
von Hans Obermair
erschienen am 10. 11. 2023, im Lokalteil der EbersbergerZeitung
Seit 100 Jahren erinnert das Glonner Kriegerdenkmal an die Gefallenen des 1. Weltkriegs
Noch kein Ereignis wird so einen Denkmalboom ausgelöst haben, wie der Erste Weltkrieg 1914/18. Treibende Kraft hierzu waren häufig die „Veteranenvereine”, die sich oft schon nach dem „gewonnenen” Krieg von 1870/71 gründeten. Und dass Anfang der Zwanzigerjahre dieser Boom auch in der Glonner Umgebung stattfand, das kann man im Protokollbuch der Glonner Veteranen nachlesen. Es war nämlich gute Sitte, dass man bei Denkmalsenthüllungen „rundum” mit dabei war: 1921 in Neufarn und Parsdorf, 1922 Putzbrunn, Siegertbrunn, Oberpframmern, Kirchseeon, Emmering, Ebersberg und Kleinhelfendorf.
Bauherrn der Kriegerdenkmäler waren in der Regel die Gemeinden. Schon 1920 wurde hierzu in Glonn ein „Kriegerdenkmalverein” gegründet. Als dessen Initiatoren und Vorsitzende werden Pfarrer Schrall und Sanitätsrat Lebsche genannt. Dass es eines eigenen Fördervereins bedurfte, mag daran liegen, dass der Verein kriegsbedingt ziemlich am Boden lag.
Ein Bericht im Glonner Gemeindearchiv „Thätigkeit des Comite’s” gibt über die Vorgänge Auskunft. Die erste Phase befasste sich damit, ob es überhaupt möglich sei, ein Kriegerdenkmal zu errichten: Wo, Wie und die Finanzen waren da zu erörtern. Nach fast zwei Jahren scheinen diese Fragen grundsätzlich gelöst zu sein und der Sanitätsrat übergibt sein Amt an Josef Landthaler, er ist zugleich auch Vorstand des Veteranenvereins.
Bei einer Versammlung setzt sich als Standort eines neuen Denkmals der „Marktplatz” gegen die so genannte „Friedhofswiese” durch, die sich dort, wo heute der untere Friedhof ist, befand, und 1912 von der Frau Posthalter gestiftet wurde. Ein weiterer Platzvorschlag war die Kirche, wohl in Form einer Gedenktafel, ähnlich wie das 1870/71-Denkmal.
Ebenfalls noch in der Ära Lebsche wurde das „Wie” diskutiert. Mit 45 gegen 39 Stimmen entschied man sich für eine „Gedächtniskapelle” am Marktplatz. Auch eine „Mariensäule” war einmal im Gespräch. Jetzt ist auch von Architekt Heppner und Professor Lempel, die wohl Entwürfe eingebracht haben, die Rede. Abgestimmt wird nun für ein „Denkmal” und zwar an der „Gürteler-Ecke”, dem heutigen Standplatz. Man entscheidet sich für den „sterbenden Krieger”. Den Auftrag erhält für die Figur Steinmetzmeister Josef Mair aus Ebersberg.
Die sich stets steigernde Inflation zwingt zum Handeln: Man entscheidet sich für „Kirchheimer Muschelkalk”. Einem günstigen Angebot für den für die „Figur” nötigen Block wird für 5400 Mark stattgegeben. Weitere Materialien werden gesichert. So auch Zement. Inzwischen (25.7.1922) rechnet man mit Gesamtkosten von 150 000 Mark.
Im August 1922 wird mit den Erdbewegungen und dem Unterbau zu begonnen. Auf dem Bau muss man fleißig gewesen sein, denn am 28.3.1923 kann man schon den „Enthüllungstermin” für 10. Juni 1923 beschließen. Da geht es um Aufgabenverteilung, Feldmesse, Kirchenzug, Festzug, Musik, Festzeichen damit den Glonnern und die zu den Ortsvereinen geladenen 30 Veteranenverein des Umkreises, die zu einem guten Teil mit der Bahn gekommen sind, ein würdiges Fest geboten werden kann. Ein Festzeichen wird 10 000 Mark kosten und die Musik des „Faßrainers” 460 000 Mark. Das Fest selbst, dessen weltlicher Teil dann im Herbergslokal Neuwirt stattfand, dürfte sich selbst getragen haben.
Beim Bau des Denkmales, dessen Kosten mit über 5 Milliarden beziffert sind, gab es allerdings ein Defizit von einer Milliarde und 175 000 Mark, das allerdings der Vereinskassier Ludwig Winhart, „Weigl” von Ursprung gedeckt hat.
Wenn man aber die Preise am Ende der Inflation (15.11.1923) in Betracht zieht – ein Kilo Roggenbrot kostete 233 Milliarden – dann könnte der „Weigl” das Defizit allerdings, sozusagen „aus dem Westentaschl” geleistet haben.
