauf der Landwirtschaft passt, ist diese auf Stallhaltung angewiesen. Es sei denn, es gab genügend große, nicht landwirtschaftlich genutzte Weideflächen, wie zum Beispiel einen Flughafen. So war es auf dem Gelände des alten Flughafen Riem. Hier ging es vorrangig um Landschaftspflege.
Die Wanderherde gehörte ab den Tagen des Herbstes sozusagen zum Landschaftsbild. Musste man in ein neues Weideland „umgetrieben” ging das in der Regel über öffentliche Straßen – wenn auch mit Behinderung des Verkehrs. Die Weide bildete zunächst der sogenannte „Sograt”, das waren die Halme der auf abgeernteten Getreideflächen aufgegangenen Körner. Dann, und das bis in den November hinein, Wiesen, entweder nach dem letzten Schnitt oder nach der Weide durch die Rinder.
Die Wanderschäferei in den 1950er Jahren kenne ich aus eigenem Erleben in Ottersberg. Schafe waren hier nichts Neues: Beim Wirt in Ottersberg gab es zum Beispiel einen Gebäudeteil, den man den „Schafstall” nannte. An einen Schafbestand auf einzelnen Anwesen kann ich mich nicht mehr erinnern.
Also zur Wanderschäferei: Der Maier Schorsch aus Eicherloh fragte schon früh genug, eventuell schon am Ende der vorigen Saison, beim Ortführer, dem „Sprunkmoar”Taddäus Burghart, ob er im kommenden Herbst wieder auf der Ottersberger Flur „auftreiben” dürfe. Wenn es dann soweit war, kam er mit seinen 300 bis 400 Schafen und seinen zwei Hütehunden auf die Ortsflur. Sein Schäferkarren, in dem er dann übernachtete, stand schon auf dem vereinbarten Feld. In der Nähe stellte er seinen „Pferch”, das war ein versetzbares Zaungeviert, etwa 20 mal 20 Meter -, auf, in dem seine Schafe bei der Nacht eingesperrt wurden. Dort machten sie viel Mist. Diese Düngung musste dem Bauern etwas wert sein. Und so wurde alle 14 Tage beim Wirt der „Pferch” für die nächsten zwei Wochen versteigert. Das konnten an zum Beispiel die 30 Mark sein, die in die Ortskasse einbezahlt wurden.
Aus dieser Ortskasse wurden dann Aufgaben des Ortes, zum Beispiel die Instandhaltung der Wege, finanziert. Zu diesen Arbeiten, die man „Schar- werch” nannte, sagt der Ortsführer von Haus zu Haus ein und alle kamen. Die größeren Bauern mit Mann und Fuhrwerk und die kleineren mit Rechen und Schaufeln. Zum Aufladen des Kieses leistete man sich schon damals einen Bagger vom „Pfarrerbauern” in Lands-ham. So wurden die Wege des Ortes instand gehalten. Eine Brotzeit wurde natürlich auch finanziert.
Am Ende der Herbstsaison stiftete der Maier Schorsch einen geschlachteten Hammel. Die Wirtin verarbeitete diesen zu einem Ragout. Natürlich mit Knödel und Zutaten. Für die Wirtin dürfte es nicht immer leicht gewesen sein, diesen mehr oder weniger alten Hammel zu einem „Schmaus” zuzubereiten. Alle, die Grundstücke in der Ottersberger Flur hatten, waren zu diesem Essen beim Saisonausklang eingeladen und alle kamen. Letzte Wanderschäfersaison dürfte um 1960 gewesen sein. So wie sich die Landwirtschaft seither stark verändert hat, war es auch bei der Schäferei.
