Löschwasser in Lederkübeln

von Hans Obermair
erschienen am 05. August 2023 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

125 Jahre Feuerwehr Frauenreuth
Jubiläum gewährt Einblick in die Anfänge des Rettungswesens

Die Votivtafeln in der Frauenreuther Kirche sind wichtige Zeugen der Vergangenheit. Und so ist eine von 1779 Zeugin eines Brandes auf dem Simernanwesen. Sicher nicht der erste Brand in diesem Ort, aber der erste dokumentierte. Die Simmerbäuerin Elisabeth Mair, schildert den Brand wie folgt: „Allhero verlobte sich von hier Elisabeta Simmä Obermayrin, da dies Haus bei der Nacht ungefer zu brinnen angefangen und schon in vollen Flammen und Gefar stunt, da sie in Schreken nit mehr wußte ober der Man die Kinder all zwey ausgetragen, wagte sie sich noch um das Kind hinein, und glicklich davon gebracht. Gott und der aller Seligst Muetter Gottes sey ewig dank gesagt 1779″.
Also nicht nur ein Brand, bei dem das gesamte Anwesen zum Raub der Flammen wurde, sondern auch eine dramatische Rettung von mindestens einem Kind. Wahrscheinlich war es die zweijährige Maria, denn die fünf­jährige Elisabeth wird es alleine oder mit dem Vater geschafft haben. Auch heute noch nennt man sich beim „Siman”. Dass der Brand so ausgehen musste, hat sicher mit dem damaligen Löschwesen zu tun. Es beginnt schon beim fehlenden Wasser, das mit den üblichen Lederkübeln zum Brandort gebracht wurde, aber bei „dem” Feuer nicht wirksam sein konn­te. Es konnte also nur heißen: „Rette sich, wer kann”. Und wenn das gelang und das Vieh dazu, war es schon ein gelungener Brandeinsatz.
Wo das Gemeinwesen dann wirklich funktionieren konnte, war beim „Ab­räumen” und dann bei der Unterstützung der „Brandleider“. Und so sind auch Vorschriften zur Verhütung von Feuer frühe Baugesetze. Zum Bei­spiel: Backöfen und Badstuben durfte man nur abseits von Anwesen zu er­richten. Schon 1554 gibt es ein Feuerstättenverzeichnis.

Dass die „Feuerwehr” auch schon vor 1898 ein Thema in Frauenreuth war, bezeugt ein Vorgang aus dem Jahre 1867. Die Gemeinde hat den Ankauf einer neuen Spritze, finanziert durch den „Mehlaufschlag”, beschlossen. Frauenreuth und Mattenhofen misstrauten allerdings diesem Beschluss, dessen Stimmen, wie sie behaupten, in Kneipen und Schnapsschänken ge­sammelt wurden. Außerdem seien sie von Glonn so weit weg und zudem durch einen Wald getrennt, sodass man ein Feuer bei ihnen von Glonn aus gar nicht sehen könne und ihnen damit eine neue Spritze als „Filialisten” sowieso nicht zugutekäme. Sie würden eine Handspritze für den äußers­ten Notfall vorziehen, zumal ihr wasserarmer Ort eine neue Spritze sowie­so nicht speisen könne.

Die „Filialisten” Josef Obermüller „Huber” ,Frauenreuth, Josef Steinecker „Überloher” und Peter Höller „Weber” Mattenhofen beschwerten sich so­gar bei der Kammer des Innern und wurden deswegen beim Bezirksamt vorgeladen. Mit Erfolg, denn ein Glonner Spritzenkauf ist erst 1870 nach­zuweisen.
Den früheren Pflichtfeuerwehren, die von den Gemeinden eingerichtet und überwacht wurden, folgten ab etwa 1860 „Freiwillige”, wohl auch des­wegen, weil die „Freiwilligkeit” effektiver war. Die ersten feuerwehrtechni­schen Anlagen außerhalb Glonns sind ab 1880 die „Wasserreserven”. In Frauenreuth ist dies 1882. Die Glonner Freiwillige Feuerwehr gibt es ab 1872. Sie war natürlich auch bei Bedarf in den Gemeindeorten im Einsatz. Diese „Wasserreserven” wurden auch auf Verlangen der Glonner Wehr ge­schaffen. Dass man diese Löschweiher auch zum „Wässern” der hölzernen Wagenräder gebrauchen konnte, mag den Bau von Löschweihern geför­dert haben.

