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Die Glonner Freiwillige Feuerwehr

 
Am 30.Mai 1872 teilte der verwaltungsrath der freiwilligen feuerwehr Glonn der Verwaltung der Gemeinde Glonn mit: “Es wird die Verwaltung der Gemeinde Glonn vorschriftsmäßig in Kenntnis gesetzt, daß sich unter dem 26.Mai eine freiwilligefeuerwehr nach den Statuten des allgemeinen Bayerischen Landes-Vereines gegründet hat mit vorläufig 50 Mitgliedern. In den Ausschuß wurden gewählt:

Apotheker Clemens Birzer als Vorstand
Bürgermeister niedermaier als Kassier
Schullehrer Kolmsberger als Schriftführer
Schloßermeister Donatus Maer als Requisitenmeister

Zugleich wird das Ansuchen gestellt, um Überlassung der feuerspritze nebst Requisiten

Achtungsvoll

Der Verwaltungsrath der Freiwilligen Feuerwehr

Wolfgang Wagner, Commandant

 

Freiwillige Feuerwehr Glonn gegr. 1872

125 Jahre Glonner Feuerwehr
von Hans Obermair©
(Diese Chronik erschien erstmalig anlässlich des 125-jährigen Jubiläums in der Festschrift der Glonner FFW 2002.  Vervielfältigung und Nachdruck sind nicht erlaubt. Alle Rechte bei: © Hans Obermair, Glonn)

Feuer und Feuerwehr

“Gott zur Ehr -dem Nächsten zur Wehr”, dies ist der Leitspruch vieler Feuerwehren. So steht es auch auf der Fahne der Glonner. Mit diesem Spruch soll gesagt sein, daß Feuer­wehren nicht Dienstleistungsunternehmen sind und sein wollen, sondern daß die Kultur des Helfens im Vordergrund steht. Die Bereitschaft und den Zwang sich dem Feuer zur Wehr zu setzen, gibt es schon länger als jene menschliche Errungenschaft, selbst Feuer zu entfachen. “Feuerwehr” entspringt also dem Trieb des Menschen zur Selbsterhaltung und ist damit Teil seiner Natur. Die Bereit­schaft auch dem Nächsten vor Feuersschaden zu bewahren -und damit sogar einen eigenen Nachteil in Kauf zu nehmen, ist ein Kultursprung in der Menschheitsgeschichte.
So wie Feuerwehren heute verstanden werden, sind sie eine Organisationsform des Helfens -eben Feuer effektiver, aber auch für den Helfer sicherer zu bekämpfen. Hinzugekommen ist die technische Hilfe. Die Ursprünge dieser organisierten “Feuerwehr” sind zweifelsohne mit dem Zeitpunkt anzunehmen, zu dem sich Menschen seßhaft machten. Das “Zusammen­wohnen” erhöhte nicht nur die Feuersgefahr, sondern erweiterte auch die Möglichkeiten gegenseitiger Hilfeleistung.

Allmählich gaben sich die Menschen auch Gesetze. Im Bereich des Feuerschutzes hatten sie ihre Aufgabe nicht allein darin, bei Feuersbrünsten regelnd einzugreifen, sondern auch dem Feuerschutz vorbeugend zu dienen. So haben älteste Baugesetze ihren Ursprung im Brand­schutz. Für unseren Raum galt zum Beispiel die Vorschrift, dass Backhäuser außerhalb von Haus und Scheune zu stehen hatten. Die vierteljährliche Beschau der Feuerstätten durch den “Dorfvierer”, dem die Aufsicht über die Haupt- und Obmannschaften übertragen war, war vorgeschrieben.
Die Mittel zur Brandbekämpfung waren primitiv. Bis zur Entwicklung der Handspritze gab es nur den Kübel, der von Mann zu Mann, vom Dorfweiher zur Brandstätte gereicht wurde. Hierin haben viele künstliche Dorfweiher, soweit es keine natürlichen Gewässer gab, ihren Ursprung. Selbstverständlich wurden sie auch als Pferde- und Wagenschwemme verwendet. Ebenfalls wichtige Brandutensilien waren die Feuerleiter und der Feuerhacken. Alarm wur­de mit den Kirchglocken und dem Signalhorn gegeben.
Zu allen Zeiten waren die “Brandleider”, also jene die einen Brandschaden hatten, arme Teufel. Dass ihnen der “Brandbettel” erlaubt war,  war nur ein kleiner Trost. Der Erfolg war vor allem davon abhängig, wie gut oder schlecht es den anderen ging, oder wie gut oder schlecht das Jahr (Erntejahr) war. Dass durch die Feuersnot der eine oder andere auf die “Gant” (kommt von Gehen) kam, oder die Familie zerrissen wurde, war eben Schicksal. Speziell in Altbayern hielt sich der Brandschaden in Grenzen, weil es durch den hohen Anteil des Obereigentums von Klöstern und Kirchen von dieser Seite Hilfe gab.
Die Gebäudebrandversicherung als staatliche Einrichtung -wohl die älteste Versicherungs­form, gibt es in Bayern bereits seit 1799. Aber auch private Initiativen sollten den Brand­schaden mindern. Dass beim “Abräumen” der Brandstätte die Dorfgemeinschaft zur Stelle war, verstand sich von selbst. In diesem Zusammenhang sei an den “Privatunterstützungs­verein bei Brandfällen in Bruck bei Grafing” erinnert, der 1889 gegründet wurde (siehe Festschrift von Hans Huber). Das Vereinsgebiet umfasste auch die Gemeinde Glonn.
Brandstiftung wurde als Strafdelikt schon in den Rechten des Mittelalters differenziert be­handelt. Man unterschied zwischen Brandstiftung (Vorsatz) und “Feuerverwahrlosung” (Fahrlässigkeit). Bei der Brandstiftung war die Todesstrafe fällig.

Feuerwehr und Gemeinde      nach oben

Durch das “Organische Edikt über die Bildung von Gemeinden” von 1808 wird das Feuer­schutzwesen auf die Landgemeinden übertragen. In Ausübung dieser Verpflichtung bildeten sich in den einzelnen Gemeinden, so auch in Glonn, Pflichtfeuerwehren. Alle Männer zwi­schen 18 und 55 Jahren waren zur Hilfeleistung und wohl auch zu Übungen verpflichtet. Für die Gemeinde Glonn gab es eine “Lokallöschordnung”. In München war dies bereits 1370 der Fall.

Dass auch die Glonner Pflichtfeuerwehr schon ortspolitisches Thema war, beweist uns ein Aktenvorgang aus dem Jahre  1867 (Staatsarchiv). Es geht um den Bau eines Feuerwehr­gerätehauses mit 2 Einfahrten als Anbau zur Holzhütte des Schulhauses (heute etwa vor Friseur Schindler) (jetzt “Kleiderherz” – Anm.d.Archivs), sowie den Kauf einer Spritze. Gemeindediener Franz Angerer hatte für den 21.Juli 192 Gemeindebürger geladen. 130 sind erschienen. 93 der Anwesenden haben ihre Zustimmung per Unterschrift erklärt. Allein 25 Gegenstimmen kamen von den Leuten aus Frauenreuth und Mattenhofen. Das Bezirksamt bemängelte, der Beschluss sei ohne Angabe der Kosten gefasst. Die daraufhin neu anberaumte Versammlung fand am 31. Juli 1867 statt. Von 130 Erschienenen waren diesmal 105 dafür. Die 25 Gegenstimmen kamen wieder aus Frauenreuth und Mattenhofen mit dem Bemerken, sie brauchten keine Spritze. Beim zweiten Beschluß wird auch der Betrag genannt: 900 Gulden für die Spritze (Vor­anschlag der Fa. Kirchmaier, München) und 507 Gulden 50 Kreuzer für das Spritzenhaus. Die alte fahrbare Spritze, mit 300 Schuh Schlauch, die schon 1861 erwähnt ist und vermut­lich 1856 vom Glonner Bader Georg Mayr der Gemeinde gestiftet wurde, war als “Was­serzubringer” gedacht. Die Finanzierung sollte zur Hälfte aus dem Etat 1867 und zur Hälfte aus dem Folgejahr kommen.