Heute ist der Wanderschäfer nicht mehr in erster Linie Fleisch- und Wolllieferant, sondern Landschaftspfleger. Auch das Umsetzen in ein anderes Gebiet erfolgt nicht mehr „zufuß”, sondern mit entsprechenden Fahrzeugen. Die Globalisierung hat sich auch in diesem uralten Gewerbe ausgewirkt. Schaffleisch- und Wolle aus aller Welt wurde zum Standard. Schade! Und das nach Jahrtausenden allein heimischer Schafhaltung
Der Bauer und seine drei Herren
Dieser Text von ©Hans Obermair erschien am 19.5.2021 in der Ebersberger Zeitung
Wahrscheinlich war unser Gebiet ursprünglich Fiskalland, also Land, das im staatlichen Eigentum war, das dann im Zuge der Entwicklung des Christentums zu einem guten Teil an Klöster und kirchliche Einrichtungen (hat sich durch Schenkungen erhöht), und auch an den Adel, als „Obereigentum” übertragen wurde. Ein Teil bleibt beim Landesherrn. Im geringen Maße gab es auch Eigentum des Nutzers im heutigen Sinn. Das „Obereigentum”, das ursprünglich auch Gerichtsrechte umfasste, wurde überwiegend von „Hintersassen” als Lehen (nur Nutzungsbesitz) bewirtschaftet. Im Gegenzug mussten an den Grundherrn verschiedene Leistungen wie Scharwerk, Geld- und/oder Naturalabgaben erbracht werden. Bei Nutzer- oder Herrenwechsel konnte eine extra Abgabe (Laudemien) anfallen. Im Falle eines Unglücks, wie Feuer, Hagel Seuchen oder Trockenheit gab es die Hilfe der Grundherren.
Die Leihformen (Lehen) zwischen Nutzer und Eigentümer waren vielfältig. So gab es z.B. das Erbrecht, das auf die Nachkommen übergehen konnte, das Leibrecht war auf das Leben des Untereigentümers abgestellt und die Neustift auf die Lebenszeit des Grundherren. Dann gab es auch Zwischenformen unterschiedlicher Art. Wahrscheinlich waren die kirchlichen Obereigentümer nicht nur die meisten, sondern auch die beliebtesten. Ihre „Oberen”, wie Äbte und Pfarrer, stammten ja häufig aus dem Bauernstand und wussten aus eigenem Erleben, was Wohl und Wehe bedeutet. Das damalige Sprichwort „unterm Krummstab ist gut leben” bringt dies zum Ausdruck.
Erfüllte ein Hintersasse seine Aufgabe nicht, konnte er „abgestiftet” werden, das heißt, er musste gehen. Dies war aber sehr selten der Fall. Wenn es zu einem Familienwechsel auf einem Anwesen kam, dann in der Regel deswegen, weil keine Nachkommen vorhanden waren. Und so bewirtschafteten nicht wenige Familien über Jahrhunderte das gleiche Anwesen. Erst mit der sogenannten „Bauernbefreiung” im Jahre 1848 gab es dann endgültig für alle uneingeschränktes Eigentum, das natürlich auch verkauft werden konnte. Die Gegenleistung war Ablösung und/oder Bodenzins.
Die Anwesensgrößen waren gestaffelt in Höfe (1/1), Huben (1/2), Lehen (1/4) und Sölden (1/8). Hinzu kamen „Leerhäuser”, in der Regel 1 /16-Anwesen. Das Kriterium für die Zuordnung war nicht eine bestimmte Fläche, sondern die Ertragskraft des Gutes. Dieses sogenannte Hoffußsystem, das für ganz Altbaiern galt, war über Jahrhunderte eine Besteuerungs- und Abgabengrundlage für die Landes-, Gerichts-, Grund- und Pfarrherren. Die einzelnen Anwesen waren in Urbaren oder Saalbüchern aufgezeichnet und beschrieben. Da die Grundstücke nicht vermessen waren, wurde der Grundstücksnachbar als Anrainer genannt. Damit waren Lage und Größe bestimmbar. Weitere Aufzeichnungen bestanden z.B. als Steuerbücher, Feuerstättenbücher, Hofanlagen- und Scharwerksverzeichnisse. Erst mit der Anlage von Hypotheken- und Grundbüchern zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es dann Plan- und Hausnummern.
