
von ©Hans Obermair
erschienen am 16. Mai 2023 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung
Die Kirche von Frauenreuth ist ihren Zwiebelturm los – zumindest für die nächste Zeit. Er wurde mit einem Kran abgehoben und zwischengelagert. Die Zwiebel soll ihre Holzschindel verlieren und mit Blech verschalt werden. Die Frauenreuther hoffen, dass dann auch wieder die Glocken läuten können.

Mit Hilfe eines Schwerlastkrans wurde die Zwiebel vom Kirchturm in Frauenreuth in der Ge- meinde Glonn entfernt. Die neue Zwiebel wird mit Kupfer gedeckt sein. Foto: Hans Obermair
Wenn als erste urkundliche Erwähnung für den Ort das Jahr 1130 und für die Kirche 1315 festgestellt ist, so bedeuten diese Angaben nicht die tatsächlichen Anfänge von Frauenreuth. Ein Tuffplatten- grab und Hinweise, dass der Ort auf ehemals Tegernseer Grund steht, deuten auf das 8. Jahrhundert hin. Das heute noch gebräuchliche „Reit”, deutet auf eine Rodung, sowie auch bei Niklasreuth, das urkundlich 778 erstmals vorkommt. Auch die Aufschrift „Grueßt seitst tu Maria” der etwa von 1350 stammende Glocke, beweist, dass auch Kirche und Begräbnis deutlich älter sein können als ersterwähnt. Das „unser Fraun Räut” von 1416 ist dann eine deutlicher Hinweise auf die Wallfahrt. Natürlich auch die Madonna aus der Zeit um 1500, „von hervorragender Schönheit”, wie es in den „Kunstdenkmälern Oberbayern” heißt. Ab dieser Zeit hatte die Kirche auch einen eigenen Geistlichen. Und dass man 1707 eine wesentlich größere Kirche einweihte, ist ebenfalls ein Nachweis für die Wallfahrt.
Der untere Teil des 1723 fertig gestellten Turmes stammt noch von der Vorgängerkirche. Der noch vorhandene Durchgang vom jetzigen Langhausspeicher in den Turm, in vielleicht sogar noch romanischer Manier, zeugt davon. Wahrscheinlich hatte man vor 1707 das schon so geplant, sonst hätte man auch den unteren Teil mit der übrigen Kirche abgerissen. Vielleicht auch wegen des Geläutes, das ja für den Ort von großer Wichtigkeit sein konnte. Oder: Eine Fertigstellung des Turmes mit der Kirche war entweder aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht möglich. Es war ja auch die Zeit, die die Folgen des „Spanischen Erbfolgekrieges” bewältigen musste.
Dass die Turmhaube von 1723 eine kleinere Zwiebel mit Kragenansatz hatte als die heutige Zwiebel, zeigt ein Votivbild von 1779. Wann die heutige „Zwiebel” erbaut wurde und über die frühere Deckung des Turmes, darüber haben wir keinen Nachweis. Dass die Zwiebel mit Holzschindeln gedeckt ist, dafür haben wir erst in einer Kirchrechnung von 1882 den Beweis. Es könnten zwei weitere Neudeckungen gewesen sein, bis es 1951 wieder so weit war. Schon damals wollte man laut eines Zeitungsberichts „Blech”. Gemeint war wohl Kupfer. Vielleicht wäre es für alte Frauenreu-ther 1951 schon die dritte Schindeldeckung gewesen, an die sie sich erinnern konnten. Auch deshalb haben sie sich für das für länger herhaltende „Blech” entschieden. Damals wurden es allerdings wieder Schindeln, weil entweder Kupfer nicht zur Verfügung stand, und/oder weil Schindeln aus dem eigenen Kirchwald billiger waren. Aber auch weil sich der Denkmalschutz auch damals auf Schindeln festgelegt hatte.
Bei der notwendigen Neudeckung von 1977 verordnete der Denkmalschutz aus Traditionsgründen wieder Holzschindeln. Was auch vollzogen wurde.
Nach gut 30 Jahren musste erneut eine Reparatur beantragt werden. Spechte und Tauben hatten wieder ganze Arbeit geleistet. Es war 2012, als ein Gutachten dies feststellte. Das Ergebnis wurde von der Erzbischöflichen Finanzkammer anerkannt. Obwohl der Kirchenpfleger immer wieder an die Dringlichkeit erinnerte, sorgte ein Bewertungsschema für Aufschub. Jetzt hat man auch noch festgestellt, dass sich der Kirchturm beim Läuten bewegte. Letztlich führte das zum Verbot des Läutens. Was die Frauenreu-ther besonders vermissen. Ab 2021 – vielleicht hat ein Schreiben an Kardinal Marx etwas Bewegung gebracht – ist die Behebung der Schäden wieder auf der Tagesordnung. Die Kirchenverwaltung hat auch diesmal „Verblechung” beantragt, was auch von der Finanzkammer unterstützt wurde. Der Denkmalschutz hat aber wieder Holzschindeln vorgeschrieben. Erst als dann Landrat Robert Niedergesäß, der Chef der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis, mit einer umfangreichen Begründungsliste eingeschaltet wurde, kam umgehend der Genehmigungsbescheid, diesmal mit „Verblechung”. Dass Kupfer mit drei- oder vierfach längerer Haltbarkeit, bei kaum höheren Kosten, erhebliche Vorteile bot, war sicher mit ausschlaggebend. Damit muss sich die Kirchengemeinde Frauenreuth nicht schon wieder nach rund 30 Jahren mit einer Turmsanierung beschäftigen. Auch mit dem Hintergrund, man wisse nicht, ob es in rund drei Jahrzehnten noch eine „funktionierende Kirchengemeinde geben werde, weshalb eine Bedachung (…) möglichst langfristig ausgelegt werden solle”.
Die Glonner und die Frauenreuther Kirchengemeinde sind daher dem Landrat sehr dankbar und meinen, dass damit dem langfristigen Denkmalschutz der Wallfahrtskirche mehr geholfen ist als mit dem bisherigen „Dauerbrenner” Schindeln.
Mittlerweile sind fast Zweidrittel der Türme im Landkreis mit Kupfer gedeckt, was bei weitem nicht den ursprünglich verbauten Material entspricht. Überdies fällt es in nachgedunkeltem Zustand sowieso kaum auf, ob Kupfer oder Schindeln. Auch die Frauenneuhartinger und Egglburger können das bestätigen. Dass mit der Verblechung gegenüber Schindeln die Frauenreuther Turmzwiebel um bis zu zwei Tonnen weniger Gewicht haben wird, und das „ganz oben”, lässt die Frauenreuther hoffen, „ihr” Geläut bald wieder hören zu dürfen. Sollte das Gewicht dennoch aus statischen Gründen wichtig sein, könne man es ja auf der Innenseite des Turmes als stabilisierenden Ring an geeigneterer Stelle mit armiertem Beton auch herstellen.
| 06.06.2023, 09:08 |