 

Anlass für die geplante Investitionen war “jüngst” ein Brand in Münster, bei dem sich die “Glonner Feuerspritze als höchst mangelhaft bewährte”. Als Finanzierungsbasis für die Anschaffung wurde gegenüber dem Bezirksamt (Schreiben 24.5.1867) der 1859 eingeführte “Mehlaufschlag” angegeben, der mit 800 Gulden jährlich veranschlagt war. Die Genehmi­gung des Bezirksamtes als auch der Regierung erfolgte bereits am 9.6.1867. Unter anderem wurde ein neues Spritzenhaus zur Auflage gemacht.
Die Ablehnung aus Frauenreuth und Mattenhofen führte auf Antrag Obermüllers (Frauen­reuth) zu einer Vorladung bei der Regierung (Kammer des Innern). Josef Obermüller, Frau­enreuth, Josef Steinegger, Überloh und Peter Höller aus Mattenhofen sind am 26.10.1867 “erschienen”. Sie erklären: Der Posthalter (Wagner) und der Gemeindevorsteher (Bürger­meister Beham) hätten eine Spritze für 900 Gulden bestellt -ohne vorher die Zustimmung des “Ausschusses” einzuholen. Für sie als “Filialisten” habe die Spritze wenig Wert, weil sie von Glonn durch einen Wald getrennt seien, so daß man das Feuer (wohl das in Frauen­reuth) nicht sehen würde. Sie hätten lieber eine Handspritze für den äußersten Notfall vorgezogen, zumal ihr wasserarmer Ort die neue Spritze sowieso nicht speisen könne. Sie glauben auch, dass die erforderliche Zweidrittelmehrheit für den Kauf der Spritze durch Unterschriften in der Versammlung nicht zu bekommen war, sondern nachher in “Kneipen und Schnapsbuden” gesammelt wurden. Vorausgegangen war, daß der im September 1867 fällige Mehlaufschlag für eine Finanzierung der “Feuerangelegenheiten” von den “Filiali­sten” verweigert wurde. Eine erneute Gemeindeversammlung bestätigte dann wieder den bereits zweimal beschlossenen Kauf. Wahrscheinlich hatte der Einspruch aus Frauenreuth und Mattenhofen Erfolg, denn der Kauf einer zweiten Spritze ist erst für das Jahr 1870 nach­zuweisen.

Die Gründung der “Freiwilligen” -schwieriger Anfang                               nach oben

Die Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts waren „Gründerjahre” für die Freiwilligen Feu­erwehren. Allein im Bezirksamt Ebersberg wurden in diesem Jahrzehnt 23 freiwillige Weh­ren gegründet. Nur Grafing hatte bereits 1869 eine. Es stellt sich die Frage, warum diese Gründungswelle eingesetzt hat, obwohl es ja bereits in den einzelnen Gemeinden Pflicht­feuerwehren gab. Wahrscheinlich waren die Pflichtfeuerwehren als behördliches Instrument ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen. Ein Hintergrund liegt sicher auch in den veränder­ten Eigentumsstrukturen, die mit der “Bauernbefreiung” von 1848 eingeleitet wurden. Hinzu kommt, daß sich die Ackerbaumethoden verbessern. Das jeweils brachliegende Drittel der Dreifelderwirtschaft wird jetzt mit Klee bebaut und verbessert damit die Viehzucht, so dass über den Dung höhere Erträge und Vorräte möglich werden. Dies verlangt größere Gebäude und damit einen verbesserten Feuerschutz. Aber auch der Zeitgeist mag mitgewirkt haben. Das neue, wesentlich liberalere Gewerberecht von 1871, das durch die Gründung des Deut­schen Reiches auch in Bayern gilt, ermutigt zu Eigeninitiative.

Am 24.5.1872 schlägt dann die Geburtsstunde der Glonner freiwilligen Feuerwehr. Der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair berichtet uns, dass  am ersten Tage schon 21 Mann beigetreten sind. Im Laufe des Jahres sind es dann schon 94 Mitglieder. Zum Vorstand des neuen Vereines wird Apotheker Birzer (stammt aus Regensburg) gewählt. Aber auch eine einfache Standarte, die es heute noch gibt, wird angeschafft. Kommandant ist der Wirt und Posthalter Wolfgang Wagner sen.. Wahrscheinlich übt er dieses Amt auch schon vor 1872 aus. Selbstverständlich ist er auch Gründungsmitglied des neuen Vereines.

Während 1873 der Vorstand noch von einem regen Vereinsleben und großer Begeisterung berichten konnte, hatte der Verein bereits 1875 seinen ersten Tiefpunkt. Der Gemeinderat beschloss mit 6:1 seine Auflösung. Ein Grund ist nicht angegeben. Vielleicht hatte sich mit dem neuen Verein das Feuerlöschwesen zu sehr verselbstständigt, hatte doch vor 1872 die Gemeinde allein das Sagen. Der Verein konnte aber kraft eigener Statuten von der Ge­meinde nicht aufgelöst werden. Eine Vereinsversammlung wurde einberufen, die aber gegen die Auflösung stimmte. Birzer verläßt 1876 Glonn. Neuer Vorstand wird Bürgermeister Nikolaus Niedermair. Vielleicht war er die Stimme gegen die Auflösung des Vereines. 1877 übernimmt Kommandant Wagner den Vorstand. 1878 folgt ihm Lehrer Josef Hecht, der zugleich Gemeindeschreiber ist. 1880 wird Kommandant Wagner wieder Vorstand, diesmal für 22 Jahre -bis zu seinem Tod 1902. Ab 1875 ist er auch Mitglied des Bezirksfeuerwehr­ausschusses. Unter Wagners Vorstandschaft wird 1880 der Metzger Maier, 1884 der Käser Türk und 1889 sein Sohn Wolfgang Wagner jun. Kommandant. Letzterer bleibt es bis zu seinem Tod 1912.

Volle Anerkennung                                                                                                 nach oben

Es schaut so aus, als hätte sich die Glonner Freiwillige Feuerwehr erst ab 1880 voll eta­bliert. Zu diesem Zeitpunkt war aber auch die erste Investitionsphase, nämlich der Bau eines Feuerwehrgerätehauses (ca. 1877), der Umbau der Spritze ((800 Mark 1877), die Anschaffung eines Mannschaftswagens (418 Mark 1880) und die Anlagen der Wasserre­serven in Mattenhofen (1880), sowie in Haslach, Adling, Balkham und Frauenreuth (alle 1882), abgeschlossen. Sicher haben auch verschiedene erfolgreiche Einsätze der Wehr, so beim Brand in Reinsdorf (1873), und des Schlickenrieder-Hinterhauses (1873) zum guten Ruf beigetragen. Die Feuerwehr war eben auch ein Stück Sicherheit. Als Zeichen der An­erkennung darf auch gewertet werden, dass 1881 der 6. Bezirksfeuerwehrtag in Glonn abgehalten wurde.

