Archiv der Kategorie: Obermair

Glonns erste Christen und die Kirchen


von Hans Obermair
erschienen am 13.3.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Wie wir schon festgestellt haben, ist der Anlass für die Urkunde von 774 eine Schenkung an die Marienkirche in Freising. Damit können wir sicher davon ausgehen, dass der Schenker Ratbot und zumindest auch sein Vater Criminus, dessen Name sich von Kirchensprache Latein ableitet, schon Christen waren. Das wird also schon vor 750 gewesen sein. Wenn wir davon ausgehen können, dass zum Beispiel die in Glonn am „Kirchberg” gefundenen „Tuffplattengräber” schon „geastet” waren, könnte man auch erste Christen in Glonn deutlich früher ansetzen. ,,Geastet” heißt, dass der Tote mit Blick nach Osten beerdigt wurde. Im alten Teil unseres Kirchfriedhofes ist das heu-te noch so. Die aufgehende Sonne im Osten (Orientierung) ist Symbol der Auferste-hung. Tuffplattengräber, wenn auch nicht „geastet” kennen wir schon ab etwa 600.
Wann und wie erste Christen nach Glonn kamen, ist also offen. Dass es noch Römer waren, unter denen es in unserer Provinz Rätien und in der Nachbarprovinz Noricum schon einige Christen gab, ist unwahrscheinlich. Für eine Tätigkeit in Glonn der Missio-nare Marinus und Anianus aus Wilparting (lrschenberg), ab Ende des siebten Jahrhun-dert, gibt es keine Beweise. Die Meinung, dass Münster ein Kloster gewesen sein könnte, von dem aus die Gegend missioniert wurde, ist nur eine Annahme. Heute geht man davon aus, dass der Name „Münster” nicht ein Kloster bedeutete, sondern nur klösterlicher Besitz. Der Heilige Emmeran, dessen Tod 652 ins nahe Helfendorf verortet wird, wurde nach Regensburg überführt. Dabei hätten sich dem Zug an die 200 Männer, wohl Christen, angeschlossen. Das wäre ein gewichtiger Hinweis für eine größere christliche Bevölkerung um 650 in dieser Gegend.

Aber es sind eben nur Indizien und keine Beweise. Am ehesten werden die ersten Christen in unserem Gebiet wohl Zuwanderer gewesen sein. Immerhin gab es 724 mit Korbinian schon den ersten Bischof in Freising, aber auch die Diözesaneinteilung von 739 durch Bonifatius lässt auf eine breitere Christianisierung schließen.

Mutmaßlich war der erste Glonner Priester am Platz Georgenberg Ratpot. Er und sei-ne Familie werden hier nicht die einzigen Christen gewesen sein. Auch die Schenkung einer Eigenkirche von 776/778 im nahen Berganger anlässlich deren Weihe durch Bi-schof Arbeo (+784) lässt eine christliche Gemeinde vermuten. Vielleicht war es sogar mit der Georgenberger zunächst eine. Warum dann am Platz Georgenberg ein eige-nes „Oratorium” (Bethaus)? Wie wir der Urkunde von 774 entnehmen, hat Ratpot ,,nur” Grundbesitz und keine Kirche, wie die Bergangerer Adalfried und Rihher, ge-schenkt. Wir können von zwei verschiedenen Familien ausgehen. Warum sollten Cri-minus und Sohn Ratbot, nicht auch eine Eigenkirche bauen? Oder sogar, weil Ratpot Priester war. Gab es vielleicht Rivalitäten? Wahrscheinlich war es Ratbots Bethaus, das der Freisinger Bischof Hitto am 20. Januar 813 in Georgenberg einweihte, das mit der bischöflichen Weihe erst zur „Kirche” wurde. Es könnte auch sein, dass das Bethaus des Ratpot schon einige Jahrzehnte stand und jetzt erst, eben 813, geweiht wurde. Bei der erneuerten Schenkung von 826 war höchstwahrscheinlich die von 774 die Grund-lage. Laut dieser ging das Schenkungsobjekt erst mit dem Tod von Ratpot an Freising über. Also hat er das Bethaus beziehungsweise die Kirche, ja noch auf „seinem” Grund erbaut. In der 774-er Urkunde stand nichts von einer Kirche. Und so musste die „Ei-genkirche”, vermutlich eigens geschenkt werden. Dass die beiden Höfe von Georgen-berg 1554 noch „Freisingerisch” waren, zeigt uns das Feuerstättenbuch. Wie lange hier der Pfarrmittelpunkt war und ob es außer Pfarrer Hadhmunt, vermutlich Sohn des Ratpot, hier noch einen weiteren Geistlichen gab, ist nicht bekannt.
Bis 1125 sind zwar in Georgenberg freie Familien mit Namen Dietbold genannt, aber nicht als Geistliche. Seit rund 200 Jahren ist die St. Georgkirche wieder „Eigenkirche”, heute der Familie Weil.
Chronist Pfarrer Niedermair mutmaßt in seinen Chroniken von 1909 und 1939, dass die Kirche in Georgenberg erste Glonner Pfarrkirche gewesen sein wird. Natürlich vor-ausgesetzt, dass es damals überhaupt eine Pfarrei im kirchenrechtlichen Sinne war.
Unterstützt wird diese These damit, dass in Glonn damals keine Kirche nachgewiesen ist. Das Tal mit seinen Bächen und Sümpfen wird eine Barriere gewesen sein. Bis zu dieser natürlichen Grenze gegen Westen waren die Orte (Reinstorf, Kreuz usw.) der Pfarrei im entfernteren Egmating, (Ersterwähnung 794) unterstellt. Balkham und Steinhausen wohl nicht, weil diese Orte erst entstanden sein dürften, als Glonn schon Pfarrmittelpunkt war. Es ist wahrscheinlich, dass die frühe Kirche in Georgenberg für den damals praktizierten Taufritus des Untertauchens nicht geeignet war. Außer man brachte eine entsprechende Menge Wasser von der Glonn auf den Berg. Und so war es, und das bei zunehmender Bevölkerung und damit Tauffällen, praktikabel, in der Glonn direkt zu taufen. Irgendwann wird man dafür eine Kirche gebaut haben, sinn-vollerweise mit dem Patrozinium Johannes des Täufers. Ort und Fluss Glonn hatten ja schon einen festen Namen, sonst hieße man vielleicht Taufkirchen, ein in Oberbayern öfter vorkommender Ortsname, notwendigerweise alle an einem Fluss gelegen.

Wie es heißt, könnte diese erste Glonner Kirche am Bäckerberg nahe der Glonn ge-standen haben. Dies wird auch von Heinrich Kastner angezweifelt. Neuere Befunde ergeben, dass bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Glonn in der Nähe der jetzigen Kirche verlief und dann verlegt wurde. Der jetzige Platz der Kirche wird deshalb der ursprüngliche sein. Demnach wäre die aktuelle Kirche der vierte Kirchenbau auf die-sem Platz. Die erste wird eine Holzkirche, wie damals üblich, gewesen sein. Für die weiteren, die Romanische und die Gotische, gibt es Funde. Die jetzige ist im „Zopfstil” erst 1823 geweiht. Die darin enthaltenen Skulpturen haben kunsthistorischen Wert.
Ein „Chunradus” ist 1244 im Pfarrerverzeichnis angeführt. Die Lücke bis 1486 wird wohl kaum zu schließen sein. Die Bedeutung von Pfarrei und Pfarrer in Glonn ergibt sich 1315 aus der sogenannten Konradinischen Matrikel, denn Glonn war einer von den zwei Dekanatsorten im Landgerichtsbezirk Schwaben. Glonn für den östlichen Be-reich, und Egmating, auch Johannes d.T. geweiht, für den westlichen. Und das bis Neu-ching. Warum diese beiden Dekanatsmittelpunkte beide im Süden lagen, ist offen.
Vom damaligen Landgericht bis in unsere Zeit waren die Pfarrer immer wieder auch Dekane.
Die Liste der Pfarrer dürfte erst seit 1524 vollständig sein. Übrigens, dass Glonn schon 1315 Dekanatsort war, könnte bedeuten, dass die Pfarrei damals schon eine „uralte” war, vielleicht schon seit Ratpot, also schon ein halbes Jahrtausend alt.

Unsere Gotteshäuser und die Pfarrei waren nie zum Selbstzweck geschaffen. Sie sind zur Ehre Gottes und für ihre Aufgaben entstanden – und die waren nicht wenige. In erster Linie natürlich die Betreuung der „Seelen” von der Wiege bis zum Grab, sowie die Spendung der Sakramente. Aber auch für soziale Aufgaben war man zuständig, es gab ja noch keine Gemeinden. Schon vor 1560 gab es in Glonn eine Schule, die auch Pfarraufgabe war. Von Bruderschaften, insbesondere die schon 1440 genannte Aller-seelenbruderschaft Glonn, wurden die kirchlichen Aufgaben unterstützt. Die genannte Bruderschaft war nicht arm, sonst hätte sie nicht über ein Jahrhundert lang das Gehalt eines Hilfslehrers übernehmen können. Über dies war sie überregional, woher wären sonst die zeitweise über 2000 Mitglieder gekommen.

Die Ressourcen für all diese Pfarraufgaben waren bei baulichen Maßnahmen Spen-den und Umlagen, sowie Hand-und Spanndienste. überdies erbrachte die zur Pfarrei im Obereigentum stehenden Anwesen, Einnahmen (Naturalien, Stift, Gilt, Laudemien usw.). Dem Pfarrer selbst stand die Bewirtschaftung des „Pfarrhofes”, einem landwirtschaftlichen Betrieb, zu. Der Pfarrer war damit auch Kollege der vielen bäuerlichen Betriebe in seiner Pfarrei. Da er einer der wenigen, wenn nicht der einzige, war, der die dürftige Fachliteratur nutzten konnte, war er auch „Vorzeigebauer”. Seinem Einfluss, aber auch dem Wohlstand seiner „Seelen” hat das bestimmt nicht geschadet.
Wir dürfen davon ausgehen, dass sich Glonn über Georgenberg schon seit der Chris-tianisierung zum Mittelpunkt entwickelte. Damit war die Pfarrei die Basis für unsere Gemeindebildung. Für die Entwicklung unserer Pfarrei waren auch unsere Filialen be-deutend. Baiern und Frauenreuth sind also solche 1315 genannt. Eventuell deswegen, weil diese mit Geistlichen besetzt waren. Beide sind aber wesentlich älter. So ist es auch bei den 1315 nicht genannten Filialen. Diese waren: Adling, Georgenberg, Has-lach, Zinneberg, Doblberg, Sonnenhausen und Steinhausen. Die drei letzten sind der Säkularisierung zum Opfer gefallen. 1928 sind Schlacht, Kreuz und Münster von Eg-mating nach Glonn „umgepfarrt” worden. Die Kirche im Glonner Marienheim und die Kapellen in Reisenthal und Reinstorf, sind in den letzten Jahrzehnten hinzugekommen.
„Stockkatholisch” war Glonn allerdings nie. Die Reformation zeigte Auswirkungen. Der Pienzenauer von Wildenholzen mit seiner „Grundingerin” wurden protestantisch. Und so wurde Bruck zu einem lutherischen Zentrum. Wie Rössler für 1560 feststellt, kamen die Glonner Protestanten nach Bruck zum Abendmahl. Überdies waren die protestantisch gewordenen Rosenbuschs aus München hier auf drei Anwesen Obereigentümer. Erst 1825 erfahren wir wieder von einem zugezogenen „Protestanten”. Es war Gärtner Schenkelberger in Zinneberg, der von der Pfalz hier hergeholt wurde. Dann: Karl Frank, ein Schreinermeister, er war wohl auf der „Walz” und hat in Glonn eingeheiratet. Die 1875 sieben Glonner „Protestanten” unter den 1367 Einwohnern, werden den Glonner Pfarrer nicht „aufgeregt” haben. Auch nicht als 1882 die evangelische Charlotte von Crailsheim in Zinneberg zur Frau von Scanzoni wird. Bereits 1892 verstirbt sie und wird vom Vikar aus Feldkirchen b.M. an der Glonner Kirchenmauer beerdigt. 100 Jahre vorher wohl unmöglich.

