Wie eine Malerfamilie Glonn prägte

von ©Hans Obermair

erschienen am 7.9.2022 in der Ebersberger Zeitung/Lokalteil

Auf den Spuren der Behams und ihrer Bedeutung für die Kunstge­schichte

Vor ein paar Monaten feierte Glonn den 125. Geburtstages des Malers Georg Lanzenberger. Er wird gewiss der Maler sein, der nicht nur die meisten Werke hinterlassen hat, sondern auch der mit den meisten Glonner Motiven. Lanzenberger war aber bei Weitem nicht der Glonner Maler mit der größten Bedeutung für die Kunstgeschichte. Hier sind die Mitglieder der Glonner Malerfamilie Beham zu nennen.

Die Behams sind 1718 aus Aich, Pfarrei Jesenwang (Fürstenfeldbruck) zum „Vogl” in Herrmannsdorf übersiedelt. Warum, können wir nur vermuten: Der Achtelhof „Vogl” war im Eigentum des Klosters Beyharting, dessen Kir­che ab 1668 umgebaut und um 1730 von Johann-B. Zimmermann stuckiert und ausgemalt wurde. Der Zuzug der Behams erfolgte also in einer Zeit, in der das Kloster vermutlich zahllose Künstler beschäftigte. Dass die Familie Beham wegen der Arbeit an der Klosterkirche diesen Umzug ins rund 70 Kilometer entfernte Herrmannsdorf und noch dazu in dieses klösterliche Obereigentum unternahm, lässt einen Zusammenhang vermuten. Über­dies hätte man sicher keine Probleme gehabt, den „Vogl” mit hiesigen Leu­ten zu besetzen. Dass dann der im Dezember 1718 in Glonn getaufte Sohn Jakob Maler wurde, könnte bedeuten, dass der zugezogene Vater auch schon einer, oder zumindest ein Bauhandwerker war.
Während Sohn Martin (*1711) beim „Vogl” übernimmt, heiratet Jakob die Glonner Naglschmiedtochter Maria Rieder. Das junge Paar kann wohl im Zusammenhang mit der Heirat 1749 das der Pfarrei Glonn grundbare Hechenberger-Anwesen in Westendorf beziehen, wo die ersten sechs Bu­ben zur Welt kommen. Der siebte Sohn wird dann im Naglschmiedanwe- sen „am Berg”, der Heimat der Frau, geboren. 1763 übernahm man näm­lich den „Naglschmied”. Der neue Hausname wechselt jetzt zum „Moier am Berg”. Und das bis heute. Vater Jakob verstirbt, wie es heißt erblindet, dort als „Piktor” (Maler) 1794. Von ihm sind keine Kirchenarbeiten be­kannt. Er wird seinen Söhnen das ehrbare Handwerks des Malers beige­bracht haben, so wie er es wahrscheinlich von seinem Vater übernommen hat. Um 1749 wird er sich mit dem Erwerb des „Gütls” in Westerndorf nächst dem Schloss von Zinneberg selbstständig gemacht haben. Der aus­laufenden Barock mit seinem letzten „Aufbäumen” im Rokoko, wird sich auch auf die Kundschaft ausgewirkt und dem „Maler am Berg” die überle­bensnotwendigen Aufträge zugespielt haben: Schränke, oder auch schon die eine oder andere „Lüftlmalerei”, wie es allmählich bei den Reicheren modern wird. Sonst hätten nicht schon die Söhne, kaum 20, in dieser Diszi­plin etwas leisten können.

Zwei der Söhne, der 1752 geborene Johann-Baptist und Michael (* 1757) haben sich dem Malerhandwerk verschrieben. Bruder Phillip-Jakob (*1760) übernimmt 1794 das Anwesen, eventuell auch als Maler. Bevor des­sen Sohn Johann um 1828 das „Sach” an Breit verkauft, schließt er mit dem „Weigl” im nahen Ursprung 1821 noch einen wichtigen Vertrag: Die­ser liefert ihm das Trinkwasser. Die Gegenleistung war: Der „Moier” hat dem Lieferanten jährlich eine Heilige Messe lesen zu lassen.
Johann-B. (* 1752) heiratet 1785 die Malerstochter Maria Gail aus Aibling. Wahrscheinlich konnte er schon Jahre vorher beim Schwiegervater, der 1770 als Kirchenmaler beschrieben ist, sein Können beweisen, sonst wäre er für die Heirat mit der Tochter und die folgende Geschäftsübernahme nicht „würdig gewesen.
Auch bei Michael Beham ist anzunehmen, dass er im Betrieb des Malers Gail in Aibling und später in dem des Bruders Johann-Baptist gearbeitet hat. Jedenfalls ist Michael schon 1781 an der Glockenhaustüre in Ellbach für Arbeiten an dieser Kirche als„Mallerssohn von Glonn” verbürgt. Und Ellbach dürfte das Gäu des Kirchenmalers Gail gewesen sein. 1788 wird Michael bei der Arbeit am Tabernakel in Au „Mallersgsell in Aibling ge­nannt. Ab spätestens diesem Zeitpunkt wird sein Wohnort auch in Aibling gewesen sein. Für 1808 ist dokumentiert, dass er für Katharina Kirchberge- rin von „Rabtal” einen Kasten „gemalen” hat. Es wird wohl „Radtal” in der Pfarrei Niklasreuth gewesen sein. Denn Namen Kirchberger gibt es dort zuhauf. Auch Michaels Wohnsitz von 1809 in „Ratzenlehen nächst Mies­bach” passt hierzu. Dort gibt es zwei Sechzehntelanwesen, die zur Herr­schaft Wallenburg gehören. Dem Namen nach keine „gute Adresse”. Dies ist aber auch das letzte Lebenszeichen des Michael Beham. Er dürfte zu diesem Zeitpunkt (noch) ledig, und wahrscheinlich in Arbeitsabhängigkeit seines Bruders Johann-B. gewesen sein.