Die Scanzonis auf Zinneberg waren nicht nur Förderer des Glonner Vereinswesens, sondern im speziellen auch der Glonner Feuerwehr. So spendete Friedrich-Wilhelm von Scanzoni von 1872 bis zu seinem Tode 1891 der Glonner Wehr jährlich 50 Mark. Nicht nur dies, er gründete für den Gemeindeteil Zinneberg eine eigene Feuerwehr und schaffte für sie auch eine Saug-und Druckspritze an. Dieses Gerät diente auch dem übrigen Gemeindeteilen, was von den Glonnern bei der Meldung ihrer Ausrüstung immer wieder angeführt wurde. Die Ebersberger Amtsleute ließen dies, wegen des langen Anfahrtsweges, allerdings nicht gelten und verlangten für Glonn 1887 den Kauf einer Saug-und Druckspritze für 1800 Mark. Die Gemeinde lehnt mit der Begründung, man müsse erst ein Gemeindekrankenhaus (6000 Mark) bauen, erfolgreich ab.

Das Glonner Löschwesen wurde von Ebersberg streng beaufsichtigt. So wurde 1885 ange­mahnt, daß in der Nähe der Kirche eine Reserve gebaut werden müsse. Diese wurde wegen der “zahlreichen Quellen” abgelehnt. Außer defekten Schlauchkupplungen wurde aber den Glonnern eine vorzügliche Ausrüstung bestätigt. Allerdings sollten die “Zugführer” für eine bessere Schulung sorgen. Schlecht weg kam die Pflichtfeuerwehr, die es immer noch gab und dem Kommando der “Freiwilligen” unterstellt war. Laut Schreiben scheinen sie keinen Begriff von Zucht und Ordnung zu haben. Künftig müssen sie, wohl um sie von den “Frei­willigen” unterscheiden zu können, Armbinden tragen. Diese “Pflichtfeuerwehrler” scheinen nicht immer zur Freude der Kommandanten gewirkt zu haben. Ihr Erscheinen bei Übungen, deren jährlich sechs -an Sonn- und Feiertagen- vorgeschrieben sind, wurde anscheinend polizeilich überwacht, denn 1887 meldet der Glonner Gendarm Amslinger namentlich 4 Personen, wegen Nichterscheinens zur Übung, an das königliche Bezirksamt in Ebersberg. Es handelte sich um Dienstknechte, die wohl kein allzu großes Interesse an der Rettung von Hab und Gut aufbringen konnten.

Feuerwehrarbeit war gefährlich. Der Bezirksverband hatte deshalb eine Sterbekasse gegrün­det. Von den über 40 Feuerwehren im Bezirk waren allerdings nur acht Mitglied. Die Glon­ner waren dabei. Auch eine Landesunterstützungskasse gab es. Der Glonner “Steiger” Leo­pold Ostermaier erhielt daraus   1892 17 Mark. Auch “Erste Hilfe” wurde berücksichtigt. So wurden 1892 vom Bezirk an 15 Wehren Sanitätstaschen verteilt. Haggenmüller merkt an, daß die “Sanitätsmänner” nicht von Ärzten ausgebildet sind. Es gebe aber in den Märk­ten und größeren Orten meistens geprüfte Bader und ehemalige Lazarettgehilfen, die die Sanitätsbetreuung übernehmen könnten.

Auch die 90-Jahre waren gekennzeichnet von der Forderung nach einer neuen Spritze, zumal das alte Glonner Gerät immer wieder Anlass zu Beschwerden gab. So beim Brand des Weberanwesens in Mattenhofen (1892) durch den Bezirksfeuerwehrvorsteher Haggen­müller. Die Glonner antworteten: Entweder sei der Saugschlauch nicht ganz unter Wasser gewesen, oder es sei ein Stein ins Ventil geraten. Ihre Spritze funktioniere gut und sei, was die Wasserförderung anbelangt, von keiner anderen “Landspritze” übertroffen. Man könne die Leistungsfähigkeit ihrer Spritze beim nächsten Bezirksfeuerwehrtag in Glonn (1892) ja begutachten. Jener Feuerwehrtag, der mit einer Großübung verbunden war, wurde auch anlässlich des 20-jährigen Gründungsjubiläums der Glonner Wehr in Glonn abgehalten.

Eine neue Fahne                                                                                                  nach oben

Beim  25-jährigen Gründungsjahr 1897 konnte von der Bezirksfeuerwehrprominenz immer noch die gleiche Spritze “bewundert”.  werden. Für die Glonner Wehr war es ein großes Jahr. Bereits im April des Jahres trat in der Post unter dem Namen “Musikbündler” eine “Vereinigung von Berufsmusikern und Dilledanten” auf, die ihre Kunst in den Dienst der Humanität stellten, “zum Besten der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr”. So stand es in der Zeitung. Es dürfte sich um die Glonner Musikkapelle Faßrainer sowie einem Glonner Män­nerchor gehandelt haben. Das Jubiläum mit Fahnenweihe fand dann am 29.8.1897 statt. Es gab Ehrendiplome für 25-jährige und 15-jährige Dienstzeiten. Die neue Fahne wurde von Frl. Anna Obermaier, Kaufmannstochter aus Glonn, für einen Preis von 335 Mark “kunst­voll” hergestellt. Neben dem Patenverein aus Grafing waren noch weitere 34 Vereine anwe­send. Ein Höhepunkt des Jubeljahres war sicher der Beschluss des Gemeinderates für 1898 eine neue Saug- und Druckspritze zum Preis von 1875 Mark für die Glonner Wehr -und je eine für 1175 Mark für die Gemeindeteile Schlacht und Frauenreuth zu kaufen. Dies war die Geburtsstunde der Feuerwehren in Schlacht und Frauenreuth.

Im Jahre 1901 wurde aus Glonn Markt Glonn. Für dieses Jahr kann Kommandant Wagner nach Ebersberg einen Bestand von 144 Freiwilligen- und 104 Pflichtfeuerwehrmännern melden. Es wird auch die Ausrüstung gemeldet. Vier Signalhörner gehören dazu. Für die Pflichtfeuerwehrler hat die angegebene Ausrüstung sicher nicht gereicht. Es wird also bei den Armbinden geblieben sein. Ihre wesentliche Tätigkeit bei Bränden wird nach wie vor darin bestanden haben die Handspritzen zu “betreiben” -und das bei fliegendem Wechsel. Ein Jahr vorher baut die Gemeinde das neue Feuerwehrhaus mit Fuhrwerkswaage in der Nähe der heutigen Forellenapotheke. 1902 verstirbt 68-jährig der Vorstand Wolfgang Wag­ner sen.. Neben seinen Aufgaben als Mitglied des Bayerischen Landtages und des Deut­schen Reichstages sowie den sonstigen zahlreichen Ämtern, hatte er immer noch Zeit für “seine” Feuerwehr, der er seit Gründung angehörte.