Eine andere Zeit hat Einzug gehalten. Zwei Weltkriege und insbesondere die „Völker-wanderung” seit dem zweiten Weltkrieg haben die „Evangelischen” in Glonn zu einer Gemeinschaft mit eigener Kirche werden lassen.
Auch in der uralten Katholischen Glonner Pfarrei hat sich viel verändert. In keinem Jahrhundert vorher, wie im Zwanzigsten, wurden hier so viele Kirchen und Kapellen neu gebaut in Zinneberg, im Marienheim, in Reisenthal und in Reinstorf. Aber auch die Erhaltungsmaßnahmen an unseren alten ehrwürdigen Kirchen und Kapellen zei-gen eine ähnliche Tendenz. Überdies wurden noch zu keiner Zeit so viele neue „Feld-kreuze” wie in unserer geweiht.

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Glonn in seiner Wasserlandschaft


von Hans Obermair
erschienen am 15.2.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Warum gibt es Glonn? Warum sind hier Leute „hängen geblieben”? Warum haben diese den Platz zum Ort und zum Markt gemacht? Eigentlich Fragen, die sich die Glonner und erst recht die Kommunalpolitik auch heute noch permanent zu stellen haben. Zukunft besteht ja aus der Vergangenheit.

Die mändernde Glonn vor der “Regulierung”; Karte von 1810

Warum gibt es Glonn? Grund sind nicht die Bodenschätze oder irgendwelche Heilquellen, nicht das Klima oder das Wetter, nein, Grund ist schlicht und einfach das Wasser. Noch dazu ein Wasser, das in der Nähe aus Quellen oder aus der Tiefe kommt; unverbraucht und kaum belastet, gäbe es da nicht den hohen Kalkanteil. Für den heutigen Wasserkonsumenten zu viel, aber für die Entwicklung Glonns ein Segen: Der Tuffstein, besteht aus diesem Kalk, der sich unter Mitwirkung bestimmter Moose über die Jahr-tausende aus dem fließenden Wasser herauslöste und sich als wertvoller Baustoff bis zu einer Mächtigkeit von fünf Metern ablagerte. Nicht nur unsere Kirchen, viele Häuser, der Ortsname Steinhausen erinnern daran, sondern auch die vielen Mühlsteine, die das Getreide für unser „täglich Brot” aufbereiteten.
Wasser ist auch das Medium, das unsere Landschaft gestaltete. Zuletzt war es der Inn-Gletscher in der letzten, der „Würmeiszeit”, der uns mit seiner Eismächtigkeit bis hin zu den Endmoränen, die herrliche Landschaft ,,aushobelte” und Berge und Täler hinterließ. Täler die sich durch die ablaufende Gletscherschmelze zu Flusstälern gestalteten: Als Hauptader das Glonntal, das uns über Mangfall, Inn und Donau die Verbindung zum Schwarzen Meer schenkt. An die 30 Quellen sind es unterhalb des Weilers Ursprung, die die Glonn bilden. Gleichsam vom Gewicht der beiden Höfe wird der neue Fluss aus dem Berg ins Mühltal gepresst, gespeist aus dem Grundwassersee der Münchner Schotterebene.
Die Kelten nannten den Fluss den „klaren-reinen” eben Clana. Sie haben uns damit unseren schönen Ortsnamen gegeben. Die Glonn, allein im Oberlauf, ist auch die, die früher fünf Mühlen antrieb. Aber auch der „Lohmühle” des Gerbers und der Pumpe für die Zinneberger Wasserversorgung verlieh die Glonn ihre Kraft. Heute liefern diese Glonnmühlen wie auch die anderen umweltfreundlichen Strom.

Dann das von Süden und damit aus dem Bezirk Aibling kommende Wasser des Kupferbachtals. Früher auch die „Laus” genannt, weil es eben von dort (Unterlaus) kam. Auch Chronist Dunkes schreibt von der „Lauß”. Nachdem diese den aufgestauten „Lauser Weiher” speist und durchläuft, fließt das Wasser durchs Moor unter Spielberg. Das gibt dem Bach seine kupferne und damit namensgebende Farbe. Bei Reisenthal, dessen Hof bis zur Säkularisation dem Pfarrer von Aibling grundbar war, wurde der Kupferbach durch das klare Wasser des „Augrabens” gestärkt. Mächtiger geworden, kann es dann schon nach rund zwei Kilometer der Wiesmühle seine Kraft geben. Schaut man die Flurkarte von 1810 an, muss der Bach dann vor Glonn immer wieder in die Breite gegangen sein, denn von der Kirche bis zur Wiesmühle finden wir kein Haus. Es war eben wegen der Nässe nicht möglich. Als nächstes tauchte der Glonner Messerschmied das Wasserrad seiner Schleifmühle in diesen Bach. Nach ein paar Hundert Metern ist es der Schmied für seinen Hammer. Zwischen beiden ist der „Bader”, der sich auch „Chirurg” und „Balneator” nennt, und taucht seine Schöpfkelle oder gar den ganzen Patienten in die Fluten des Kupferbaches. Pfarrer Kneipp lässt wohl auch in Glonn grüßen.
Mit dem Schrankenbach von Norden, hat sich Glonn endlich zum „Dreiflüsseort” gesteigert. Bis der Lauf der Glonn in der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Ortsmitte in den Norden verlegt wurde, mündete der Schrankenbach in die Glonn erst in der Ortsmitte. Warum dieser auch „Donisbach” heißt: Ob er beim Anwesen des „Wasenmeisters” oder „Abdeckers” (Kadaververwertung), mit Namen Dionys (Donisl) Hartl, entspringt, oder auch für diesen eine Abwasserfunktion hatte, sei dahin gestellt. Dass es neben den drei Bächen auch noch viele Quellen gab, die für häusliche Versorgungen genutzt wurden, kam natürlich auch Mensch und Tier zugu-te.
Glonn ist also in eine Flusslandschaft eingebettet. Mit allen Vor- und Nachteilen. Und so kann es in Glonn, auch als es noch keine Wasserleitungen gab, nie ernste Wasserprobleme gegeben haben. Aber auch für die Bekämpfung von Feuersbrünsten war man immer gut gerüstet. Dass man am Ufer der Glonn für Glonner und Umliegende sogenannte „Krautgärten” anlegen konnte, weil eben Wasser zum Gießen da war, mag so manche Kost aufgebessert haben. Von den Fischen, die ebenfalls den Tisch bereicherten, gar nicht zu reden. Deshalb waren auch die Fischrechte Jahrhunderte im Eigentum der Zinneberger. Was verboten ist, schmeckt natürlich besonders gut. Das wussten auch die Buben, und nicht nur die.
Dieser vom Wasser gebildete und von ihm durchzogene Boden brachte auch Probleme. Jeder Meter des Glonner Untergrunds kann deshalb, horizontal und vertikal, anders sein. Von der Kohle unterm Schulhaus bis hin zu Tuff und Torf kann hier alles nahe beieinander liegen. Und so wurde schon manche Baukalkulation über den Haufen geworfen, bis hin zum Konkurs.

In Glonn kann Bauen teurer sein, auch wegen der Bachabstände, die einzuhalten sind. Wo viel Wasser ist, kann auch das Hochwasser eher zuschlagen. Immer wieder mussten Anlieger zusehen wie ihr Anwesen „durchflutet” wurde – mit immensen Schäden, materiell und gesundheitlich. In feuchten Häusern zu wohnen, ist eben ungesund. Dass man dann immer wieder versuchte, solches zu verhindern, liegt auf der Hand. Begradigen und tiefer legen sind dann notwendige Maßnahmen. Der erste Wasserbau wird von den Müllern ausgegangen sein, die damit das Wasser auf ihre ,,Mühlen” lenkten.
Gehen wir ins 19. Jahrhundert. Wasserbauprojekte, ,,Kultivierung” genannt, prägen heute noch unsere Landschaft an Kupferbach, Schrankenbach und Glonn. Die Überflutungen der Ufergrundstücke sollten damit gemindert werden. Dass damit auch die Bewirtschaftungsflächen vergrößert wurden, diente auch der Verbesserung der Nahrungsgrundlage und das bei steigenden Bevölkerungszahlen. Hinzu kommt, durch die „Entsumpfung” wurde die Mückenplage mit all ihren Nebenwirkungen reduziert. Dies war ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt.

An Hand- und Spanndiensten der Beteiligten hat es sicher nicht gemangelt, aber auch nicht an behördlicher Mitwirkung. Ab 1863 ging man im Kupferbachtal ans Werk. Ein stark mäandernder Bach wurde in die „Gerade” gezwungen. Wohl auch deswegen, um mehr und schnelleres Wasser auf das Wasserrad der Wiesmühle zu bringen. Der Teil nach der Wiesmühle wurde dann ab 1946 „reguliert”. Diese Maßnahme war dem Hochwasser geschuldet. Ebenfalls 1863 ging es in einem weit größerem „Kulturprojekt” der Glonn an die „Mäander”. Wie es heißt, wurde „ab dem Orte Glon bis zur Obermühle (Piusheim)” reguliert. Mit errechneten Gesamtkosten von 2100 Gulden. Im Vorbericht heißt es, dass der gekrümmte Lauf besonders nachteilig sei, weil die anliegenden Wiesen in einem versumpften Zustand sind. Auch Überschwemmungen gäbe es. Zu regulieren waren 240 Tagwerk von 46 meist kleineren Landwirten. Für die war es auch eine Existenzfrage. Es entstand eine eigens gegründete Kulturgenossenschaft, deren Vorstand hatte für die Durchführung zu sorgen. Die Kosten wurden wohl nach Fläche umgelegt. Anhand der Flurkarten war die Schrankenbachregulierung schon 1857 abgeschlossen.

Dass die Herkunft Glonns viel mit Wasser zu tun hat, das ergibt sich auch seit 1931 aus dem Glonner Wappen: Mühlrad und Forelle. Das Mühlrad ist nur mehr Zeichen für das Wasser und seine Kraft. Die Forelle möge noch lange ein real existierendes Symbol bleiben. Vielleicht könnte dafür die fossile Schnecke, die man vor zwei Jahren beim Kanalbau unter der vielleicht 15 000 Jahre alten Tuffablagerung gefunden hat, ein Vorbild sein.