Vorher war der Haus- oder Hofname, der Familienname konnte ja wechseln, für die Verwaltung der Anwesen das gängige Ordnungsmerkmal.
Die rechtliche Struktur ist mit der heutigen nicht zu vergleichen. Zwei Nachbarn konnten zum Beispiel verschiedenen Gerichtsherrn, wenn auch mit gleichen Rechtsnormen, unterstellt sein. Es gab die Hochgerichtsbarkeit („Malefizhändel”z.B. Mord/Notzucht/Diebstahl), diese hatte in der Regel der Landesherr inne, der sie über seine Landgerichte ausübte. Für unser Gebiet war das Gericht Schwaben zuständig. Das Recht der Niedergerichtsbarkeit (kleinere Vergehen) wurde häufig von sogenannten Hofmarken (geschlossene oder offene) ausgeübt, wie zum Beispiel Zinneberg eine war. Bei geistlichen Hofmarken war ein weltlicher Vogt zuständig. War der Hofmarktsherr- bzw. Richter oder das Objekt zu weit entfernt, konnte er das Gerichtsrecht z.B. auf eine fremde Hofmark übertragen. Das Kloster Dietramszell, das in der Gemeinde Glonn einiges an Obereigentum und niederer Gerichtsbarkeit innehatte, hatte z. B. sein Recht in dieser Gegend an Zinneberg (Pienzenauer) übertragen.
Unterste „Behörde” des Gerichtsherrn war die Hauptmannschaft, die ursprünglich für militärische Zwecke eingeführt, und für je zehn Anwesen eingerichtet war. Mehrere Hauptmannschaften konnten zu „Obmannschaften” zusammen gefasst sein. Dieses Rechtssystem bestand bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Besonders niedere Gerichtsbarkeiten waren des Öfteren in Händen der Grundherren. Der oberste Gerichtsherr war natürlich über seine Gerichte der Landesherr.
Der Pfarrherr war in erster Linie für das Kirchenwesen und für die örtliche Gemeinschaft zuständig und wohl der „Herr” im Ort. Die Bezeichnung „Insa Herr” für den Ortspfarrer bis ins letzte Jahrhundert üblich, mag daran erinnern. Über die Religion hatte er den größten Einfluss auf das tägliche Leben. Zudem war er auch der „Herr”, der am nächsten war. Über seine Pfarrei, war er für das Bildungswesen zuständig. Ebenso für Kranken- und Armenpflege und gegebenenfalls für den Dorfhirten, wenn sonst kein Träger, wie z.B. eine Hauptmannschaft, vorhanden war.
Träger einzelner Aufgaben konnte auch eine Bruderschaft sein, in Glonn z.B. die Armenseelenbruderschaft. Zur Finanzierung dieser Aufgaben mussten neben den grundherrlichen Einnahmen, soweit die Kirche auch Grundherr war, auch „Zehent”, das war in der Regel ein Zehntel z.B. des Ernteanteiles, geleistet werden. Ob Naturaloder Geldleistung, das war verschieden. Aber auch Hand-und Spanndienste, insbesondere bei größeren Vorhaben, z.B. einem Kirchenbau, waren üblich.
Überdies wurde durch den Pfarrer die Landwirtschaft, der „Pfarrhof” seiner Pfarrei geführt. Er war sozusagen auch Bauer, natürlich mit entsprechendem Gebäuden und Personal. Häufig war er ein Bauernbub und/oder hatte möglicherweise in seiner Kaplanzeit schon auf anderen Pfarrhöfen die Landwirtschaft kennen gelernt. Oft war er der Einzige in seiner Pfarrei, der die Fachliteratur auswerten konnte. Neues Wissen in der Landwirtschaft stand ihm also vorrangig zur Verfügung. Damit konnte er auch „Vorzeigebauer” sein und übte so Einfluss auf das landwirtschaftlich Geschehen in der Gemeinde aus. Und damit auch auf den Wohlstand seiner Pfarrei.