Ende der Posthalterära                                                                                        nach oben

1902 übernimmt Wolfgang Wagner jun., der wie sein Vater Mitglied des Landtages werden wird, zum Kommandanten auch den Vorstand. Er wird für die “Hauptübung” anlässlich des Bezirksfeuerwehrtages am 29.6.1903 mit Verantwortung tragen. 1908 ist wieder Bezirks­feuerwehrtag in Glonn. In seiner Dienstzeit wird 1908 eine Drehleiter für 1200 Mark an­geschafft. Für 1909 werden für die Gemeinde Glonn 179 und für Frauenreuth 39 Feuer­wehrmänner gemeldet. Glonn hat damit im Bezirk die höchste Mannschaftszahl, obwohl es einwohnermäßig nur an zweiter Stelle liegt. Wahrscheinlich ist es auch Wagner jun., der den jährlichen Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder am Florianstag (4. Mai) eingeführt hat. Pfarrer Niedermair schreibt 1909, dass kein Verein so lebhaften Anteil am Wohl und Wehe des Nächsten nimmt wie die Feuerwehr.

1912 verstirbt, erst 47-jährig, Wolfgang Wagner jun.. Das Amt des Vorstandes und des Kommandanten wird wieder getrennt. Der neue Kommandant heißt Simon Maier und ist Hausmeister im Gasthof zur Post. Er versieht dieses Amt bis zu seinem Tod 1926. Vor­stand wird Franz-Sales Maier, seines Zeichens Schuhmachermeister und Geschäftsinhaber. Er wird bis 1934 Vorstand sein. Beide haben die Folgen des 1. Weltkrieges zu bewältigen. Der Feuerwehrbetrieb muß aufrechterhalten werden, obwohl viele Mitglieder im Felde sind. Zwar ist anzunehmen, dass während des Krieges die Glonner nicht in die Landeshaupt­stadt zu Einsätzen mussten, aber auch in der Gemeinde sind vier größere Brände zu ver­zeichnen. Ein Aufruf des Bayerischen Landesfeuerwehrausschusses vom März 1915, in dem um Metallspenden für Rüstungszwecke gebeten wird, kennzeichnet die Lage. Vielleicht wurden auch Glonner “Museumsstücke” dem Vaterland geopfert.

Alban Huber (*1905), Zweiter Steiger bei der Glonner Wehr, erinnert sich noch an den Brand beim Bauern in Mattenhofen 1923. Damals wurde aus dem Löschweiher noch mit der “Hand” gepumpt. 1927 wurde aber die erste Motorfeuerspritze (Fabrikat Kögel -Mün­chen) für 7075.50 Mark angeschafft. Hinzu kamen neue Schläuche für 2162 Mark. Zu diesem Zeitpunkt war bereits Baumeister Landtaler (ab 1926) Kommandant. Weil natürlich eine Motorspritze, die mit Sicherheit einen größeren Umkreis zu versorgen hatte, hinter ein Pferdegespann nicht mehr passte, wurde dann 1929 “zur Beförderung der Motorspritze” ein Auto gekauft. 2000 Mark hat es gekostet. 1932 wurde die neue Gemeindewasserleitung mit  4 Hydranten gebaut, so dass man dann beim Bezirksfeuerwehrtag am 5.5.1932 auch etwas vorzeigen konnte.

Zwischen Frieden und Krieg                                                                             nach oben

Im Dienstbuch des Bezirksfeuerwehrverbandes Ebersberg heißt es 1932 für Glonn: Neuer Kommandant Gröbmayr Josef. Er wird dieses Amt bis 1947 innehaben. Seine Ära umfasst das wohl schwierigste Kapitel der Glonner Feuerwehrgeschichte. Protokolle sind ab dem Jahre 1934 vorhanden. Schriftführer Aichlmayr (Lehrer) berichtet, dass sich die Glonner Wehr “ohne Schwierigkeiten ins Dritte Reich eingliedern konnte”. Mit dieser Feststellung ist eigentlich schon umschrieben, was kommen werde. Die Selbstverwaltung der “freiwil­ligen” Feuerwehr wird unter dem Druck der Machthaber immer mehr eingeschränkt. Vor­stand Franz-Sales Maier zieht sich zurück und wird zum Ehrenvorstand gewählt. Sein Nachfolger wird der Vereinskassier Florian Lechner; er tritt nach einem Jahr “wegen Ar­beitsüberlastung” zurück und wird Ehrenmitglied. Die Zugführer Ludwig Kirmair und An­dreas Neuwirth bitten um Entlassung aus dem Dienst. “Eine größere Zahl Feuerwehrpflich­tiger”, so das Protokoll, komme ihrer Pflicht nicht nach. Der Bürgermeister wird ersucht eine “öffentliche Aufforderung” zu erlassen.  Es muß weitergehen: Zum neuen Vorstand wird in geheimer Wahl Kommandant Josef Gröbmayr gewählt.
Schon 1935 muß in einer Verwaltungsratsitzung festgestellt werden, dass die “Feuerwehr­vereine als solche wohl nicht mehr allzu lange bestehen werden”. Eine Überführung in “frei­willige Feuerwehrtruppen”, die von der Gemeinde unterhalten werden müssen, werde be­vorstehen. Die Anschaffung eines Mannschaftsautos, das auch zum Transport der Leiter gebraucht werde, wird angekündigt. Es wird ein “Horch” sein, der bis nach dem Krieg seinen Dienst tut. Die Dienstanzüge haben künftig blau zu sein und die weiß-blauen Kokar­den müssen von den Dienstmützen abgenommen werden. Bei der Sitzung am 17.12.1937 sind auch die “Dienstgrade” aus Frauenreuth und Schlacht anwesend. Ihnen wird mitgeteilt, daß ihre Feuerwehren künftig wieder mit der Glonner Wehr vereinigt sind. Die Vorstand­schaften dieser Wehren verlieren damit ihre Ämter. Nur die Kommandanten werden als Abteilungsleiter weiter fungieren. Die Fahnen dürfen in Frauenreuth und Schlacht bleiben. Bei dieser Sitzung gibt es auch einen erfreulichen beschloss: Bei auswärtigen Begräbnissen von Mitgliedern erhält die Abordnung pro Mann 1 Liter Freibier.

Ab 1936 werden die Jahreshauptversammlungen Generalappelle oder Jahresappelle ge­nannt. In einer Sitzung wird festgestellt, dass SA-Männer für den Feuerwehrdienst nicht in Frage kommen, sie würden zur Brandwache gebraucht. Weiter wird beschlossen, dass nach den Übungen die Kameradschaft zu pflegen ist, “hierbei kann ab und zu Freibier verab­reicht werden”. Ab 1936 ist dann auch monatlich eine Übung protokolliert -im Winter in Form eines Unterrichtes. Weiter heißt es: Die Kameraden haben für das Winterhilfswerk 27 Mark gespendet und in Zukunft habe eine Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr und der Glonner Sanitätskolonne stattzufinden. Der Feuerwehrball, der schon viele Jahre vorher nachzuweisen ist, wird bei einem Eintritt von 70 Pfennigen wieder abgehalten.

 

Anfang 1937 wird über einen Mitgliederstand von 146 Aktiven und 202 Passiven berichtet. Am 26.3.1938 gab es dann einen Großbrand auf Schloss Zinneberg. Es brannten der West- und Südwestflügel. Neben den Löscharbeiten waren die Klosterinsassen und die 200 “Zög­linge” in Sicherheit zu bringen. Erst ein “Halblöschzug” der Berufsfeuerwehr München konnte den Brand unter Kontrolle bringen. Vorher waren schon sieben Feuerwehren “aus dem südlichen Bezirk” unter Bezirksbrandinspektor Ignaz Fuchs im Einsatz. Die Glonner und die Herrmannsdorfer Wehr hatten schwere Arbeit zu leisten. Weiter heißt es in der Zeitung von damals, dass zur Brandursache keine Feststellungen gemacht werden können. Im August des gleichen Jahres brannte es auch beim “Bruckmaier” in Mattenhofen. BBI Fuchs zollte der Glonner Wehr für beide Einsätze hohes Lob und zählt die Glonner zu den am besten ausgestatteten Wehren.