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Im Jahr 774 wird Glonn erstmals erwähnt

 

von Hans Obermair
erschienen am 18.1.2024 in leicht veränderter Form im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Die Marktgemeinde feiert 1250 jähriges Bestehen

Obwohl in der Niedermairchronik von 1909 schon  die Schenkung vom 31.3.774,  als erste urkundliche Erwähnung des Namen Glonn enthalten ist, ist für 1924 keine 1100 Jahrfeier erwähnt. Dass damals die Glonner nicht feierten, hängt wohl mit den Umständen der Zeit zusammen. Dagegen wurden 1974 die 1200 Jahre  ein ganzes Jahr lang ausgiebig begangen. Ein 1200-Jahr-Emblem,  viele Zeitungsberichte, insbesondere eine Festschrift von Wolfgang Koller, aber auch viele persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen  sind noch präsent. Auch das traurigste Ereignis des Festjahres, der plötzliche Tod von Wolfgang Koller während der Festansprache am 28.4.1974, wird dauernd in Erinnerung bleiben.

Die Urkunde von 774, ist Teil der Freisinger Traditionen,  die uns der Historiker Bitterauf aufbereitet hat. Die Urkunde verweist auf eine Schenkung, in der ein gewisser Ratbot, an die Marienkirche in Freising und wohl auch dem bischöflichen Haus, Freising war seit 739 Bistum,  seine Ländereien an „Mosaha“  und „Clana“, also an Moosach und Glonn nach seinem Tod übergeben wird. Ratbot war Sohn und Erbe des Criminus. Woher dieser die geschenkten Güter hatte, ist nicht bekannt. In der Urkunde ist die Rede von Wiesen, Weiden, Wäldern und fließenden Gewässern. Diese Aufzählung lässt darauf schließen dass es sich, eventuell auch nur teilweise,  um bewirtschafteten Boden handelte, der von einem „Landgut“ aus betreut wurde. Es ist in der Urkunde auch von Häusern und Höfen die Rede. Einen Ort oder Sitz hierzu muss  es wohl gegeben haben. Es ist aber weder Moosach noch Glonn als Ort, sondern nur als Fluss genannt. Obwohl es Glonn, durch zahlreiche Funde belegt, 774 schon als „Platz“ gegeben haben muss. Der Ort Moosach wird laut Chronik 788 erstmals erwähnt. Also hat es schon bestanden und kann damit auch wesentlich älter sein.

Anhand der Beschreibung des Schenkungsgutes könnte es sich auch um ein größeres Areal handeln. Dies wäre an der Moosach  möglich von der Quelle in der Nähe des Steinsees bis zur Attel und an der Glonn von Glonn/Mühltal/Ursprung bis Aibling. Gemeint sind wohl aber nur die beiden oberen Flussläufe.  Hier  gibt es auch geschichtlich bedeutende Orte beziehungsweise Sitze: Zum Beispiel Altenburg, Falkenberg, Zinneberg, Sonnnenhausen. Wenn diese Orte auch erst später erstmals beurkundet sind, können sie  auch wesentlich älter sein. Der wahrscheinlichste Ort von dem das Schenkungsobjekt aus bewirtschaftet wurde, ist der Platz Georgenberg. Noch 1554 können wir aus dem  Feuerstättenbuch entnehmen, dass die beiden „ganzen“ Höfe („Moar“ und „Dumberger“) in Georgenberg als einzige im Glonner Gäu im Obereigentum des „Capitels“ von Freising sind. Ein weitere Tatsache dass Georgenberg der Ort des Ratpot gewesen sein wird:  Am 20. Januar  813 hat  Bischof Hitto aus Freising jene Kirche in Georgenberg eingeweiht. Und wie Meichelbeck feststellt, hat Hahmunt die Schenkung, es dürfte sich um die von 774 handeln, erneuert. Dies macht wahrscheinlich, dass es eine Beziehung zwischen Ratpot und Hahmunt gab. Und wie es der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair meint, kann die Kirche in Georgenberg sogar die erste Glonner Pfarrkirche gewesen sein. Dafür spricht auch, dass das nächst bei Glonn liegende Reinstorf,  noch bis 1928, zur Pfarrei Egmating gehörte. Dass der Pfarrsitz mit Pfarrkirche irgendwann aus praktischen Gründen nach Glonn verlegt wurde, weil zum frühen Taufritus das „Untertauchen“ gehörte, wäre logisch. Und hierzu brauchte man ein Gewässer, eben die Glonn. Das Glonner Patrozinium Johannes der Täufer“ spricht auch dafür. Wo stand diese erste Glonner Taufkirche? Wahrscheinlich am Platz der jetzigen Pfarrkirche, denn die Glonn floss bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts nicht im Glonner Norden, wie heute, sondern in der Ortsmitte. Die Tuffplattengräber auf dem „Bäckerberg“ im Osten Glonns könnten aus der Zeit vor der ersten Glonner Kirche stammen.

Der Name  Criminus oder Crimuni, also der Vater des Ratbot, klingt römisch-lateinisch. Dass dieser Name die rund 300 Jahre, seitdem Römer in Bayern keine Rolle mehr spielten, überdauert hätte, ist eher unwahrscheinlich. Aber Lateinisch, die Sprache der Römer, war ja auch Kirchensprache und so gibt es bis in unsere Tage viele aus dem Lateinischen kommenden Berufsbezeichnung. Wenn auch das lateinische „criminis“ in allen seinen Ausformungen mit Schuld und Klage zu tun hat, wird Criminus  wohl kaum „kriminell“ gewesen sein.  Aber eine Tätigkeit im damaligen Rechtsystem wäre denkbar. Zu solchem passen auch „Ländereien“. Eben standesgemäß. Und wie es noch vor ein paar Jahrhunderten war, war die  Nennung des Standes oder Berufes wichtiger als des  Familiennames. Das gilt auch für „gewichtige“ Hausnamen wie zum Beispiel dem „Moar“. Und wenn dann der Sohn „nur mehr“ Ratpot hieß, kann das plausibel sein.

Warum diese Schenkung durch Ratpot. In der Urkunde von 774 geht hervor, dass er diese auf  „Eingebung des göttlichen Lenkers“ tue. Womöglich war oder wurde Ratpot auch Priester. Warum? Eventuell verfügte es Vater Criminus und verband es mit der Schenkung. Übrigens, diese Schenkung wurde in der Regel mündlich gegeben und das unter Zeugen, die zur Bekräftigung oder auch zur Wirksamkeit ihrer Zeugenschaft an den Ohren gezogen wurden. Wie es heißt, waren unter den  Zeugen, der Bischof als Vertreter der/des Beschenkten, drei „Presbyter“ also Priester und ein Diakon. Das Versprechen wurde bei Anwesenheit des Bischofes wohl in Freising gegeben. Von der Zeit her könnte es Bischof Arbeo gewesen sein. Dass beim Schenkungsversprechen auch Notizen gemacht worden, wäre zweckdienlich. Das Datum der Schenkungserklärung war wahrscheinlich deutlich vor dem der Urkunde am 31.3.774.  Dieses kann frühestens 756 oder 757 gewesen sein, weil in diesem Jahr Tassilo III, auf den in der Urkunde hingewiesen wird, Bayerns Herzog wurde. Schenkungen dieser Art wurden bei Besuchen oder Anlässen mündlich, wenn auch unter Zeugen, gemacht. Der Eintrag in  Schenkungsverzeichnisse oder Inventare wurde, in der Regel in gewissen Zeitabständen, beziehungsweise  bei gewissen Ereignissen oder Gelegenheiten, und durch speziell ausgebildete Fachleute (eventuell bischöfliche Notare) nachgeholt. Man war sich sicher auch dessen bewusst, dass solche Urkunden nicht nur Nachweise zu sein haben, sondern auch das Spiegelbild einer Amtszeit sind, das noch nach vielen Jahrhunderten eine gute Beurteilung  auslösen soll.

Wegen „774“ also der Ersterwähnung Glonns gab  es immer wieder  Diskussionen. Es gibt nämlich im Landkreis Dachau auch ein Glonn an der Glonn, das im Zusammenhang mit einer Kirchenschenkung in den Freisinger Kirchentraditionen  mit Urkunde vom  30. März 774 erwähnt ist. Der Schenker hieß  nicht Ratpot, sondern Onolfus.  Es waren also  verschiedene Schenkungen.  Möglicherweise  waren die gleichen Ortsnamen  der Grund für den Eintrag in dieser Reihenfolge. Dass das Datum für Glonn auch mit  21. März angegeben wird, kann mit der Umstellung des Julianischen- auf den Gregorianischen Kalender im Jahr 1582 zusammenhängen.  Damals wurden im Oktober zehn Kalendertage übersprungen. Ein Beispiel, dass Schenkung und Eintragung häufig nicht unmittelbar erfolgten, war das Jahr 788.  Das Herzogtum Bayern wurde dem Fränkischen Reich einverleibt. Aus diesem Grunde war das Bedürfnis  zur Sicherung  von Rechten groß was zu vielen nachträglichen Urkunden führte und  wiederum in  1988 zu so vielen 1200-Jahrfeiern. So könnte es auch in Moosach gewesen sein.

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1250 Jahre Glonn – Frühe und noch frühere  Glonner

 

von ©Hans Obermair
erschienen am 2.1.2024  in leicht veränderter Form unter dem Titel “Alte und ganz alte Glonner” im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

 

Seit wann gibt es Glonner? Ob es schon „Hiesige“ waren, die eine über 4000 Jahre eine Kulturschicht im Boden hinterließen? Eher schon, denn wer Steinmesser, Steinschaber und Spinnwirtel hinterlässt, war kaum nur ein Durchreisender. Und wenn der 1945 in Glonn verstorbene einstige Ordinarius für Vorgeschichte an der Münchner Uni, Professor Birkner, diesen Fund als den „ersten neolithischen Siedlungsbefund innerhalb des Moränengebietes“ bezeichnet, muss doch was dran sein. So sieht es auch Gottfried Mayr der Schöpfer des Historischen Atlas für unseren Landkreis. Wenn dann ein Glonner sagt, uns gäbe es im Landkreis am längsten, so wäre das nur schwer zu entkräften. Und wenn er dann auch noch meint „wea ko dea ko – dea is vo Glo“, ist das auch nicht verkehrt.

Das Alter eines Ortes hat nichts mit durchgehender Besiedlung zu tun. Und so  ist unser Glonn deshalb nicht jünger, weil vielleicht nicht alle Perioden entsprechend „aktenkundig“ sind. Jedenfalls haben die „Römer“, die ja nicht alle Römer waren, in Glonn Münzen von 41 nach Christus hinterlassen und damit ihre Anwesenheit bezeugt. Ob schon bei Prägung der Münze, oder später oder mehrmals, ist offen. Die „Via Julia“ die Römerstraße im nahen Helfendorf  und die „Villa“ nächst des Steinsees, lassen ihre dauernde Anwesenheit  wahrscheinlich sein. Vielleicht ging sogar eine vermutete Römerstraße in den Norden des Landkreises durch unsere Gemeinde. Nach den Römern in Bayern, etwa in der Mitte des fünften Jahrhundert, kam wieder ein „staade Zeit“ was nachgewiesene Siedlertätigkeit in Glonn angeht. Dass man seine Toten vielleicht schon im siebten Jahrhundert in Glonner Tuffplattengräbern bestattet, zeugt nicht nur, dass man hier die Verwendbarkeit des Tuffes erkannte hatte, sondern auch von einer Besiedlung. Nicht nur in Glonn, sondern auch in umgebenden Orten, stellte man diese Art der Bestattung fest. Ob seit den Römern die Besiedlung durchgängig war, oder ob spätere Völkerwanderungsleute es waren, darüber muss spekuliert werden.  Aber wahrscheinlich waren diese frühen  Glonner  Angehörige des „Mischvolkes“ der Bajuwaren. 788 wechselte die „Regierung“ von den Agilolfingern zu den  Franken.