Das Jahr 1898 ist also nur der Beginn einer Freiwilligen Feuerwehr in Frau­enreuth. Sie umfasste, entsprechend dem Kirchensprengel, die Orte Frau­enreuth, Mattenhofen, Hafelsberg und Überloh. Bereits 1895 erhielt Frau­enreuth zwei Hydranten mit Standrohr und einen Meter Schlauch. Es gab also bereits eine Wasserleitung der Ortschaft, die im Jahre 1897 teilweise neu hergestellt wurde. Die Gemeinde Glonn gab hierfür einen Zuschuss von 400 Mark. Im gleichen Jahr wurde durch den „Noimer” Josef Niedermaier auf seinem Hofgelände ein Feuerwehrhausgebaut. Dieses Haus wurde vor ein paar Jahrzehnten abgetragen.

Anlass für die eigentliche Gründung war die neue Saug- und Druckspritze für 1150 Mark, die am 29. Juni 1898 geliefert wurde und heute noch in Frauenreuth steht. Der Beschluss des Gemeinderats ist bereits von 1897. Das eigentliche Gründungsdatum wird mit dem 17.7.1898 angegeben. Nachdem man wusste, wie viele Personen auszurüsten waren, konnten dann am 14. August 1898 die Gegenstände angeschafft werden. Laut In­ventarbuch sind es 28 Positionen für insgesamt 300 Mark und 84 Pfenni­ge. Hier war an alles gedacht: So sind für den Helm des Kommandanten und für die zwei Zugführer drei „Roßhaarbüschel” verzeichnet. Auch eine Sanitätsausrüstung, bestehend aus einer Tasche, einer Gurte und einer Armbinde, waren notwendig. Die 35 „Kokarden” lassen auf die Mann­schaftsstärke schließen und das Signalhorn hatte einen „es”-Bogen. Am 28.8.1898 wurde dann noch eine Leiter mit Stützstangen angeschafft. Die vermutlich 35 Gründungsmitgliederwählten den „Reiserthaler”Thomas Esterl zu ihrem Vorstand und den „Überloher”Johann Steinecker zum Kommandanten. Letzterer wird 1931 als „Gründer” der Wehr genannt. Für 1901 sind in der Statistik der Bezirksfeuerwehr dann 41 „Freiwillige” ver­zeichnet. Alarm wurde mit den Frauenreuther Kirchenglocken gegeben.

Ein nächstes Dokument der Frauenreuther Feuerwehr ist ein Gruppenbild von 1908 mit 39 Personen, wohl zum zehnjährigen Gründungsjubiläum. Die auf dem Bild gezeigte Standarte trägt die Jahreszahl 1898. Hier ist al­lerdings das Gründungsjahr gemeint. Wahrscheinlich wurde die Standarte zum Jubiläum angeschafft und geweiht.

Die Selbständigkeit der Wehr ist nicht nur durch den Vorstand, sondern auch durch die eigene Kasse gekennzeichnet. Um diese aufzubessern, hat man für den 29.12.1912 zu einer Christbaumfeier mit Glückshafen und Konzert beim Wirt eingeladen. Kommandant und Vorstand sind 1919 in ei­ner Hand. Es ist der Wirt Josef Obermair. Dieser verstirbt 1920. Nachfolger wird Johann Sarreiter, Mattenhofen, als Kommandant, und Vorstand wird Michael Obermüller. Obermüller behält dieses Amt bis 1929. Sein Nachfol ger wird Isidor Auer.

Sarreiter und Auer sind die Amtsträger, denen am 17.12.1936 mitgeteilt wurde, dass ihre Wehr mit der Glonner vereinigt werde. Dies galt auch für die Schlachter Wehr. Die Kommandanten haben als „Abteilungsleiter” wei­ter zu fungieren. Die Vorstände, Kassiere und Schriftführer haben ihre Äm­ter niederzulegen. Die weißblauen Kokarden von den Dienstmützen waren abzunehmen. Fortan war die Frauenreuther Wehr also eine Abteilung der Glonner. Und so musste man auch die Einsätze in München mitmachen.

Wohl der schwerste Schicksalsschlag traf die Frauenreuther mit dem Tod ihres Schmiedemeisters Hans Obermair. Er war zusammen mit dem Glon­ner Wirtssohn Fritz Gruber im Juli 1944 bei einem Einsatz in München ums Leben gekommen.