Vorbereitung und Krieg                                                                                   nach oben

Das Reichsgesetz für das Feuerlöschwesen vom 23.11.1938 brachte dann die Feuerwehr­organisationen in enge Beziehung zum Polizei- und zum polizeilichen Hilfsdienst. Ziel war das “Führerprinzip”. Damit sollte für den Luftschutz eine schlagkräftige Feuerwehrorganisa­tion entstehen. Inzwischen wurde die Feuerwehr auch mit Stahlhelmen ausgerüstet. Auch im Februar 1939 fand wieder ein Feuerwehrball statt. Beim Kreisfeuerwehrappel in Grafing belegte Glonn zusammen mit Markt Schwaben den Ersten Platz.

Von Januar 1939 bis Februar 1942 schweigen die Protokolle. Für diesen Zeitraum ist zu berichten, dass viele Feuerwehrmänner in den Krieg ziehen mussten, 1941 waren 24 Mann eingerückt. Auch Kommandant Gröbmayr ist in den ersten Kriegsjahren Soldat. Die ver­mutlich 1939 auf dem Rathaus neu montierte Luftschutzsirene ist das unüberhörbare Zei­chen, wie ernst die Lage war. Beim Appell vom Februar 1941 wird berichtet, dass die Feuerwehr auf “ältere Jahrgänge” zurückgreifen müsse und dass, nach Möglichkeit auch die jungen heranzuziehen sind. Weiter heißt es: Die Feuerwehrmänner haben sich bei Flieger­angriffen am Feuerwehrhaus zu sammeln.

Und wieder schweigt das Glonner Protokoll bis 1947. Was in den Kriegstagen passiert ist, davon ist in einem Bericht der Kreisbrandinspektion zu lesen. Demnach wurden Kreisfeuer­wehren erstmals im Dezember 1942 zum Luftangriff nach München beordert. Zum Einsatz kam man nicht, aber man sammelte “wertvolle Erfahrungen für künftige Fälle”, so ist es niedergeschrieben. Diese “Erfahrungen” wurden noch notwendig gebraucht, denn im Sep­tember 1943 musste man mit rund 200 Mann Einsatz in München leisten.   Nächster Einsatz war dann im Oktober 1943. 15 Kreisfeuerwehren mussten mit 140 Mann zwei Tage in Mün­chen etwa 50 Brände bekämpfen. Für 1944 sind dann wieder mehrere Einsätze dokumen­tiert. Im April waren 150 Mann in München, die 7000 Einsatzstunden leisteten, um an 78 Brandstellen ihren Dienst zu tun. Der Luftangriff vom 11. – 15. Juli 1944 verlangte laut Bericht wegen der zahlreichen “Zeitzünder” die größten Anforderungen. Dabei kamen zwei Glonner ums Leben und zwei wurden schwer verletzt. Darüber im nächsten Absatz mehr. Ende Juli 1944 war dann ein weiterer Zweitageseinsatz in München zu bestehen. In der Folgezeit kam es dann immer wieder zu solchen Einsätzen.

Zwei Tote und zwei Schwerverletzte aus Glonn                                        nach oben

Der Einsatz wurde durch einen Fliegerangriff auf München ausgelöst. Vermutlich am Abend des 12. Juli 1944 wurde die Glonner Wehr  alarmiert. Mit der bei solchen Ein­sätzen üblichen Mannschaftsstärke von 7 – 8 Mann fuhr man mit dem “Horch” und an­gehängter Motorspritze nach München. Den Einsatz leitete diesmal der stellvertretende Kommandant Adolf Ege. Gröbmayr und Ege teilten sich die Einsätze in München auf. In Ramersdorf wurde der genaue Einsatzort mitgeteilt. Diesmal war er in Schwabing. Nach erfolgtem Einsatz fuhren die Glonner am Englischen Garten entlang über die Königinstrasse zurück und bekamen dort einen erneuten Einsatzbefehl. Hier geschah dann das große Un­glück.

 

Wie das Unglück vom 13. Juli geschah, kann nicht mehr genau rekonstruiert werden. Der noch vorliegenden Grabrede des Glonner Pfarrers, des Geistlichen Rates Otto Boxhorn, ist zu entnehmen, daß der 39-jährige, ledige Fritz Gruber von einem Bombensplitter getroffen wurde und nach einer halben Stunde verstarb. Gruber war Gastwirt und Metzger des Gast­hauses zur Post in Glonn und hatte vor einem Jahr das Geschäft wegen des Todes seiner Mutter übernommen. Er war vom Kriegseinsatz auf Heimaturlaub und wäre zum Feuer­wehreinsatz nicht verpflichtet gewesen.

Das zweite Todesopfer dieses Einsatzes hatte der 35-jährige, ledige Schmiedemeister Hans Obermair aus Frauenreuth zu bringen. Wie sein Neffe Alfons Gartner berichtet, wurde er in der Königinstrasse von einer einstürzenden Mauer am Kopf getroffen und schwerverletzt in die Chirurgische Klinik an der Nußbaumstrasse eingeliefert, wo er tags darauf verstarb.  Wie der Neffe weiter berichtet, konnte Hans Obermair von ihm erst identifiziert werden, weil er an der Hand eine Wunde sah, die sich der Onkel bei der Arbeit in der Schmiede zugezogen hatte. Die Beerdigung des Obermair in Frauenreuth war ein weiteres Exempel dieses grausamen Krieges. Sie wurde durch zahlreiche Fliegerangriffe immer wieder unter­brochen.

Franz Winhart aus Ursprung verlor bei diesem Einsatz ein Bein. Wie sein Bruder Hans berichtet, lag er hinter einer Mauer und wurde ins Luftwaffenlazarett nach Unterföhring eingeliefert. Auch er war auf Heimaturlaub und ging für seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Hans freiwillig in diesen Einsatz. Franz Winhart hat in Bad Aibling das Bäckerhandwerk erlernt und konnte nach dem Krieg die Bäckerei seines Lehrmeisters übernehmen. Eine schwere Verletzung hatte sich auch der 42-jährige Sebastian Winhart, Lehnerbauer aus Balkham, zugezogen. An seiner Knieverletzung hatte er Zeit seines Lebens zu leiden.

Kriegsende und Neuanfang                                                                            nach oben

Die Amerikaner sind am 1.5.45 in Glonn “einmarschiert”. Im KBI-Bericht heißt es, dass für die Feuerwehren “eine längere Zeit völliger Ruhe” eingetreten sei. “Von den in München lagernden Motorspritzen der Partei” konnten so viele sichergestellt werden, “dass jede Feuer­wehr des Landkreises mit einer Motorspritze versorgt werden konnte”. So erhielt auch die damals neugegründete Feuerwehr Mattenhofen-Haslach eine. Die Hauptsorgen des Jahres 1945 waren die Zuteilung von Treibstoffen für die Motorspritzen, aber auch die “Plünde­rungen” durch die aus Feuerwehrhäusern Benzin und sogar Motorspritzenanhänger entwen­det wurden, so der damalige KBI.