Neue Siedler ließen die Ortsnamen nicht mehr mit einem „ing“ enden, sondern jetzt zum Beispiel mit einem „kam“, „ham“, „heim“ oder „dorf“. Auch das gibt es bei uns mehrfach: Balkham, Herrmannsdorf, Westerndorf. Die Namen die jetzt in den Annalen auftauchen, betreffen keine „kleinen“ Leute, denn diese waren ja „leibeigen“, also im Eigentum  eines anderen und quasi rechtlos. Von diesen „Besseren„ die urkundlich in der Regel oft als Amtsträger oder Zeugen vorkommen, kennen wir in Glonn ab 1015 einen Witigo, einen Werinheri mit Willa und Otto, 1145 einen Siegboto, 1150 einen Heinrich , 1189 einen Ulrich und 1200 einen Tamno von Glonn. Wie wir sehen sind christliche Namen,  auf dem Vormarsch. Erst als dann um diese Zeit das heute noch gültige Zweinamensystem, wohl auch aus verwaltungstechnischen  Gründen, aufkommt, wird ein christlicher Heiligenname fast ausschließlich zum Vornamen. Die jeweils in einer Pfarrei vorkommenden Patrone und Heiligen, sowie die in einem Familienverband bereits vorkommenden Vornamen und natürlich die der Paten, sind vorrangig. Scheinbar hat man nicht gerne geredet, denn viele Vornamen wurden verkürzt und/oder in einer Verkleinerungsform ausgesprochen: Das war die Basis für den Glonner „Hans“ und „Sepp“. Ob dann ein Glonner mit Vornamen, Familiennamen, Hausnamen oder Berufsnamen gerufen wurde oder wird, kann bis heute ein Problem sein. Erst recht bei der Familienforschung für frühere Jahrhunderte, wo für die gleiche Person in den Matrikeln  alle vier Rufformen einzeln vorkommen können.

Wenn es auch in der Bibel heißt „ich habe dich bei deinem Namen gerufen … (Jes.43,1)“,  so war das kaum auf die Praxis übertragbar, denn viele haben ihren Namen, außer den Taufnamen gar nicht gewusst. So wie auch Agathe „Weisnit“, die Magd aus Frauenreuth, die noch 1768,  laut Spendenliste für die Glonner Kirche, ihren Nachnamen nicht sagen konnte. Erst mit Anlage der Glonner Pfarrmatrikel 1630/34 wurde der allergrößte Teil der Glonner Leute erstmals nach und nach „aktenkundig“. Vorher nur, wenn man eventuell mit „Behörden“ zum Beispiel als Zeuge, mit einem Gericht, oder sonst amtlich, in Erscheinung trat. Es mag absurd klingen, wenn es für die  Forschung ein Vorteil ist, dass, wer zum Beispiel etwas „ausgefressen“ hat, erst „existent“ ist, außer  man findet ihn in auch in Kirchenmatrikeln. Ob dann alte Akten schon gefunden sind oder ob es diese überhaupt noch gibt, kann zum  Glücksfall werden. Und so kann die Nachrichtenlage spärlich sein.

Für Glonn sind Aufzeichnungen vor 1500 selten. In der gängigen Literatur sind im Wesentlichen eigentlich nur die Mühlen genannt: 1417 der Furt-, 1490 der Wies-, schon im 14. Jahrhundert der Christl-, 1424 der Stein- und 1417 der Kothmüller. Erst das Kuchlbuch von 1501/1517, das uns Dr. Huber aufbereitet hat,  nennt uns neben den fünf angeführten  Mühlen in Glonn und Mühltal noch eine weitere Mühle (Oswolt), sowie zehn weitere Anwesen darunter der „Tafernwirt“, also insgesamt 16. Im Kuchelbuch genannt  waren allerdings nur die, die dem Herzog Holz zu liefern hatten. Es werden aber noch weitere, kleinere, Anwesen in Glonn gewesen sein, die nicht „Holzlieferant“ sein mussten. Von den 16 waren nur drei in Eigenbesitz, die anderen 13 und wohl auch die die „weiteren“ waren im Obereigentum  zum Beispiel  des Landesherrn, des „Zinneberger“, des  Kloster Ebersberg und der Glonner Kirche. Die Haupttätigkeit dieser Leute war wohl die Landwirtschaft als Nahrungsgrundlage. Viele Anwesen hatten im Nebenerwerb ein Gewerbe, was auch auf die Müller und den Wirt zutrifft. Weiter Angaben, insbesondere Personalien, finden wir in „Anwesen der Marktgemeinde Glonn“ (HP der Gemeinde).

Die später sieben Glonner Mühlen, die ihre Wasserkraft nach und nach auch zum „Sägen“ verwendeten, konnten natürlich von Glonn allein nicht leben. Und so brauchte man die Umgebung. Bis aus München sind Kunden  vermerkt. Dieser „Zulauf“ brachte auch viel potenzielle Kundschaft, auch für andere Gewerbe, nach Glonn. So sehen wir auch an vielen alten Hausnamen, dass Glonn immer mehr zum Gewerbeort wurde. Auch die Aufträge aus Zinneberg förderten diese Entwicklung. Und so konnte Hazzi 1825 folgende Gewerbe feststellen: 1 Bader, 1 Bäcker, 1 Bierbrauer (Zinneberg), 1 Färber, 1 Faßbinder, 1 Metzger, 5      Hufschmiede, 2 Messerschmieden, 7 Müller, 1 Naglschmied, 1 Sailer, 1 Sattler, 2 Schneider, 1 Schlosser, 2 Schreiner, 7 Schuhmacher, 1 Wagner, 7 Weber, 1 Wirt, 1 Ziegler, 1 Wasenmeister, der allerdings nicht aufgelistet war. Die Glonner Dörfer sind in dieser Aufzählung mit erfasst. Dunkes kann nach 1860 in seinem „Lagebuch“ weiter Gewerbe nennen, wie den „Bot“ (Spediteur), einen Mühlarzt, Maler, Vergolder, drei Ärzte und eine Hebamme, Glaser und Uhrmacher. Was für ein Entwicklung diesen gut drei Jahrzehnten. Dass sich dann zu Lasten der fünf Glonner Branntweinschänken zwischen 1862 und 1875 sieben neue Gaststätten gründeten, zeugt von der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Um 1860 werden im Ort Glonn rund 500 Einwohner festgestellt. Nur mehr ein Anwesen betreibt Landwirtschaft allein. Dass mit dieser Entwicklung viele Gesellen von auswärts zuziehen, damit stellt sich für den Pfarrer auch eine soziale Frage. 1854 gründet sich dann ein katholischer Gesellenverein, einen der ersten in Bayern, um gewissermaßen auch diese, zunächst heimatlosen, Gesellen „aufzufangen“. Kommunistische Tendenzen sind laut Gründungspapiere untersagt. 1848 lässt grüßen. Aber auch in den Dörfern hat sich einiges getan. Die höheren Erträge, ausgelöst auch durch bessere Anbaumethoden, verlangten zunächst mehr Personal. Aber die Gründerjahre lösten eine Landflucht aus und wenn diese „Flucht“ auch zunächst nur in einem Glonner Handwerk endete.

Die Gewerbeentwicklung sorgte für einen überdurchschnittlichen Zuzug von außen. Ob das Verhältnis der „Alten“ mit den  „Neuen“ immer harmonisch verlief, bleibt dahin gestellt. Jedenfalls hat es mittelfristig Glonn nicht geschadet. Dieses 19. Jahrhundert, war ausgehend  auch geprägt von einigen Vereinsgründungen, während sich die in den umgebenden Dörfern in ihren „Zechen“ trafen. Der Bahnanschluss Glonns, 1894, brachte nicht nur  die Glonner näher an München, sondern die Münchner haben Glonn zur Erholung entdeckt. Vor diesem aufgezeigten Hintergrund hat sich das Leben der Glonner, hinein ins 20. Jahrhundert, vollzogen. Aus ehemals einem Hof oder Handwerksbetrieb ein Leben lang „Hörigen“, wurden Arbeiter und Angestellte im heutigen Sinn. Ab den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts meist auch schon mit Kranken- und Rentenversicherung. Die selbstständigen Bürger und größeren Bauern fuhren weiterhin mit ihrem „Gäuwagerlgespann“, während die Ärmeren auf ihr erstes Fahrrad sparten. Dabei blieb es nicht. Das Ziel war ein eigenes „Heisl“ für die Familie. Vorher war man aber in der Regel Mieter. Ein gemeinsamer „Abort“  und ein Wasseranschluss mit Gully in der Etage, war schon ein Luxus. Wir „Nachgeborenen“ sollen das alles nicht vergessen, wie unsere „Vorderen“ gerackert haben.  Letzlich für uns Enkel und Urenkel. Und zufriedener waren sie auch noch, auch ohne täglichen Braten im Angebot und auch ohne Radio und Fersehen. Das Verständigungsmedium war meistens die „Hausbank“.

Bei unserem 1250-Jahr Jubiläum sollen wir uns immer vergegenwärtigen, dass  Glonn,  nicht in erster Linie aus unserer schönen Landschaft, aus Häusern,  Straßen und einer Infrastruktur besteht. Glonn sind in erster Linie die Menschen die das alles geschaffen haben und die uns den Auftrag gegeben haben dies alles zu erhalten und weiter zu entwickeln. Sind wir uns aber auch bewusst, je mehr wir uns am Gemeinschaftsleben beteiligen, und seien es auch nur passive Vereinsmitgliedschaften, umso mehr dürfen wir uns Glonner nennen.  Und das ist in Glonn nicht schwer. Einem Glonn, das  Helmut von Cube 1949 als „sehr bayerische und sehr voralpenländische Idylle“ beschrieb. Lassen wir uns das nicht nehmen.

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Artikel von Hans Obermair in Ebersberger Zeitung 2024

 

2.1.2024 “Alte Glonner und ganz alte Glonner” 9.7.2024 ” Der “Doktormax” und das Attentat”
18.1.2024 “Im Jahr 774 wird Glonn erstmals erwähnt” 16.8. 2024 “Fundamente Glonner Geschichte”
15.2.2024  “Glonn in seiner Wasserlandschaft” 31.8.2024 “Glonns frühe Schule und ihre Lehrer”
11.3.2024   “Glonns erste Christen und die Kirchen” 28.9.2024 “Von Pfarrhäusern zu Schulhäusern”
6.4.2024 “Mühlrad und Forelle – Unverkennbar Glonn” 29.10.2024 “Als die Glonner Kirchen schwanden”
26.4.2024 “Wolfgang Koller – Tod am Rednerpult” 12.11.2024 “Als Glonn große Sprünge machte”
29.5.2024 “Von Jägern, Sammlern und Bauern” 16.12.2024 “Der heisse Heiligenschein”
25. 6. 2024  “Wie Glonn klang und sang”

Das Glücksschwein und die arme Sau


von ©Hans Obermair
erschienen am 30. 12. 2023, im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Nicht nur zum Jahreswechsel müssen Tiere für allerlei Sinn und Un­sinn herhalten

1720 dankt der „Stein­müller” vom Glonner Mühltal mit einer Votivtafel der Muttergottes von Frauenreuth für 22 durchgebrachte „Frischlinge”.