Nach dem Krieg formierte sich nicht nur die Freuenreuther Wehr neu, son­dern in Mattenhofen-Haslach bildete sich eine eigene. Beide Wehren er­hielten Motorspritzen aus öffentlichen Beständen. Aus dem Kassenbuch der Glonner Wehr ergibt sich, dass die Frauenreuther Anfang 1948 ein „Startkapital” von 200 Mark erhalten haben, damals wertlose Reichsmark. Ein Neuanfang ist auch damit gekennzeichnet, dass der damalige Frauen­reuther Kommandant Peter Wimmer (1), 1948 Michael Obermüller zu ei­nem Maschinistenlehrgang geschickt hat. 1950 wurde dann auch ein Hän­ger (TSA) für die Spritze gekauft. 1970 wurde die Spritze erneuert. Im 2014 bezogenen neuen Feuerwehrhaus ist sie bestens untergebracht.

Für die Jahre 1956 und 1960 hatte die Frauenreuther Wehr jeweils 15 Akti­ve gemeldet und 1965 konnte eine Leistungsprüfung abgelegt werden. Das Jahr 1970 brachte für die Wehr einen neuen Kommandanten. Hans Steinecker aus Überloh löste Peter Wimmer (1), der der Wehr über 20 Jah­re vorstand, ab. Im gleichen Jahr wurde eine neue Spritze (TS 8/8) ange­schafft. Nachfolger des 1980 verstorbenen Hans Steinecker wird für sie­ben Jahre der erst 19-jährige Heinrich Zettl. Franz Schwaiger jun. und dann dessen Sohn Robert folgten nach.

1985 wurde die Standarte restauriert. Bis zur Einführung der Feuerschutz­abgabe im Jahre 1974 wurde für die Wehr jährlich 0.10 DM je Tagwerk ein­gesammelt. Ab dem Folgejahr wurden dann von der Gemeinde jährlich DM 500.–, seit Anfang der 90-er Jahre DM 600.– überwiesen. Eine weitere Verbesserung der Finanzen ergibt sich aus dem alljährlich abgehaltenen Dorffest, das immer am 15. August, dem Patroziniumstag, veranstaltet wird. Die gestiegene Finanzkraft der Wehr war sicher auch eine gute Basis für die Restaurierung der Spritze von 1898, die, wie die Ebersberger Zei­tung 1981 schreibt, unter Leitung des früheren Kommandanten Hans Steinecker „liebevoll aufpoliert” wurde.

Dass auch Feuerwehren einer ständigen Modernisierung unterliegen müs­sen, zeigt ein Eintrag ins Inventarverzeichnis. Eine wichtige Investition der Frauenreuther Wehr erfolgte 1998. Es ist ein gebrauchter Tragkraftsprit­zenanhänger für DM 4500.–.

Schließlich ist die FFW auch heute noch der einzige Ortsverein, der sich auch um das Miteinander im Ort annimmt. Es sind im Wesentlichen die 20 Aktiven der Wehr. Und das bei ca 130 Einwohnern des FFW-Sprengels. Da­mit sind rund ein Sechstel der Einwohner aktive „Feuerwehrler”. Ein Bei­spiel, wie es in unserer heutigen Gesellschaft gar nicht hoch genug einge­schätzt werden kann.

Seit 2022 ist Matthias Steinecker Kommandant der Wehr. Schon sein Ur­großvater und sein Großonkel waren es. Dass die Frauenreuther Wehr nicht nur eine technische Hilfstruppe sein will, sondern mehr, steht auch auf ihrer über 10O-jährigen Standarte: „Gott zur Ehr dem Nächsten zur Wehr”. Und so gehört auch beim Jubiläum, und das nicht nur da, das Fei­ern dazu. Es beginnt am Sonntag, 13. August, mit einem Festgottesdienst mit vorausgehenden Frühschoppen und nachfolgendem Mittagessen und dann mit Kaffee und Kuchen. Am Montag gibt es ein Kesselfleischessen. Der Festraum ist im Stadel des „Überlohers”.

Der darauffolgende „Frautag”, Maria Himmelfahrt, gilt dann der Frauen­reuther Kirchenpatronin, der Patronin Bayerns, die neben dem heiligen Florian durchaus auch als Patronin der Feuerwehren gelten darf.

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