Kommandant Josef Gröbmayr wurde 1947 von den Amerikanern als solcher abgesetzt. Man glaubte wegen seines Feuerwehrpostens, er sei Parteimitglied, obwohl dies nicht stimmte. Die von der “Militärregierung genehmigte” Versammlung vom 9.2.1947, bei der Bürger­meister Eichmaier dem scheidenden Kommandanten ausdrücklich dankte, wählte Lorenz Stadler zum Kommandanten und Vorstand. Bei dieser Versammlung gedachte man auch der im Kriege gefallenen 42 “Aktiven”. Das nachher einsetzende “Entnazifizierungsverfahren” gegen Gröbmayr hat seine Nichtmitgliedschaft bestätigt. 1949 wollte man ihn dann wieder zum Kommandanten haben, doch er lehnte ab.
Vermutlich hatte mit Ende des Krieges auch der aus dem Jahre 1935 stammende Mann­schaftswagen Marke “Horch” ausgedient, denn im Mai 1947 bekam Zimmermeister Gröb­mayr aus “herrenlosen Beständen” zum Preis von 250 Reichsmark einen Opel-LKW “zu­geteilt”. Auflage war, dass er auch der Feuerwehr zur Verfügung stehen musste, feuerwehr­mäßig ausgerüstet und im Feuerwehrhaus untergebracht war.

4.1.1948: Die Feuerwehren in Frauenreuth und Schlacht sind inzwischen wieder selbst­ständig. Laut Kassenbuch der Glonner erhalten sie ein Startkapital von je 200 Mark. So auch die Mattenhofener Wehr.  Dem Zeitpunkt nach allerdings in alter Währung. Wegen “zeitbedingter Schwierigkeiten”, die wohl darin bestanden, dass im Postsaal Heimatver­triebene untergebracht waren, kann kein Faschingsball abgehalten  werden. Feueralarm wird neben der Sirene (ausgediente Luftschutzsirene), auch wieder mit den Kirchenglocken gegeben – für Brände innerhalb der Gemeinde drei Glocken; für außerhalb zwei. Im Januar 1949 wird Josef Gröbmayr zum Ehrenvorstand, Adolf Ege und Franz Winhart zu Ehrenmit­gliedern ernannt. Das Engagement der Geehrten wird der “Gleichgültigkeit gegenüber dem Feuerwehrdienst” gegenübergestellt. Es wird die Einführung einer Pflichtfeuerwehr be­schlossen. Die Versammlung ist mit der Einhebung von 2% der Grundsteuer als Beitrag für die Feuerwehren einverstanden. Diese Finanzierung hat noch bis zum Jahre 1973 mit einer kleinen Veränderung Gültigkeit.

Ab 1949 ist wieder ein Feuerwehrball möglich. Der Übungsbesuch scheint immer noch nicht zufriedenstellend, deshalb werden bei Nichterscheinen Strafgelder festgesetzt. Für 30 Mark pro Jahr kann man sich allerdings vom Feuerwehrdienst “loskaufen”. Diese Maß­nahmen scheinen nicht zu greifen. Für den 29.9.49 werden “16 Feuerwehrpflichtige” zu einer “Aussprache” ins Rathaus vorgeladen. Die “Streikgründe” werden nicht anerkannt. Josef Winhart wird aber als Kommandant „der zu gründenden Jugendfeuerwehr ernannt”. Das “Übergabeprotokoll” vom 1.10.49 weist dann allerdings Josef Winhart als Komman­dant aus. Als Vorstand zeichnet noch Lorenz Stadler. 1950 wird der bisherige 2. Vorstand Hans Wagner zum Ersten gewählt.
Im gleichen Jahr stiftet Prof. Lebsche 2600 Mark für den Einbau einer Waschküche ins Feuerwehrhaus. Vermutlich war hier weniger an die Feuerwehr gedacht als an zahlreiche Ortsbewohner, die damit nicht mehr in ihren viel zu kleinen Wohnungen waschen mussten. 1950 wurde aber auch ein “Opel-Blitz” angeschafft. Es war ein Lastwagen, der dann in der Werkstatt des Wagner-Marin von den Feuerwehrlern zum Feuerwehrauto umgebaut wurde.

Es wird wieder gefeiert                                                                                      nach oben

Während der 75. Jahrestag der Gründung im Jahre 1947 im Nachkriegstrubel nicht gefeiert, oder gar vergessen wurde, feierte man 1952 den Achtzigsten. Dem Vernehmen nach, Unter­lagen konnten hierüber nicht eingesehen werden, lässt Prof. Dr. Lebsche die Standarte von 1897 renovieren. Das Jubiläum begann mit einem Festabend in der Post. Der Männerchor und die Kapelle Ludwig Mayer gaben für das Totengedanken, die zahlreichen Ansprachen und Ehrungen den würdigen Rahmen. Am Sonntag wurde dann mit den umliegenden Ver­einen ein Dankgottesdienst gefeiert und eine Schauübung abgehalten. Ein Jahr später konnte mit dem Kauf von zwei Schaumlöschern und der Neueinrichtung des Feuerwehrhauses die Ausrüstung der Wehr verbessert werden. Für die Wehrmänner wurde angeregt, dass alljähr­lich ein kleiner Ausflug stattfindet. Diese Ausflüge, die mit einem Bus durchgeführt wur­den, sind heute noch in bester Erinnerung.
Wenn auch 1953 vom Bürgermeister noch festgestellt werden konnte, dass von der Einführung einer Pflichtfeuerwehr “keine Rede mehr sein kann”, so beklagt sich Kommandant Winhart 1954, dass mit 27 Wehrmännern die Schlagkraft der Feuerwehr nicht gewährleistet sei. Auch 1956 sind Worte des Bedauerns über “die Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung – vor allem der jungen Bevölkerung” festzustellen. Für die Zeit ist es bezeichnend, wenn KBI Fuchs auf die Feuersgefahren durch schadhafte Kamine, Sägemehlöfen und Kartoffeldämp­fer hinweist.

1959 scheint es wieder eine Führungskrise zu geben. Vorstand und Kommandant lehnten eine Neuwahl ab. KBI Fuchs beauftragt den stellv. Kommandanten Josef Gröbmayr jun. vorläufig die Leitung der Wehr zu übernehmen. Landrat Streibl selbst setzt für Neuwahlen den Termin 15. Mai 1959 fest. Am 11. Mai kann Bürgermeister Eichmaier melden, dass alles beim Alten bleibt; Josef Winhart wurde wieder für eine Periode gewählt. Die Ablöse er­folgte dann allerdings schon 1961 durch Nikolaus Niedermair als Kommandant. Ein Jahr vorher macht der Landkreis die Glonner zu einer Stützpunktfeuerwehr und stellt ein Tank­löschfahrzeug (TLF 16, Baujahr 1957) zur Verfügung. 1964 wurde der Fuhrpark um ein Löschgruppenfahrzeug mit TG 8-Spritze (30000.- Mark) erweitert.