Zum Jahreswechsel werden sie wieder millionenfach auf Karten und allen möglichen Süßigkeiten als Glückssymbole in Aktion treten, eben die Glücksschweine. Deren Unterart die Sparschweine, die glücklich machen sollen, wenn man sie entleert, stehen zudem auf allen möglichen Theken rund um die Uhr und warten auf „Fütterung”. Dabei können die Motive sehr unterschiedlich sein: Anerkennung, Dankbarkeit oder auch nur Entsorgung des lästigen Kleingeldes.

Dagegen ist die sprichwörtlich „Arme Sau”, die sich nicht als Schwein zeigt, schlechthin das Synonym für alle Personen, die es nicht, oder noch nicht, geschafft haben. In diesem Fall bezieht sich der Begriff „Sau” und all seine Ausformungen, auf das weibliche Schwein, das Ferkel hat oder erst be­kommt. Ungerechterweise! Wenn dann in wenigen Fällen auch der männli­che Teil dieser Spezies mit ins Gespräch kommt, dann als „Saubär” und nicht, wie es richtig wäre, als Eber oder Keiler. So gesehen ist die Sau selbst eine wirklich „arme Sau”, weil diese in der Regel nur im negativen Zusammenhang in die Sprache kommt. Im Übrigen ist der Eber nur zur Zucht von Nöten, zum menschlichen Verzehr weniger, außer dieser ver­bringt „kastriert” sein Dasein, sozusagen als „Schweinsochse”.

Schaut man in die Steuerakten von 1671, wird das Mutterschwein respekt­voll „Schweinsmutter” genannt. Dass bei einem guten „Wurf’ mundartlich vom „Sauglück” die Rede ist, ist in Ordnung. Eine der seltenen „Glücksfälle” in dem die „Sau” im positiv gesetzt ist. „Sauglück” hatte auch der „Stein­müller” vom Glonner Mühltal, denn 1720 dankt er mit einer Votivtafel der Muttergottes von Frauenreuth für 22 durchgebrachte „Frischlinge” (Jung-schweine). Diese werden aus zwei oder drei Würfen stammen. Lena Christ hat diesen Vorgang mit ihrem „Mathias Bichler” in die Literaturgeschichte eingebracht.

Umgangssprachlich, und das bis heute, wird die Muttersau auch die „Lous” oder die „Loas” genannt. Laut Professor Rowley ist dies ein germanisches Wort, das von „lösen” kommt, also eine Muttersau nach der Geburt, die sich eben von ihren Ferkeln „gelöst” hat. Oft werden für die ausgesproche­ne „Lous” oder „Loas” noch schlimmere Zustände gebrandmarkt als mit „Sau”. Aber immer betrifft es einseitig das weibliche Geschlecht. Für das männliche Geschlecht gilt allenfalls der „Saubär”, wie neulich eine Busfah­rerin einen Buben genannt hat, der sich wohl nach dem Urteil der Fahrerin als solcher benommen hat. Allerdings unter Strafe, nicht dem Buben ge­genüber, sondern für die Busfahrerin. Ob da einer „Sau graust” muss je­des für sich selbst entscheiden. Ich gestehe: Ein „Saubub”, war ich auch schon, aber wenn es dafür eine Strafe gab, musste ich den Kopf oder den Hintern hinhalten. Schulbusse gab es bei uns noch nicht. Unser „Verkehrs­mittel” war von April bis Oktober das „barfußlaufen”.

Ein Schweinestall, „Saustall” genannt, musste auch regelmäßig ausgemis­tetwerden. Man sagt hierzu „saustoiramma”. Zugegeben, nicht die be­gehrteste Arbeit. Und so könnte auch der „Saustoi” zum Synonym für Un­ordnung geworden sein. Wenn wer oder etwas als „saudumm” bezeichnet wird, kann dies zweideutig sein: Entweder ist es „dumm” gelaufen oder man war blöd oder zu blöd. „Sauschlecht” und „saumäßig” ist ähnlich zu bewerten.

Da hat der „Sauladen” schon mehr Substanz. Jedenfalls steht das „Sau”, so wie im Schlechten als auch im Guten, oft für eine Steigerung. Man könnte es oft auch mit „sehr” ersetzten. Woher kommt das? Es könnte so gewesen sein: Fleisch und damit auch „Schweinernes” gab es früher selten. Zu Weihnachten war es sicher die „Mettensau”, oder auch „Weihnachter” ge­nannt, die auch auf dem Tisch des Gesindes landete. Manchmal in Men­gen, die nicht jedes vertragen konnte. Es war also eine „Sau” die diesen Se­gen ermöglichte. Warum sollte man dann das Mahl nicht auch als „sau- guat” bezeichnen. Und so könnte sich ein Begriff eingebürgert haben, in dem auch ein „sau” in „sauschlecht” oder „saumiad” und vieles andere das „sehr” ersetzte. Das „Schwein gehabt” ist sicher ein Import aus dem Nor­den, wo die Schützenfeste Tradition haben. Der Sieger durfte sich auf ein Schwein freuen. Ein Letzter bekam nur ein “Ferkel” und hatte sozusagen ein Jahr Zeit zum “Üben”, bis der Trostpreis zum “Schwein” wurde. Bei uns gab es die Tradition der Schafkopfrennen. Der Sieger bekam zwar keine Sau aber den Kopf einer solchen – die „Krawatte”, also der Halsanteil, nicht zu knapp bemessen. Und als bei einem „Schafkopfrennen” in Kleinhelfen­dorf, der Sieger war der in Neumünster wohnende Maler und aus Schlesi­en stammende Paul Chruschowitz, mit seinem „Ersten Preis” im Rucksack zu Fuß, und erst spät sein Quartier erreichte, stellte er seine „Trophäe” der Frau auf den Nachttisch. Als er sie weckte, quittierte sie dies mit einem Schrei. So etwas hatte sie noch nie im Schlafzimmer gesehen. Allerdings auch nicht in der Küche. Bei so viel Fleisch und damals noch ohne Kühl­schrank, musste man schon hinlangen. Ob das dann auch noch „sauguat” war?

Auch in der elterlichen Gaststube gab es „Sauen”, denn an den meisten Ti­schen wurde „gekartelt”. Die „Ass” im Kartenspiel nannte man eben „Sau”. Sie waren sehr angesehen, denn außer, dass sie in vielen Fällen auch „ste­chen” konnte, war sie eine begehrte „Schmier”, mit der höchsten „Augen­zahl”, nämlich mit „Elf” angesetzt. Dass die „Schellnsau” im Spiel auf dem Kartenbild von einem Hund überfallen wurde, konnte nicht gedeutet wer­den, spielte dabei aber auch keine Rolle.

Dass das Schwein, insbesondere die „Sau”, bei all ihren Vorzügen eher für „Negatives” stand, ist kaum erklärlich. Neuerdings liefert sie der Human­medizin auch noch Herzklappen. Überdies brachte sie als „Schweinsmut­ter” pro Wurf, und im Jahr deren zwei, einem Bauern die meisten Nach­kommen.

Bei all den Tieren auf einem Bauernhof, waren Schweine die größten Nah­rungskonkurrenten des Menschen. Das hatte allerdings auch einen Vorteil: Blieb etwas über, der „Saukübel” stand schon bereit. Also kann es für den schlechten Ruf dieser Tiere nur mehr die „Drecksau” gewesen sein. Trotz „Suhle” waren Schweine aber eher reinliche Tiere, wenn man ihnen Platz ließ: Sie koteten nicht in ihren Schlafplatz. Als wir ihnen dann eine „däni­sche” Aufstallung, mit Mistgang eine Stufe tiefer, und Stroh nur auf dem Schlafplatz, bereiteten, muss das Glück unserer Schweine vollkommen ge­wesen sein. Und wenn man in den Stall kam und ein zufriedenes Grunzen vernehmen konnte, freute man sich. Also ein Schwein wird nur zur „Sau” wenn man sie nicht anders lässt. Wenn man dann die Muttersauen bei der Geburt, dem sogenannten „Faggäpassn” zu überwachen und gegebenen­falls zu helfen hatte, ist man dann auch noch begeistert, wie sie ihrem ur­alten Begriff „Schweinsmutter” gerecht wurden.

Keinem Haustier wird, zumindest verbal, so viel Unrecht angetan, wie dem „armen Schwein”. Allenfalls gibt es im Sprachgebrauch eine „dumme Kuh” eine „blede Henna”, ein „dummes Schaf’ oder einen „dummen Hund”. Mit einem „des is a Hund” wird Menschen sogar ein Lob ausgestellt.

Also: Die „arme Sau” ist kein „dummer Hund”, aber ein Hund kann zur „Drecksau” werden, wenn man ihn lässt. Grundstückseigentümer an ei­nem Spazierweg, können ein Lied davon singen, obwohl ihnen nicht „zum Singen ist”.

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Milliardenschweres Gedenken


von Hans Obermair
erschienen am  10. 11. 2023, im Lokalteil der EbersbergerZeitung

Seit 100 Jahren erinnert das Glonner Kriegerdenkmal an die Gefalle­nen des 1. Weltkriegs

Noch kein Ereignis wird so einen Denkmalboom ausgelöst haben, wie der Erste Weltkrieg 1914/18. Treibende Kraft hierzu waren häufig die „Veteranenvereine”, die sich oft schon nach dem „gewonnenen” Krieg von 1870/71 gründeten. Und dass Anfang der Zwanzigerjahre dieser Boom auch in der Glonner Umgebung stattfand, das kann man im Protokollbuch der Glonner Veteranen nachlesen. Es war nämlich gute Sitte, dass man bei Denkmalsenthüllungen „rundum” mit dabei war: 1921 in Neufarn und Parsdorf, 1922 Putzbrunn, Siegertbrunn, Oberpframmern, Kirchseeon, Em­mering, Ebersberg und Kleinhelfendorf.
Bauherrn der Kriegerdenkmäler waren in der Regel die Gemeinden. Schon 1920 wurde hierzu in Glonn ein „Kriegerdenkmalverein” gegründet. Als dessen Initiatoren und Vorsitzende werden Pfarrer Schrall und Sanitätsrat Lebsche genannt. Dass es eines eigenen Fördervereins bedurfte, mag dar­an liegen, dass der Verein kriegsbedingt ziemlich am Boden lag.
Ein Bericht im Glonner Gemeindearchiv „Thätigkeit des Comite’s” gibt über die Vorgänge Auskunft. Die erste Phase befasste sich damit, ob es über­haupt möglich sei, ein Kriegerdenkmal zu errichten: Wo, Wie und die Fi­nanzen waren da zu erörtern. Nach fast zwei Jahren scheinen diese Fragen grundsätzlich gelöst zu sein und der Sanitätsrat übergibt sein Amt an Josef Landthaler, er ist zugleich auch Vorstand des Veteranenvereins.
Bei einer Versammlung setzt sich als Standort eines neuen Denkmals der „Marktplatz” gegen die so genannte „Friedhofswiese” durch, die sich dort, wo heute der untere Friedhof ist, befand, und 1912 von der Frau Posthal­ter gestiftet wurde. Ein weiterer Platzvorschlag war die Kirche, wohl in Form einer Gedenktafel, ähnlich wie das 1870/71-Denkmal.

Ebenfalls noch in der Ära Lebsche wurde das „Wie” diskutiert. Mit 45 gegen 39 Stimmen entschied man sich für eine „Gedächtniskapelle” am Markt­platz. Auch eine „Mariensäule” war einmal im Gespräch. Jetzt ist auch von Architekt Heppner und Professor Lempel, die wohl Entwürfe eingebracht haben, die Rede. Abgestimmt wird nun für ein „Denkmal” und zwar an der „Gürteler-Ecke”, dem heutigen Standplatz. Man entscheidet sich für den „sterbenden Krieger”. Den Auftrag erhält für die Figur Steinmetzmeister Jo­sef Mair aus Ebersberg.