Das System der „drei Herren” über dem Landmann, wurde natürlich immer wieder angepasst und ergänzt. Sicher mag es auch unzufriedene Bauern und lokale Aufstände gegeben haben, aber einen „Bauernkrieg”, so wie in anderen Gebieten Deutschlands gab es in Altbai- ern (Ober-, Niederbaiern und Teile der Oberpfalz) nicht. Letztlich war das alte System über ein halbes Jahrtausend Garant für Stabilität und Wohlfahrt unseres „Altbaiern”. Erst durch die Säkularisation 1802/1803 wurde dieses System in Frage gestellt – eine radikale Änderung wurde eingeleitet.
Drinnahoiza, Draußahoiza – daher kommts
Dieser Text von ©Hans Obermair erschien am 14.7.2020 in der Ebersberger Zeitung
Der Ebersberger Forst trennt die Menschen im Landkreis. Heißt es. Hier die Drinnahoiza, dort die Draußahoiza, oder umgekehrt. Was hat es damit auf sich? Wie tief geht die Trennung? Hans Obermair, Glonner Heimatforscher, klärt auf.
Landkreis – „Drinahoiza- Draussahoize“, ein Wortpaar, das heute, Gott sei Dank, nur noch selten in Gebrauch ist. Aber vor 100 Jahren gehörte es, zumindest bei den Älteren, zum Sprachschatz. Es wurde immer dann gebraucht, wenn es um Trennendes zwischen Nord und Süd im heutigen Landkreis ging.
Bei diesen Begriffen handelt es sich zunächst um räumliche. Der „Park“ (Ebersberger Forst) war das Hindernis, das es zu überwinden galt, wenn man zueinander wollte oder musste. Aber das Holz endete nicht an der Grenze des „Parks“, sondern auch außerhalb setzte sich der Wald bis zur Landkreisgrenze fort. Ein gefährlicher Weg also, und teils ohne Wirtshaus. Dies galt natürlich insbesondere für den Ebersberger-Grafinger Bereich.
Die Grenze Drinnahoiz- Draußahoiz hatte vermutlich auch etwas zu tun mit den Pflegämtern. Das Landgericht Schwaben umfasste drei Pflegamtsbezirke: Purfing für den Norden und Wiesham, sowie Northofen (Orthofen) für den Süden.
Zorneding gehörte noch zum Süden, also zu Northofen, während Pöring und Ingelsberg nach Purfing zugeordnet waren. Die Grenze Nord-Süd könnte also außerhalb des Parks etwa die heutige Bahnlinie gewesen sein. Wann, wie und warum diese Pfleggerichtsgrenzen entstanden sind, wurde nicht erforscht.
Warum also diese, auch mentale, Grenze? Mag sein, dass die Landgerichtsverlegung von Falkenberg nach Schwaben (Markt Schwaben) Ende des 13. Jahrhundert mit Ursache war. Im Süden, wo dieser Begriff „Draußahoiz“ wahrscheinlich entstanden sein dürfte, könnte diese Landgerichtverlegung, ein Grund gewesen sein. Dort war dann auch der Obereigentümer für mehrere Anwesen, dorthin musste man letztlich Abgaben und die Steuern zahlen, von dort aus wurde in Kriegszeiten einberufen, dort musste man für alles Mögliche Genehmigungen einholen, zum Beispiel bei der Säkularisation, und in Schwaben wurde in vielen Fällen nicht nur Recht (Hochgerichtsbarkeit) gesprochen, sondern auch die Todesstrafe vollzogen. Natürlich für Nord und Süd.
Nach Schwaben war man auch zum, „Scharwerk“ verpflichtet. Wie es 1603 heißt, auch zum „Hochgericht”. Fünf aus dem Glonner Gäu wurden zum Dienst gerufen: Man kann davon ausgehen, dass in Schwaben Hochgerichtstag war und dass die Glonner „Scharwercher“ unter anderem dabei für Sicherheit zu sorgen hatten. Möglicherweise war in Schwaben einer von dort „hinzurichten“.