Mit dem 89. Kreisfeuerwehrtag, der in Glonn 1965 stattfand, konnte dann auch das 90-jährige Gründungsfest begangen werden. Wenn es auch mit dreijähriger Verspätung statt­fand, so war es doch ein großes Fest. 42 Feuerwehren aus dem Landkreis haben mitgefei­ert. Hinzu kamen Feuerwehrgäste aus Salzburg. Selbstverständlich gab es einen Kirchenzug, einen Festgottesdienst, einen Festzug, zahlreiche Ehrungen und eine Schauübung. Bürger­meister Decker gab eine Darstellung der 90-jährigen Geschichte der Glonner Wehr. Ein Jahr später sind dann die ersten Leistungsprüfungen erwähnt. 1968 wurde Sebastian Win­hart in Anerkennung seines Einsatzes in München 1944, bei dem er schwer verletzt wurde, zum Ehrenmitglied ernannt. Im gleichen Jahr mussten ihm die Feurwehrkameraden noch das Totengeleit geben.
Am 31.10.1972 wurde Max Gröbmayr zum Vorstand gewählt. Kurz darauf, am 3.12., feier­te die Feuerwehr ihr 100. Gründungsjahr. Die Feuerwehren aus der Gemeinde und die Ortsvereine, der Grafinger Patenverein  und die Feuerwehrprominenz des Landkreises ga­ben den Glonnern die Ehre. Kirchenzug, Totenehrung und Festgottesdienst gehörten dazu. Der 1.1.1974 brachte den Gemeinden für die Feuerwehraufgaben eine neue Steuer: Die Feuerschutzabgabe. Die Einnahme des Feuerwehrvereines in Form eines Grundsteuerantei­les, den der jeweilige Kassier einzukassieren hatte, hatte damit keine Berechtigung mehr. Damit aber die Gemeindefeuerwehren nicht wegen jeder Mark an die Gemeinde einen Antrag stellen mußten, wurde deshalb über einen pauschalen Anteil an der Feuerschutz­abgabe verhandelt. Bürgermeister Singer war großzügig und so wurde der Glonner Wehr jährlich 2000 Mark und den anderen drei Wehren in der Gemeinde jeweils 500 Mark zu­gesagt. In 1974 findet für die Feuerwehr ein “Erste-Hilfe-Kurs” mit zwei Gruppen statt.

Das große Unglück                                                                                                   nach oben

Der 1. August 1976 war für die Glonner Feuerwehr ein Schicksalstag. Lassen wir hier das Protokoll sprechen: “Folgenschwerer Unfall der Feuerwehr Glonn mit dem Tanklöschfahr­zeug auf der Rückfahrt von Baiern nach Glonn. Bei der Kurve nach der Abzweigung nach Berganger, kam das Fahrzeug von der Fahrbahn ab, überschlug sich und wurde total zer­trümmert. Sechs Feuerwehrleute wurden zum Teil schwer verletzt, einer -Hans Wagner (Huberwirt)- ist querschnittgelähmt”. Das kreiseigene Unglücksfahrzeug hatte 34000 km auf dem “Buckel” und war 19 Jahre alt, also den Verkehrsverhältnissen nicht mehr ganz ge­wachsen. Man sagte damals, dass Fahrzeuge dieses Typs bei Berufsfeuerwehren nur mehr zum “Blumengießen” eingesetzt seien. Die “Unglückskurve”, die einer ganzen Reihe von Fahrzeugen zum Verhängnis wurde, wurde vom Landkreis “entschärft”.

Die sechs Verletzten konnten wieder ganz hergestellt werden, während für den jungen Metzgermeister Hans Wagner ein neues Leben beginnen musste. Hier wieder ein Auszug aus dem Protokoll: “Spontan erklärte sich die Feuerwehr bereit dem Wagner Hans eine Wohnung in der ehemaligen Gaststube einzurichten. Es wurde ein Darlehen aufgenommen und der Bürgermeister bat die Bürger in einem Aufruf um freiwillige Spenden. In gemein­samer Arbeit wurde die Wohnung fertiggestellt”. Diese Tat der Glonner Wehr war eine Meisterleistung an Kameradschaft. Das Darlehen mit rund 10.000 Mark, war durch Spenden schnell getilgt. Dass die Glonner Feuerwehr bei allem Unglück auch den Dank nicht vergisst, ist wieder dem Protokoll zu entnehmen: “4. Dezember 1976. Mit zwei Bussen fuhr die Feuerwehr nach Tuntenhausen. Prof. Denk feierte einen Dankgottesdienst. In einer beweg­ten Ansprache führte Dekan Schneider aus, die Wege Gottes seien unerforschlich. Nach dem Gottesdienst fuhren wir nach Glonn ins Gasthaus Glonntal zur Brotzeit”. Im Andenken an dieses Unglück hält die Feuerwehr seit 1978 jährlich eine Maiandacht in Frauenreuth, die seither der Männerchor des Chor- und Orchestervereines musikalisch umrahmt. Aber auch die Einkehr nach der Maiandacht wurde zur Tradition.  Etwas später hat sich der Maiandacht auch das “Werkvolk” angeschlossen.

Glonn blieb Stützpunktfeuerwehr. Statt des verunglückten Fahrzeugs wurde am 6.11.77 von Landrat Streibl ein neues Fahrzeug übergeben und von Dekan Schneider geweiht. Komman­dant Nikolaus Niedermair, selbst einer der Verletzten vom 1.8.76, stand 1977 für eine Wie­derwahl nicht mehr zur Verfügung. Zum Nachfolger wurde Konditormeister Franz Schwai­ger gewählt. Der Zweitagesausflug im Jahre 1979 nach Südtirol bleibt sicher unvergessen. Unvergessen wird für den Schlachter Kommandanten auch der 13. Juli 79 bleiben, als er nach alter Sitte “scheitelknieend” die Glonner um die Übernahme des Patenamtes für Jubi­läum und Standartenweihe zu bitten hatte. Dieser Bitte wurde natürlich entsprochen.

Ein neues Haus                                                                                                 nach oben

Das 1900 erbaute Feuerwehrhaus entsprach schon lange nicht mehr den Anforderungen. Von der Gemeinde aus wurde für das neue Haus der Platz nördlich der Klosterschule ange­boten. Die Feuerwehr war von diesem Standort wegen der Beengtheit und wegen der schwierigen Straßenverhältnisse nicht begeistert. Andere Standorte konnten allerdings nicht realisiert werden, so dass für das von Architekt Behmer aus Grafing geplante Haus am 9.6.1980 der “Erste Spatenstich” erfolgte. Ein Jahr später war dann Richtfest und wieder ein Jahr später, am 17.7.82 die Einweihung des 1.8 Millionen teuren Hauses. Das neue Feuer­wehrhaus wurde schnell auch zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Wehr. Nicht nur mit viel Liebe, sondern auch mit vielen Arbeitsstunden, wurde das “Floriansstüberl” von der Feuerwehr selbst eingerichtet. Die seit einigen Jahren  alljährlich stattfindenden Nikolaus­feiern können ab jetzt im eigenen Raum abgehalten werden.

Das Rechtsleben wird auch bei Vereinen immer komplizierter. Deshalb geben sich viele eine Satzung und werden eingetragener Verein. So entwirft der Vorstand auch für die Feu­erwehr eine Satzung, die in der Jahresversammlung im März 1980 einstimmig angenommen wird. Die folgende Eintragung im Vereinsregister bringt den Vereinsstatus. 1984 muß diese Satzung geändert werden, weil nach dem neuen Feuerwehrgesetz die Kommandanten künf­tig von der Gemeinde zu bestellen sind und nicht mehr vom Verein.