Die sich stets steigernde Inflation zwingt zum Handeln: Man entscheidet sich für „Kirchheimer Muschelkalk”. Einem günstigen Angebot für den für die „Figur” nötigen Block wird für 5400 Mark stattgegeben. Weitere Mate­rialien werden gesichert. So auch Zement. Inzwischen (25.7.1922) rechnet man mit Gesamtkosten von 150 000 Mark.
Im August 1922 wird mit den Erdbewegungen und dem Unterbau zu be­gonnen. Auf dem Bau muss man fleißig gewesen sein, denn am 28.3.1923 kann man schon den „Enthüllungstermin” für 10. Juni 1923 beschließen. Da geht es um Aufgabenverteilung, Feldmesse, Kirchenzug, Festzug, Mu­sik, Festzeichen damit den Glonnern und die zu den Ortsvereinen gelade­nen 30 Veteranenverein des Umkreises, die zu einem guten Teil mit der Bahn gekommen sind, ein würdiges Fest geboten werden kann. Ein Fest­zeichen wird 10 000 Mark kosten und die Musik des „Faßrainers” 460 000 Mark. Das Fest selbst, dessen weltlicher Teil dann im Herbergslokal Neu­wirt stattfand, dürfte sich selbst getragen haben.

Beim Bau des Denkmales, dessen Kosten mit über 5 Milliarden beziffert sind, gab es allerdings ein Defizit von einer Milliarde und 175 000 Mark, das allerdings der Vereinskassier Ludwig Winhart, „Weigl” von Ursprung gedeckt hat.
Wenn man aber die Preise am Ende der Inflation (15.11.1923) in Betracht zieht – ein Kilo Roggenbrot kostete 233 Milliarden – dann könnte der „Weigl” das Defizit allerdings, sozusagen „aus dem Westentaschl” geleistet haben.

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Unsere Kartoffel – eine tolle Knolle


von ©Hans Obermair
erschienen am 31.8. 2023, im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Wie die Hackfrucht in der Region Einzug hielt – Entwicklungsgeschich­te des Anbaus

Kaum eine Kulturpflanze hat unseren Speiseplan und damit unser Leben in den letzten 200 Jahren so verändert wie die Kartoffel. Und das in allen Variationen bis hin zu den Spirituosen. Bei Letzteren sind es die Kartoffelbrennereien, die etwa ab 1890 durch die Vergabe von stattli­chen Brennrechten zum Bau vieler Guts- und Genossenschaftsbrennerei­en führten. Ziel war nicht nur die öffentliche Kontrolle der Branntweiner­zeugung, sondern auch zusätzliches Viehfutter, sozusagen als Nebenpro­dukt, die „Schlempe”, zu erzeugen.

Gerade auf leichteren Böden, wie bei uns meist im nördlichen Landkreis, war dies ein großer Vorteil. Der Bau von Brennereien führte nicht nur zu höheren Gesamterträgen im Ackerbau, sondern kam auch dem Umbau der etwa bis 1800 vorherrschenden Dreifelderwirtschaft Sommerung-Win­terung-Brache in die verbesserte Form Sommerung-Winterung-Blattfrucht sehr entgegen. Die Blattfrucht konnte jetzt also durch den Kartoffelanbau erfolgen.
Die Kartoffel war auch eine Basis für mehr Schweine – und über die Schlempe auch für mehr Rindermast. Beides erhöhte den Viehbestand, was durch den vermehrten Düngeranfall eine Verbesserung der Boden­fruchtbarkeit bedeutete.
Dabei ist die Kartoffel keine „hiesige” Pflanze, ist also „Neophyt”, etwa wie heute bei uns das „indische Springkraut”. Unsere Kartoffel, die ihren Ur­sprung in den Höhen Südamerikas hat, hat uns nicht „illegal” erreicht, son­dern ist eines der positivsten Ergebnisse der Entdeckung Amerikas. An­fangs nur als „Blume” gesehen, kam die Nahrungseigenschaft dieser Knol­len nur langsam zum Tragen. Erst der Preußenkönig Friedrich der Große (1712-1786) machte diese als Grundnahrungsmittel durch seine „Tartoffelbefehle” in unseren Landen „hoffähig”. Dass sich die Kartoffel im wahrsten Sinne des Wortes gut einbürgerte, wird allein durch ihre verschiedenen Bezeichnungen deutlich. Man nennt sie auch: Erdapfel, Erdbirne, Grund­birne, Krumbeere oder Potaten.

Nicht nur die Weiterzüchtung der Kartoffel durch Auslese, sondern auch die Methode des Anbaues hat ihre Entwicklungsgeschichte. Anfangs wur­den sie nur in Löcher „versteckt” und bis zur Ernte gewartet, so wie es heu­te bei „Gärtlern” noch üblich sein mag. Die Entwicklung zum Bifang, also der Fläche zwischen zwei Furchen, ist einleuchtend: Die leichtere Unkraut­bekämpfung, der verbesserte Wasserhaushalt und die leichtere Ernte, weil die Knollen höher liegen und das in einer Reihe. Auch die Pflanzung kann jetzt systematischer erfolgen. Erstmals kann hierzu ein Gerät eingesetzt werden, der so genannte „Markierer”. Durch Schaufelräder werden die Ab­stände der Reihen und in der Reihe gleich gebildet. Die Schaufelräder wur­den gegen rotierende Scheiben gewechselt, mit denen man das Pflanzgut mit Erde „überhäufeln” konnte. Diese Technik war eines der ersten „Viel­fachgeräte” das man in der Landwirtschaft verwendete.

Auch Pflege und Ernte profitierten vom Reihenanbau. Das „Legen” der Pflanzkartoffel erfolgte noch lange von Hand, bis es dann ab den Fünfzi­gerjahren durch Legemaschinen, halb- oder vollautomatisch, ersetzt wird.
Ein großes Problem beim Anbau sind die Schädlinge. Die pflanzlichen be­kämpfte man durch regelmäßiges „abstriegeln” und wieder „aufhäufeln” der Bifänge. Zwischen den Reihen konnte nur von Hand „gehackt” werden. Deshalb zählt man die Kartoffel auch zu den Hackfrüchten. Der tierischen Schädlingen, wie der Kartoffel- oder Coloradokäfer sowie ihrer Larven konnte man nur per Hand Herr werden. Eben durch Einsammeln, vor­nehmlich durch Kinder. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg kamen hierfür noch ganze Schulklassen zum Einsatz.

Pilzschädlinge waren bei uns früher weniger bekannt. Dagegen hat in Westeuropa ab 1840 die „Kartoffelfäule” zu Hungernöten und damit zu verstärkter Auswanderung nach Amerika geführt. Aber nach 1950 kam auch bei uns immer mehr die „Krautfäule”, auch Phytophthora genannt, auf die Äcker. Hier gab es nur die chemische Keule, also Spritzen. Eine Vor­kehrung gegen tierische und Pilzschädlinge war die Fruchtfolge. Nicht un­ter drei Jahren sollten auf das gleiche Feld Kartoffel gepflanzt werden. Dies kam auch der Fruchtfolge zugute, weil die Kartoffel eine gute Vorfrucht ist.
Der Erntezeitpunkt konnte durch verschiedene Sorten unterschiedlich ge­staltet werden. Die Ernte erfolgte bis in die 1950er Jahre ausschließlich von Hand. Der Schleuderroder hatte den Rippenpflug und der die Grabgabel abgelöst. Während man bei geringerer Anbaufläche Bifang für Bifang ro­dete und in Abschnitten je zwei Personen mittels Körbe einsammelten, wurde bei den „Größeren” auf „Vorrat” gerodet. Bei dieser Methode arbei­tete das Erntepersonal in einer Reihe, oft auf den Knien. Die vollen Körbe wurden dann auf den mitfahrenden Wagen geladen. Die nächste Roderge­neration war dann der Vorratsroder. Ein besonderes „Siebrad” sorgte da­für, dass das Erntegut weniger durch Erde überdeckt war. Die weitere Ent­wicklung war der Siebkettenroder der dann nicht mehr „ausschleuderte”, sondern die Kartoffel auf Reihen ablegte.

Die Personalfrage bei der Ernte war in den 1950er Jahren, zumindest bei den kleineren Betrieben noch kein Problem. Meist waren es die Frauen ei­nes Ortes, die oft auf Halbtagsbasis dabei halfen. Bei dieser Arbeit war es keineswegs langweilig. In einer Reihe arbeitend, gab es immer was zu er­zählen. Erst recht bei der Brotzeit auf dem Feld. Wenn dann die Gruppe, die ja in etwa immer identisch war, bei uns zum Oktoberfest eingeladen war, war dies ein Höhepunkt des jährlichen „Kartoffelglaubens” und stärk­te die Gemeinschaft.
Bei größeren Betrieben kamen „Akkordpartien”, bei uns meist aus der Oberpfalz, zum Einsatz. Sie übernachteten bei den Bauern und wurden dort auch verpflegt -morgens und abends auf den Höfen und zu den „Brotzeiten” und mittags auf dem Feld. Wenn es der Tag und das Wetter zuließen, arbeiteten sie von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. Bei uns zu siebt, drei Paare in der Reihe, und einer, meist der „Kapo”, der die vollen Körbe auf den Wagen leerte. Eine solche „Partie” brachte es auf eine Tagesleistung bis zu einem Hektar, da konnten gut 300 Doppelzentner sein. Das „Stammpersonal” auf den Höfen war dann für das Roden und mit der Abfuhr der Kartoffeln beschäftigt. Der Lohn für die Akkordgruppe war nach „Tagwerk” vereinbart.
In der Regel kamen immer die gleichen Gruppen auf die Höfe. Alle sehr fleißige Leute, die durchaus nach dieser harten Tagesarbeit nach dem Abendessen noch gerne gemütlich beisammen saßen und auch noch an ein paar Lieder aus ihrer Heimat sangen. Ab den 1960er Jahren setzten sich Kartoffelvollernter durch. Das Erntegut wurde per Kettenband auf die Maschine gebracht. Dort wurde von Hand alles aussortiert, was nicht in den Erntetank sollte. Auch das erübrigte sich zusehends durch Automaten. Eine der ersten Erfindungen dieser Art war Anfang der Sechzigerjahre das sogenannte „Peisband”. Der Erfinder war Anton Peis aus Poing.

Die Betriebe, die ein Brennereirecht hatten, konnten die Ernte oft vom Acker an die Brennerei fahren. Bei den anderen waren die Lager, meist die Tennendurchfahrten, voll.
Nun ging es in der Regel über Wochen ans Sortieren. Die „Kleineren” wa­ren für Futter bestimmt, die „Mittleren” als Pflanzkartoffel für das nächste Jahr, beziehungsweise auch für Futter und die „Größeren” für den Markt. Hier die „mehligen” Sorten für die Industrie, bei uns gegebenenfalls für „Pfanni”. Die „speckigen” wurden als Speisekartoffel angeboten und wur­den meist in 50-Kilo-Säcke abgefüllt. Die größere Menge ging an Händler ab Hof. Ein Teil aber wurde direkt an den Verbraucher geliefert – bei uns zum Großteil nach München. Ein „Kramer” aus München hatte die Vorbe­stellungen aufgenommen und wir lieferten sie frei Kartoffelkiste in den Keller. Bei den oft niedrigen Kellern eine „Sauarbeit”, die allerdings durch Trinkgeld auch lukrativ sein konnte. Je nach Menge, und das konnten pro Haushalt sechs Zentner und mehr sein, konnte man dann den Familien­stand oder auch die Herkunft erahnen: Die größeren Mengen gingen meist an Leute, die der Sprache nach nicht „einheimisch” waren. Nord­deutsche zum Beispiel hatten eben eine andere Esskultur.