Den Schwabener „Scharwerchem” traute man vermutlich aber nicht. Sie könnten sich ja auf die Seite des Opfers geschlagen haben.
Aber auch die Kultur hat sich im Süden und Norden unterschiedlich entwickelt. Denken wir an die Dachformen, die „draußen” steil waren, weil es mehr Getreidebau und damit mehr Stroh für die Dachdeckung gab. Im Süden war das flache Legschindeldach die Regel: hier gab es eben mehr Holz.
Möglicherweise wurde dieser Unterschied auch von der Niederschlagsmenge, die im Süden reichlicher ist, bedingt.
Aber auch behördliche Vorgaben könnten eine Rolle gespielt haben. Dann auch die Sprache: Zum Hausnamen „Zehetmair“ (von Zehent) sagt man im Süden z.B. in Zorneding und Berganger „Zechatmoar“ und im Norden (Gelting, Anzing, Neuching) beim „Zehmer“. Beim „Selmer“ und „Sellmoar“ ist es ähnlich. Und so gäbe es noch einige Beispiele.
Ein früher im Süden gebräuchlicher Spruch: „Draussahoizaboschn griagst drei um an Grosch’n“ setzt heute nicht mehr die vom Norden herab.
Die Zeit mit ihren neuen Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten hat uns näher gebracht. Entfernungsprobleme gibt es nicht mehr. Das „Holz“ ist nichts trennendes mehr. Damit wurden auch neue Organisationen, denken wir an die letzte Gebietsreform, möglich. Tun wir alles dafür, dass die mühsam errungene Landkreiseinheit erhalten bleibt. Das größere Wachstum des Nordens, könnte dieses Gleichgewicht nicht nur stören, sondern auch zerstören.
Artikel von Hans Obermair in Ebersberger Zeitung 2022
| 4.1.2022 “Die schlechte Zeit” | 22.4.2022 “Abschied von einem Stück Geschichte” |
| 11.1.2022 “Die Bank in der Kirche” | 11.8.2022 “Vom ‘Troad’ und vom ‘Dreschn'” |
| 25.1.2022 “Da Poite” – der siebte Bua | 18.8.2022 “Die Auswanderer” |
| 8.2.2022 “Der Mann für alle Fälle” | 7.9.2022 “Wie eine Malerfamilie Glonn prägte” |
| 21.2.2022 “Glonner Zechen und Greawinkler” | 5.11.2022 “Ein Taufbecken geht auf Reisen” |
| 1.3.2022 “Maler der Heimat” | 29.11.2022 “Tausendundeine Nacht in Glonn” |
| 8.3.2021 “Am ersten Tag meldeten sich 21 Männer” |
Artikel von Hans Obermair in Ebersberger Zeitung 2021
| 16.01.2021 | “Bierletzt u. Ganspaschen” | 30.6.2021 | “Schwein gehabt” |
| 30.01.2021 | “Lichtmeß-Schlenkeln” | 13.8.2021 | “Der Lanz – Unser Bulldog” |
| 19.2.2021 | “da Moar und andere” | 17.8.2021 | “Silber-Lukas: Das sind seine Vorgänger” |
| 19.05.2021 | “Der Bauer und seine drei Herren” | 7.9.2021 | “Der Kirchenwachter von Frauenreuth” |
| 1.6.2021 | “Zurück zum Ursprung” | 30.9.2021 | “Ein Rathaus hat Jubiläum” |
| 9.6.2021 | “Ein Dreh zum Wohlfühlen” | 18.11.2021 | “Hirte und Herde von einst bis jetzt” |
| 9.6.2021 | “Erinnerungen an Karl Obermair” | 7.12.2021 | “Römerstraße gesucht” |
| 15.06.2021 | “Knedl und Kraut” |

