Markt ist nicht Markt


von ©Hans Obermair
erschienen am 30. September 2023, im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

300 Jahre Markt in Glonn: Ein Handelsplatz mit bewegter Geschichte

Markt Glonn” steht stolz im Ortseingangsschild. Wenn dann zeit­gleich in einer Anzeige steht, in Glonn sei Markt, dann könnte man zwi­schen beidem einen Zusammenhang vermuten. Dem ist aber nicht so. Das „Markt Glonn” gibt es seit 1901 nach dem Recht von 1869. Es wurde „aller­höchst” vom Prinzregent Luitpold selbst verliehen. Grundlage für die Erhe­bung zu „Markt Glonn” ist wohl, dass der Ort mit Gemeinde einer der vier Mittelpunkte im Landkreis waren. Ein „Marktrecht”, wie es für Glonn schon Jahrhunderte vorher bestand, ist und war also für das „Markt” im Ortsna­men nicht Voraussetzung.

Das Marktrecht in Glonn, das von Kreuz 1723 übernommen wurde, gibt es nun also seit 300 Jahren.

Für 1429 ist erstmals ein herzoglicher Markt für Kreuz verbürgt. 1701 stellt Wenig in seiner Topographie für Zinneberg noch fest: „Eine kleine Stundt von Zinneberg befindet sich der Ort Creutz, zu diesem Schloss gehörig, a11- so ein Kirchlein von zwey Bauernhöfvorhanden, werden auch deßJahres vier Märckt allda gehalten”. 1701 waren also die Märkte noch in Kreuz. Die zwei Höfe, der „Moar” (heute Schneeberger) und der „Westermoar” waren im Obereigentum von Zinneberg, so wie der Glonner Wirt (Post) auch. Der „Mesner” war der Kirche Egmating grundbar. Deshalb ist er nicht aufge­führt.

Der letzte „Westermoar” verstarb 1754. Wahrscheinlich schon vorher wur­de der Hof aufgelöst und aufgeteilt. Der Teil, westlich der Kirche, wo dieses Anwesen stand und auf dem die Märkte wohl stattgefunden haben, wurde dem Wirt in Glonn zugeschlagen. Damit wird der „Marktplatz” und damit der auch der Markt nach Glonn gekommen sein. Dies wird auch von The­rese Killi aus Münster, wohl aus mündlicher Überlieferung, bestätigt, wenn sie schreibt: „Auch waren im Laufe eines Jahres 4 Jahrmärkte, welch später von einer Wirtswitwe jetzt Post in Glonn angekauft wurden und so nach Glonn verlegt wurden”.

Der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair schreibt: „Erst seit 1723 finden die vier Jahrmärkte (Fasten-, Pfingst-Jakobi und Michaelemarkt) in Glonn statt. 1814 wird dann vom Patrimonalgericht Zinneberg beantragt, dass der Johannimarkt um eine Woche vorverlegt werden solle, dann sei man nicht „in Konkurrenz” zum vier Stunden entfernten Markt in Holzkirchen. Daran kann man die Bedeutung des Glonner Marktes ermessen. Um diese Zeit gab es also schon einen Viehmarkt in Glonn. Für 1821 sind schon vier Viehmärkte belegt. Wenn auch Niedermair 1909 schreibt: Erst im Jahre 1833 gelang es auf Bemühen des Wirtes, auch die Viehmärkte an den dar­auffolgenden Montagen von Kreuz nach Glonn zu verlegen”. Möglicherwei­se war zwischen 1814 und 1833 auch in Kreuz noch ein Viehmarkt; eventu­ell nur für Pferde. Schon wie in Kreuz beaufsichtigte Zinneberg auch in Glonn die Märkte. Der Platz für die Märkte in Glonn, war auf dem Grund des Wirtsanwesens, zu dem bis etwa 1928 auch der jetzige Marktplatz ge­hörte.