Mangels einer frostsicheren Lagermöglichkeit auf den Höfen, war auch das „Einmieten” der Kartoffel auf den Feldern gebräuchlich. Im Frühjahr wur­den dann die so über den Winter gelagerten Kartoffel weiter verarbeitet.
Aber auch im „Vertrieb” hat sich viel geändert. Durch die gestiegene Moto­risierung holt sich jetzt der Verbraucher seinen Bedarf oft ab Hof. Aber auch der Lieferservice der Bauern das ganze Jahr über an Verbraucher und Märkte hat heute Tradition. Die verzehrte Kartoffel menge pro Kopf hat sich gegenüber früher wesentlich verringert. Rund die Hälfte davon kommt dabei heute als Fertigprodukt auf den Tisch. Sieht man die steigen­de Weltbevölkerung, dürfte die Kartoffel eine gesicherte Zukunft haben, denn ihr Stärkeertrag pro Hektar liegt deutlich über dem von Getreide.

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Markt ist nicht Markt


von ©Hans Obermair
erschienen am 30. September 2023, im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

300 Jahre Markt in Glonn: Ein Handelsplatz mit bewegter Geschichte

Markt Glonn” steht stolz im Ortseingangsschild. Wenn dann zeit­gleich in einer Anzeige steht, in Glonn sei Markt, dann könnte man zwi­schen beidem einen Zusammenhang vermuten. Dem ist aber nicht so. Das „Markt Glonn” gibt es seit 1901 nach dem Recht von 1869. Es wurde „aller­höchst” vom Prinzregent Luitpold selbst verliehen. Grundlage für die Erhe­bung zu „Markt Glonn” ist wohl, dass der Ort mit Gemeinde einer der vier Mittelpunkte im Landkreis waren. Ein „Marktrecht”, wie es für Glonn schon Jahrhunderte vorher bestand, ist und war also für das „Markt” im Ortsna­men nicht Voraussetzung.

Das Marktrecht in Glonn, das von Kreuz 1723 übernommen wurde, gibt es nun also seit 300 Jahren.

Für 1429 ist erstmals ein herzoglicher Markt für Kreuz verbürgt. 1701 stellt Wenig in seiner Topographie für Zinneberg noch fest: „Eine kleine Stundt von Zinneberg befindet sich der Ort Creutz, zu diesem Schloss gehörig, a11- so ein Kirchlein von zwey Bauernhöfvorhanden, werden auch deßJahres vier Märckt allda gehalten”. 1701 waren also die Märkte noch in Kreuz. Die zwei Höfe, der „Moar” (heute Schneeberger) und der „Westermoar” waren im Obereigentum von Zinneberg, so wie der Glonner Wirt (Post) auch. Der „Mesner” war der Kirche Egmating grundbar. Deshalb ist er nicht aufge­führt.

Der letzte „Westermoar” verstarb 1754. Wahrscheinlich schon vorher wur­de der Hof aufgelöst und aufgeteilt. Der Teil, westlich der Kirche, wo dieses Anwesen stand und auf dem die Märkte wohl stattgefunden haben, wurde dem Wirt in Glonn zugeschlagen. Damit wird der „Marktplatz” und damit der auch der Markt nach Glonn gekommen sein. Dies wird auch von The­rese Killi aus Münster, wohl aus mündlicher Überlieferung, bestätigt, wenn sie schreibt: „Auch waren im Laufe eines Jahres 4 Jahrmärkte, welch später von einer Wirtswitwe jetzt Post in Glonn angekauft wurden und so nach Glonn verlegt wurden”.

Der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair schreibt: „Erst seit 1723 finden die vier Jahrmärkte (Fasten-, Pfingst-Jakobi und Michaelemarkt) in Glonn statt. 1814 wird dann vom Patrimonalgericht Zinneberg beantragt, dass der Johannimarkt um eine Woche vorverlegt werden solle, dann sei man nicht „in Konkurrenz” zum vier Stunden entfernten Markt in Holzkirchen. Daran kann man die Bedeutung des Glonner Marktes ermessen. Um diese Zeit gab es also schon einen Viehmarkt in Glonn. Für 1821 sind schon vier Viehmärkte belegt. Wenn auch Niedermair 1909 schreibt: Erst im Jahre 1833 gelang es auf Bemühen des Wirtes, auch die Viehmärkte an den dar­auffolgenden Montagen von Kreuz nach Glonn zu verlegen”. Möglicherwei­se war zwischen 1814 und 1833 auch in Kreuz noch ein Viehmarkt; eventu­ell nur für Pferde. Schon wie in Kreuz beaufsichtigte Zinneberg auch in Glonn die Märkte. Der Platz für die Märkte in Glonn, war auf dem Grund des Wirtsanwesens, zu dem bis etwa 1928 auch der jetzige Marktplatz ge­hörte.

Ab 1859 wurde der Viehmarkt zweimal im Jahr auch auf den Montag nach dem Markttag verlegt. Dies und dass 1859 der Wirt Wagner, der noch als einziger Wirt in Glonn an drei Stellen ausschenkte, für 29 Hektoliter an die Gemeinde 24 Gulden „Bieraufschlag” zu zahlen hatte, zeigt den Umfang des Zulaufes. Überdies kassierte die Gemeinde noch Standgeld. 1831 wa­ren es 56 Gulden (wohl für alle vier Märkte). Dass zum Beispiel 1890 der „Distrikttierarzt” Angerbauer Missstände aufzeigt wie: Dass seit Jahren die Ausstellungsflächen zu klein sind, der (Vieh)-Markt dehne sich schon auf die Distriktstraße aus und dass die Fläche nicht abgeschlossen sei, mag über die Größe etwas aussagen. Man solle einen größeren Platz suchen – „ohne Rücksicht auf einen einflussreichen Gastwirt, der seine Wirtschaft neben dem derzeitigen Viehmarkte hat – und das dürfte dahinterstecken”. 1891 lesen wir dann, dass der Viehmarktplatz auf den angrenzenden An­ger (Postwirt) ausgeweitet wird. Für 1909 sind „Auftriebszahlen genannt: „Zugetrieben wurden 385 Ochsen, 50 Kühe und 30 Kälber. Alles wurde ver­kauft”.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 dürfte der Höhe­punkt des Glonner Waren-und Viehmarktes überschritten sein. 1929 ist nur mehr ein Auftrieb von 82 Stück vermerkt.

Der Ebersberger Anzeiger vom 8.8.1938 berichtet, dass anlässlich des Marktes sehr viele Auswärtige nach Glonn gekommen seien. Die Markt- und die ansässigen Geschäfte gingen insbesondere am vormittags recht gut.

Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges war dann Schluss mit dem Glonner Viehmarkt. 1934 beschließt die Gemeinde dann „das Handeln in jüdischer Sprache ist verboten”.

Der Warenmarkt wird zwar für die Masse des Publikums der attraktivere gewesen sein. Er war ja auch am (fast) arbeitsfreien Sonntag. Dass 1901 der Schneidermeister Deyerl aus München in der Zeitung sein Glonner An­gebot inseriert, zeigt, wie treu und wie weit die „Firanten” angereist sind. Die Bahn ab 1894 war sicher auch für den Markt gut. 1916 verweist Schneidermeister Deyerl in seiner Anzeige „Bezugscheine mitbringen!”. 1936 wird berichtet, dass Messerschmied Blonner seinen 60. Glonner Jahr­markt feiern kann.

Natürlich wurden nicht nur Waren, sondern auch Attraktionen angeboten: Da gab es einen Zirkus, Schiffschaukel, Karussell und auch einen „Herku­les”, der Ketten sprengte und mutige und starke Männer beim „Finger- hackln” über den Tisch zog. Auch von einem „Bärentreiber”, wohl mit ei­nem „Tanzbären” wird berichtet. Schauen wir in die Aufzeichnungen des Musikmeisters Diemer und später Faßrainer, dann ist die „Marktmusik” fester Bestandteil des Glonner Marktes; natürlich nicht in der Fasten-und Adventszeit. Als sich zwischen den beiden Weltkriegen der Glonner Klein­tierzuchtverein gut entwickelte, gab es auch Tierschauen. In den Kriegsjah­ren sind noch bis 1943 Märkte verzeichnet, wenn auch nur noch wenige „Firanten” anbieten.

Die Warenmärkte nach dem Krieg sind frühestens 1946 wieder „angelau­ fen”. Aber was sollte auch angeboten werden? Erst nach der Währungsre­form war wieder Ware da. Wie überall, so auch in Glonn, waren die Jahr­märkte Anfang der Fünfzigerjahre wieder gut beschickt und besucht. Und die noch schlechten Verkehrsverhältnisse haben den Einkauf auf den Örtli­chenjahrmärkten begünstigt. Auch der Versandhandel hatte noch nicht die Bedeutung.

Das spärliche „Marktgeld” das wir Buben von den Eltern bekamen, musste ja auch unter die Leute. An Markttagen boten auch die Glonner Geschäfte ihre Waren an. Wenn man dann in einer Kollektivanzeige der Ebersberger Zeitung von 1984 Anzeigen Glonner Geschäfte sieht, dann spürt man, wie die Zeit verrinnt. Da heißt es noch von „Dirndlstube, von „Plattenstüberl” und von „Wollstüberl”. Die vier Markttage in Glonn sind immer noch gut besucht, wenn auch immer mehr das Ereignis und nicht mehr so das Kau­fen im Vordergrund steht.