Wir haben noch die Zeit Napoleons und seiner Kriege. Ein Sterben durch oder in einem Krieg kann nicht ausgeschlossen werden, und das irgendwo. Im Vergleich zu seinem Bruder Johann dürfte Michael nie oder kaum die Möglichkeit gehabt haben, seine eigene künstlerische Handschrift zu zei­gen. Eher ein Leben ohne oder nur mit wenig „Applaus”, das kann natür­lich in Richtung „Abgrund” führen, so wie wir es auch bei andern begabten Künstlern beobachten können.

Als selbstständiger Meister am Landgerichtsort Aibling kann Johann-B. in seiner Familientradition aufgehen. Der gute Name, die guten Verbindun­gen und natürlich auch gut ausgebildetes Personal, die sind vom Schwie­gervater schon da. Man muss nicht mehr „Klinkenputzen” und kann sich umso mehr auf die Kunst konzentrieren. Prof. Gerdi Maierbacher-Legl nimmt an, dass Johann-Baptist bei seinem Schwiegervater Johann-Georg Gaill die Technik der Frescomalerei erlernt hat, „da er wie dieser durch sei­ne Deckengemälde in ländlichen Kirchen und durch die Fassadengestal­tung reicher Bauernhäuser bekannt geworden ist”.

Johann-Baptists Schaffen ist in der Zeit von ca 1772 bis 1823 festzustellen. Seine erste bekannte Arbeit ist die Außenbemalung des Wiedenbaurhofes zu Schreiern (Leizachtal). Der Hof wurde 1772 erbaut. Die Bemalung könn­te in diesem Jahr begonnen worden sein. Eine Reihe von Autoren weisen diese Arbeit wechselnden Mitglieder der Familie Beham zu. Johann Baptist ist zu diesem Zeitpunkt erst 20 Jahre alt; sein Bruder erst 15 und der Vater 54. Nimmt man an, dass es ein Gemeinschaftswerk war, so kann durchaus auch der Vater mit einbezogen werden. Ein Schrank von 1778, der die vier Jahreszeiten zeigt und im Bayerischen Nationalmuseum in München steht, ist signiert mit„J. Pöhamb pinxit (Maler) in Glon coficion (hergestellt) in El­bach”. „J” könnte auch für „Jakob” dem Vornamen des Vaters stehen. Er war damals 60 Jahre alt.

Ein Spätwerk von Johann-Baptist ist die Decke der Glonner Pfarrkirche vom Juli 1823. Es stellte Szenen aus dem Leben des Heiligen Johannes dar. Der damalige Pfarrer nennt das Werk eine „mittelmäßige Arbeit”. Wahr­scheinlich wurde es unter Zeitdruck geschaffen, denn die Einweihung der Kirche erfolgte bereits am 18. August 1823. Wenn man bedenkt, dass das Gerüst vor der Weihe auch noch abzubauen war, so blieben dem Maler vielleicht nur vier Wochen für sein Werk.

Prof. Gerdi Maierbacher-Legl schreibt: „Die Möbeldekorationen der Gebrü­der Böheim gehören zum Liebenswürdigsten und zugleich Qualitätvolls­ten, was uns aus der Blütezeit der oberbayerischen Möbelmalerei zwi­schen 1770 und 1820 erhalten ist”. Vergessen wir nicht: Die Grundlage hierfür wurde in Glonn gelegt!

Die Bedeutung der Familien Beham für die Glonner Geschichte ist aber mit den Malern bei weitem nicht vollständig dargestellt. Martin Beham (*1711), der das „Vogl-anwesen” in Herrmannsdorf übernimmt haben wir ei­nen weiteren, für Glonn geschichtsträchtigen Familienzweig. Sein Sohn Ferdinand (* 1750), heiratet 1750 Maria Wäsler. Sie ist die Tochter des Franz-Seraph Wäsler, „Faber-Lignari (Zimmermann) und Archtictus”. Drei der Nachkommen dieses Zweiges werden einmal Glonns Gemeindevorste­her/Bürgermeister sein: Mathias Beham von 1821-1828, Mathias Beham (sein Sohn) 1866-1869 und dessen Bruder Johann 1881-1887. Alle drei, be­sonders aber Johann, der „Christimüller” haben wesentliche Grundlagen für das heutige Glonn geschaffen. Und so war 1718, als Jakob und Elisa­beth Beham wohl auf Initiative des Klosters Beyharting beim „Vogl” in Herrmannsdorf zuzogen, gewissermaßen eine „Sternstunde” für Glonn.

zurück