Ab 1859 wurde der Viehmarkt zweimal im Jahr auch auf den Montag nach dem Markttag verlegt. Dies und dass 1859 der Wirt Wagner, der noch als einziger Wirt in Glonn an drei Stellen ausschenkte, für 29 Hektoliter an die Gemeinde 24 Gulden „Bieraufschlag” zu zahlen hatte, zeigt den Umfang des Zulaufes. Überdies kassierte die Gemeinde noch Standgeld. 1831 wa­ren es 56 Gulden (wohl für alle vier Märkte). Dass zum Beispiel 1890 der „Distrikttierarzt” Angerbauer Missstände aufzeigt wie: Dass seit Jahren die Ausstellungsflächen zu klein sind, der (Vieh)-Markt dehne sich schon auf die Distriktstraße aus und dass die Fläche nicht abgeschlossen sei, mag über die Größe etwas aussagen. Man solle einen größeren Platz suchen – „ohne Rücksicht auf einen einflussreichen Gastwirt, der seine Wirtschaft neben dem derzeitigen Viehmarkte hat – und das dürfte dahinterstecken”. 1891 lesen wir dann, dass der Viehmarktplatz auf den angrenzenden An­ger (Postwirt) ausgeweitet wird. Für 1909 sind „Auftriebszahlen genannt: „Zugetrieben wurden 385 Ochsen, 50 Kühe und 30 Kälber. Alles wurde ver­kauft”.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 dürfte der Höhe­punkt des Glonner Waren-und Viehmarktes überschritten sein. 1929 ist nur mehr ein Auftrieb von 82 Stück vermerkt.

Der Ebersberger Anzeiger vom 8.8.1938 berichtet, dass anlässlich des Marktes sehr viele Auswärtige nach Glonn gekommen seien. Die Markt- und die ansässigen Geschäfte gingen insbesondere am vormittags recht gut.

Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges war dann Schluss mit dem Glonner Viehmarkt. 1934 beschließt die Gemeinde dann „das Handeln in jüdischer Sprache ist verboten”.

Der Warenmarkt wird zwar für die Masse des Publikums der attraktivere gewesen sein. Er war ja auch am (fast) arbeitsfreien Sonntag. Dass 1901 der Schneidermeister Deyerl aus München in der Zeitung sein Glonner An­gebot inseriert, zeigt, wie treu und wie weit die „Firanten” angereist sind. Die Bahn ab 1894 war sicher auch für den Markt gut. 1916 verweist Schneidermeister Deyerl in seiner Anzeige „Bezugscheine mitbringen!”. 1936 wird berichtet, dass Messerschmied Blonner seinen 60. Glonner Jahr­markt feiern kann.

Natürlich wurden nicht nur Waren, sondern auch Attraktionen angeboten: Da gab es einen Zirkus, Schiffschaukel, Karussell und auch einen „Herku­les”, der Ketten sprengte und mutige und starke Männer beim „Finger- hackln” über den Tisch zog. Auch von einem „Bärentreiber”, wohl mit ei­nem „Tanzbären” wird berichtet. Schauen wir in die Aufzeichnungen des Musikmeisters Diemer und später Faßrainer, dann ist die „Marktmusik” fester Bestandteil des Glonner Marktes; natürlich nicht in der Fasten-und Adventszeit. Als sich zwischen den beiden Weltkriegen der Glonner Klein­tierzuchtverein gut entwickelte, gab es auch Tierschauen. In den Kriegsjah­ren sind noch bis 1943 Märkte verzeichnet, wenn auch nur noch wenige „Firanten” anbieten.

Die Warenmärkte nach dem Krieg sind frühestens 1946 wieder „angelau­ fen”. Aber was sollte auch angeboten werden? Erst nach der Währungsre­form war wieder Ware da. Wie überall, so auch in Glonn, waren die Jahr­märkte Anfang der Fünfzigerjahre wieder gut beschickt und besucht. Und die noch schlechten Verkehrsverhältnisse haben den Einkauf auf den Örtli­chenjahrmärkten begünstigt. Auch der Versandhandel hatte noch nicht die Bedeutung.

Das spärliche „Marktgeld” das wir Buben von den Eltern bekamen, musste ja auch unter die Leute. An Markttagen boten auch die Glonner Geschäfte ihre Waren an. Wenn man dann in einer Kollektivanzeige der Ebersberger Zeitung von 1984 Anzeigen Glonner Geschäfte sieht, dann spürt man, wie die Zeit verrinnt. Da heißt es noch von „Dirndlstube, von „Plattenstüberl” und von „Wollstüberl”. Die vier Markttage in Glonn sind immer noch gut besucht, wenn auch immer mehr das Ereignis und nicht mehr so das Kau­fen im Vordergrund steht.

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