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Als den Glonnern das Licht aufging


von ©Hans Obermair
erschienen am 23. August 2023, im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

125 Jahre Strom in der Marktgemeinde: Verschönerungsverein macht den Anfang

Elektrizität gibt es schon immer, sie ist ein Teil dieser Welt. Konnte sie früher nur sehr beschränkt nutzbar gemacht werden, so begann mit der Erfindung eines Generators durch Werner von Siemens im Jahre 1866 deren beispiellose Ausbreitung. Zunächst natürlich in den Städten und den Ballungsgebieten, bevorzugt für die Beleuchtung. Auf dem Land etwas später und dort zuerst, wo Wasserkraft für den Antrieb sorgen konnte. So auch in Glonn.
Schon das zweite „ Projekt” des 1887 gegründeten Glonner Verschöne­rungsvereins war Elektrizität. Zunächst war nur an eine Straßenbeleuch­tung gedacht. Hier war Wolfgang Wagner jun. die treibende Kraft. Er hatte wohl, auch vom Landwirtschaftlichen Verein, in dem Wolfgangjunior tätig war, die Idee dazu. Nach längerer Debatte, so heißt es im Versammlungs­protokoll, wird beschlossen, „zwar das Projekt dem Verein zu unterstellen, jedoch gänzlich gesondert zustande zu bringen”. Anschließend wurde ein „Zeichnungsbogen” herumgereicht. Die für das Vorhaben zunächst veran­schlagten 3000 Mark wurden während der Versammlung von den Mitglie­dern gezeichnet. Vermutlich haben sich 20 Personen zur Zeichnung ent­schlossen, weil im Protokollbuch von einem Garantiefonds von 150 Mark die Rede ist. Man beauftragt den zweiten Vorstand Wagner sen., sich einen möglichst genauen Kostenvoranschlag von der Firma Eisenstein & Co an­fertigen zu lassen. Mit Schreiben vom 12. November 1887 berichtet Bür­germeister Beham dem Bezirksamt Ebersberg, dass die Finanzierung durch den Verein gesichert sei.
Plan und Kostenvoranschlag können aber nur oberflächlich gewesen sein, denn am 10.1.1888 berichtet Wagner der Versammlung, dass er sich mit mehreren Sachverständigen ins Benehmen gesetzt habe „welche ihn den Rat gaben, ja nicht so schnell in dieser Sache vorzugehen und womöglich auf eigene Wasserkraft zu trachten”. Wagner bittet die Versammlung noch um ein paar Monate Geduld. Und die war fürwahr von Nöten. Immer wie­der steht das Elektrizitätsprojekt auf der Tagesordnung. Im August 1888 erkannte man dann die Vordringlichkeit der Untersuchung der Wasser­kraft. Ein entsprechendes Gutachten koste aber sicher Geld. Hier konnte der Ortsarzt Lebsche helfen. Er hatte einen Schwager „welcher Ingenieur ist”, dieser komme sowieso nach Glonn und könne die Wasserkraft unter­suchen -vermutlich kostenlos.
Diese Untersuchung verlief negativ, denn im März 1889 erklärte dann Wagner jun. das „Projekt” für gescheitert. Wahrscheinlich weil die vorhan­denen Wasserkräfte bereits von den sieben Mühlen genutzt wurden. Zum Ankauf einer Mühle reichten die Fi-nanzen nicht.

Glonns Straßen blieben aber nicht dunkel: Etwa 1894 richtete der Verschö­nerungsverein auf eigene Kosten eine Straßenbeleuchtung ein – eine Beleuchtung mit Petroleum. Dem Schriftverkehr nach hatten die Anlieger das Öl zu liefern, diese Lampen anzuzünden, zu löschen und für Ersatz von Docht und Zylinder zu sorgen. Und genau das geschah nicht immer und noch dazu am Glonner „Hauptkreuzungspunkt”.
Der Verein stellte an die Gemeinde den Antrag, diese möge die so wichtige Lampe übernehmen. Dort wurde zum Missfallen des Vereins abgelehnt, obwohl dessen Vorstand aus dem Schlossherrn von Zinneberg Albert von Scanzoni, dem Reichs-und Landtagsabgeordneten Wolfgang Wagner Seni­or und Wagner Wolfgangjunior bestand. Man war wohl sehr erbost und stellte an die Gemeinde dann den Antrag, alle Lampen zu übernehmen. Wieder abgelehnt – allerdings mit der Zusage, man gebe für die Beleuch­tung einen jährlichen Zuschuss von 50 Mark.

Wie so oft in der Technikentwicklung war es dann Privatinitiative, die Glonn den Strom brachte. Stromerzeugung und Lieferung war eine Zu­kunftsbranche. Wer diese Chance in Glonn zunächst nutzen wollte, steht nicht genau fest. Mit Schreiben vom 7.5.1898 bewirbt sich (auch) Wolfgang Wagner sen. bei der Glonner Gemeinde um die „Conzession”. Mit der ihm gehörenden „Obermühle”, heute Piusheim, könne er den Strom erzeugen und nach Glonn liefern. Natürlich mit allen Vorzügen und Garantien. Eine Behandlung des „Wagnerantrages” ist nicht festzustellen.
Etwa um die gleiche Zeit, das Schreiben hat kein Datum, dürfte der Antrag des „Furtmüllers” Peter Kastl eingegangen sein. Die Glonner „Furtmühle”, nach der „Christlmühle” mit dem zweithöchstem Gefälle, war im Eigentum von Peter Kastl, geboren 1857 in Albaching. Er war seit 1877 „Mühlbur­sche” bei Anton Ecker, seit 1852 Furtmüller. Dessen Frau war die „Heckmo- arstochter” Kreszenz Marais. Die Ehe blieb kinderlos. Und so wurde die Nichte von Kreszenz, die Wirtstochter Anna Obermairaus Frauenreuth, Er­bin der Furtmühle. 1889 heiratet sie den sieben Jahre jüngeren Peter Kastl. Auch diese Ehe blieb kinderlos. Kastl war vermutlich ein Technikfreak und hat sich auf diese Zukunftsbranche eingelassen. Im Antrag von Kastl ist von Beleuchtung- und Kraftübertragungsanlage, Gleichstrom-Zweileiter­system, Accumulator und 110 Volt bei 90 Ampere die Rede. Er könne mit seiner Wasserkraft aus Mühle und Säge Glonn und Zinnberg versorgen. Sollte die Wasserkraft einmal nicht mehr ausreichen, würde er sich eine Reserve-Dampfmaschine anschaffen. Die Verteilung finde über die Haus­dächer und „Telegapfenmasten” statt. Auch zum Lieferpreis macht er An­gaben: für Privat und pro Jahr und „Kerzenstärke” eine Mark. Bei „Gelegen­heitslängen”, wahrscheinlich, wenn ein Abnehmer nicht an der „Haupttras­se” lag, „besondere Preise”. Sollte ein „Elektricitätszähler” vorhanden sein, „stellt sich der Preis einer 16-kerzigen Lampe per Stunde auf 2 Pfennige”. Am 5.12.1898 hat Peter Kastl sein „Elektrizitätswerk” per 1.9.1898 bei der Gemeinde angemeldet. Hier heißt es: „ohne Gehilfen”. Säge und Mühle waren also aufgegeben. Laut einem Inserat vom Mai 1900 wurde die Ein­richtung (Mühle/Säge) zum Verkauf angeboten. Es ist aber davon auszuge­hen, dass die Stromlieferung schon im Sommer 1898 erfolgte.

In der Zeitung vom 16.8.1940 (vermutlich „Oberbayer”) lesen wir über die Anfänge der Glonner Stromerzeugung. Demnach waren speziell die Gla­sermeister, einen solchen gab es auch in Glonn, gegen das elektrische Licht, weil sie den Umsatz mit Petroleumlampen und Glaszylindern nicht gerne verloren. Es gab also auch diese Widerstände. Heute würde man sa­gen, in einer PR-Aktion hat Kastl, nachdem die Erzeugung schon angelau­fen war, für seinen Strom geworben. Er hat zum Nachbar, dem Gastwirt Lanzenberger, der wohl einer der ersten Stromkunden war, eingeladen. Und wie es heißt, waren alle Bürger gekommen, um das „Licht” zu bewun­dern, zu loben, aber auch zu „begritteln”. Bei „festlicher Zecherei” ist es so­gar zu einer Rauferei gekommen, die vielleicht ohne neues Licht gar nicht möglich gewesen wäre. Vielleicht gab es aber auch „Freibier”, wie bei PR- Einladungen auch heute noch üblich.

Einer der ersten Hausanschlüsse war beim Bürgermeister Türk (Welzmül­leranwesen). In einem Inserat bewirbt der Neuwirt 1898 (28.8.) sein Gar­tenkonzert „mit elektrischer Beleuchtung”. Dies zeigt, dass das Leitungs­netz schon im Sommer bis zum „Neuwirt” reichte. Auch die ehemals hart­näckigsten Gegner suchten jetzt den Stromanschluss, sodass der Furtmüller ständig erweitern musste. 1894 erhielt Glonn den Bahnanschluss und 1901 wurde es Markt. Klar: Auch die Petroleum-Straßenbeleuchtung wur­de vor dem Ersten Weltkrieg noch gegen „elektrische” ausgetauscht. Ein Angebot von Kastl von 1914 gibt darüber Auskunft.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, so heißt es, war schon halb Glonn angeschlossen. Auch die Nutzung des Stroms für Kraftmaschinen wurde von Kastl gefördert, in dem er eine fahrbare Kreissäge anbot, zum Brenn­holz sägen. Wie zu lesen ist: „Man konnte zu den betreffenden Jahreszei­ten wochenlang die große Kreissäge singen und kreischen hören”.

Auch für „Nüchterne und Betrunkene” wurde das neue Straßenlicht zum Segen, so heißt es weiter. Freilich nur bis 11 Uhr (23 Uhr), denn dann wur­de es abgeschaltet. Irgendwann konnte die Furtmühle den Strom nicht mehr erzeugen. Und so wurde 1927 die Wasserkraft der Steinmühle mit in die Stromerzeugung eingebunden. Ein dickes Kupferkabel, es war ja noch immer Gleichstrom, hatte beide Werke verbunden. Damals war allerdings schon der Elektrotechniker Josef Altinger, seit 1919 der Furtmüller, Chef des Unternehmens. Er hat die Erziehungstochter von Kastl geheiratet. Die Familie Altinger erzeugt heute noch umweltfreundlichen Strom.

Zurück zum Kastl: Zeitgenossen haben ihm einen unglücklichen Ausgang prophezeit. Sein Ansehen ist zwar gestiegen. Von 1899 bis 1905 finden wir ihn als Gemeinderat. Es scheint gut „gelaufen” zu sein – oder war es auch – der Wunsch nach Ansehen, denn 1903 baut er sich eine Villa an der Haupt­straße. 1904 aber verkaufte er das Furtmüller-Stammanwesen an den Wirt Lanzenberger. 1925 verstarb Kastl im Alter von 68 Jahren und 1931 seine Anna mit 81 Jahren.

Ende des 19. Jahrhundert war es noch schwierig, Glonner Mühlen und Sä­gen für die Stromerzeugung zu begeistern. Mittlerweile sind alle sieben ehemaligen Glonner Mühlen umweltfreundliche Stromerzeuger: die Steg­mühle seit 1903 (für Zinneberg) die Steinmühle seit 1927, die Wiesmühle und Waslmühle seit 1928, die Christlmühle seit 1935 und die Kothmühle seit 1970. Die 1920 gegründete Elektrizitätsgenossenschaft Frauenreuth wollte in den Zwanzigerjahren, hinter Reisenthal mit einem Staudamm den Kupferbach aufstauen, um Strom zu erzeugen. Gott sei Dank ist es nicht zu weit gekommen. Nach dem Krieg übernahm diese Genossenschaft die „Stegmühle-Genossenschaft”.
Vielleicht noch ein paar Geschichten um den Strom: Einer der Ersten aus unserer Umgebung war der Killi Hausl, der Haberer aus Münster, der von der Elektrizität begeistert war. Im Straubinger Gefängnis inhaftiert, konnte er die mit Strom beleuchtete Gäubodenstadt bewundern. In seinem Tage­buch steht es so drin. Dann die Stromversorgung der E-Genossenschaft Frauenreuth, die auch umgebende Orte versorgte und damit viele land­wirtschaftliche Kunden, die im Herbst die Dreschmaschine auf dem Hof hatten. Rutschte dem „Einlasser” eine Garbe durch, flunkerte rundum das Licht. Die Christlmühle belieferte Adling mit Strom. Der „Neuner Jakl” der dort beschäftigt und so, wie die Adlinger Jugend auch, Mitglied der „Greawinkler Zeche” war, nützte das Stromnetz, indem er Einladungen für „Zechtreffen” durchgab. Er unterbrach kurz die Stromlieferung, sodass in Adling die Lichter flunkerten. Man wusste dann: „Heit kemma z’samm”.

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