Die Aufgaben der Feuerwehr werden vielschichtiger. Besonders die Unfälle im Straßen­verkehr erfordern immer mehr Einsätze. Es gilt das Leben im Auto Eingeklemmter zu retten. Deshalb wird eine “Rettungsschere” mit Notstromaggregat für 23000 Mark ange­schafft. Aber auch die Gebäude werden immer höher. Die Brandbekämpfung und Rettung damit immer schwieriger. Ein Drehleiterfahrzeug wird schon lange gefordert. Für ein neues reichen die Mittel nicht. Also kauft man von der Berufsfeuerwehr in Köln eine gebrauchte Magirus-Drehleiter für 18000 Mark. Dieses Fahrzeug wird von der Wehr in vielen Arbeits­stunden restauriert und bleibt so für viele Jahre funktionsfähig.

Die Jugendarbeit in den Feuerwehren wird ausgebaut. Mit 1.1.82 wird der Glonner Technik- und Jugendwart Gerhard Bullinger zum Kreisjugendwart bestellt. Im gleichen Jahr berichtete die Ebersberger Zeitung, dass die Glonner Wehr die stärkste Jugendgruppe aller Feuerwehren im Landkreis hat. Dies hat bestimmt auch damit zu tun, dass Bullinger Glon­ner ist. Zusammen mit der Glonner Wehr organisiert er das dritte Sportfest der Landkreis­feuerwehren Ende Juli 82 in Glonn. Beim Staffellauf machen die Glonner den 1. und den 2. Preis. Vier Wochen später lädt die Feuerwehr zu ihrem ersten Bürgerfest ein. Es kommt gut an und wird auch die weiteren Jahre abgehalten.

Das Hagelunwetter im Landkreisnorden im Sommer des Jahres 1984 verpflichtet auch die Glonner Wehr zu tagelangen Einsätzen. Ein Jahr später wird das Löschgruppenfahrzeug von 1965 außer Dienst gestellt. Ein neues wird für 200.000 Mark angeschafft. Dieses Jahr ist auch ein Trauerjahr. Markus Holzbauer, der durch einen Stromunfall ums Leben kam, Hans Wagner sen., ehemals Vorstand, Lorenz Stadler und Josef Winhart, ehemals Kom­mandanten, sowie das beim Einsatz in München 1944 schwerverunglückte Ehrenmitglied Franz Winhart aus Bad Aibling, musste das letzte Geleit gegeben werden.

Dass immer mehr Feuerwehrler Brot außerhalb der Gemeinde verdienen müssen, führt 1986 zur Umbesetzung der Gruppen. Eine wird so besetzt, dass Gruppenführer und Gruppe auch Werktags zuhause sind. Das 87er Jahr beginnt dann mit einem Skiausflug und einem mäßig besuchten Feuerwehrball. Dies war allerdings der letzte. Das kann die Feuerwehr aber nicht davon abhalten beim Glonner Faschingszug mit einem Festwagen dabei zu sein. Die Maiandacht in Frauenreuth findet inzwischen zum zehnten Mal statt. Für das Bürgerfest im Klostergarten vermerkt der Chronist: “Pünktlich um 19.00 Uhr fing es zu regnen an. Gefeiert wurde dann im Zelt”. Der dreitägige Jahresausflug führte an die Mosel. Natürlich mit Moselfahrt, Weinprobe und Weinfest.

Zum 1.1.1984 wird Gerhard Bullinger zum Kreisbrandinspektor bestellt. Zum 20.1.1989 wird er Kreisbrandrat. Für die Glonner nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch der Anerkennung. Die im gleichen Jahr eingeführte Jugendordnung, die auch eine Satzungs­änderung zur Folge hatte, ermöglichte der Glonner Jungfeuerwehr den Beitritt zum Kreis­jugendring. 1990 erinnern sich die Glonner Feuerwehrler an ihr eigenes Unglück des Jahres 1976 und sammeln für einen verunglückten Anzinger Feuerwehrkameraden 945 Mark. Dieser Betrag wurde aus der Feuerwehrkasse verdoppelt. Im gleichen Jahr wird auch die Anschaffung eines “Taferls” beschlossen. Damit ist man bei Festzügen mit Fahne und Ta­ferl “komplett”. Der immer mehr überhandnehmenden Müllproblematik zufolge wird be­schlossen, ab sofort bei Festen kein “Plastikgeschirr” mehr zu verwenden. Anlässlich der Maiandacht wird ein neues Einsatzfahrzeug von Dekan Schneider geweiht. Bisher hat die Feuerwehr das Feuerwehrhaus selbst gereinigt. Bei der Jahresversammlung 1990 wird aber festgestellt, dass man seit vier Jahren keinen “Wehrdienstfreigestellten” mehr erhalten habe. Deshalb gebe es für solche Dienste Personalprobleme. Seit dieser Zeit wird die Reinigung durch die Gemeinde übernommen. 1991 fand das letzte Bürgerfest der Feuerwehr im Klo­stergarten statt.

Die Idee des Vereinskartells, bei dem die Feuerwehr von Anfang an Mitglied ist, statt vieler Dorf- und Bürgerfeste nur ein Dorffest, das möglichst alle Vereine ausrichten sollen, wird vom Feuerwehrvorstand 1990 positiv aufgenommen. In einigen Vorstandssitzungen bespricht man die Organisation und so ist die Feuerwehr der erste Verein, der die Träger­schaft für das erste Glonner Dorffest 1992 übernimmt. Ein großartiger Erfolg, der von Jahr zu Jahr ausgebaut werden konnte.

Seit jeher übernimmt die Wehr bei Glonner Festen den Ordnungsdienst. So auch beim Faschingszug 1992. Die Teilnahme mit einem Festwagen ist deshalb nicht möglich. 1992 kauft sich die Feuerwehr für ihre eigene Verwaltung einen Computer für 2000 Mark. Über dem Feuerwehrhaus möchten die Glonner Schützen ihr Schützenheim errichten. Die Feuer­wehr hat nichts dagegen und überreicht bei der Einweihung im Mai 1993 eine Schützen­scheibe. Bereits 1994 beschließt man das 125-jährige Gründungsfest. Für den Kreisfeuer­wehrtag 1997 ist man schon lange vorgemerkt. Die Festwoche wird auch das 90-jährige Gründungsfest des Trachtenvereins einbeziehen. Nach 40-jähriger Feuerwehrdienstzeit zieht sich Vorstand Max Gröbmayr aus dem Feuerwehrdienst zurück. In seiner Dankesrede geht er auch auf das Unglück von 1976 ein und ruft die Kameraden auf, den Dank nicht zu ver­gessen. Bürgermeister Sigl dankt ihm und überreicht den Ehrenkrug der Marktgemeinde.

Feuerwehr heute                                                                                            nach oben

Die im Jahre 1983 gekaufte gebrauchte Drehleiter kann aus Sicherheitsgründen nicht mehr verwendet werden. Von der Gemeinde ist deshalb eine neue anzuschaffen. Nach vielen Vorführungen, Besichtigungen und Beratungen wird eine solche (Typ DLK 23/12) vom Gemeinderat genehmigt. Sie kostet 802.000 DM.  Der Staat schießt rund 300.000 DM zu. Am 26. November 1995 wird die neue Leiter von Dekan Schneider feierlich eingeweiht.

Die Jahre 1995 und 1996 waren, neben den üblichen Regularien, natürlich geprägt von der Vorbereitung auf das 125. Gründungsjubiläum und den Kreisfeuerwehrtag. So wurde bereits im Frühjahr 1996 die Standarte von 1897 repariert.
Über die Tätigkeit und die Aufgaben der Feuerwehr im Jahre 1996 gibt uns der Rechen­schaftsbericht des Kommandanten Franz Schwaiger Auskunft. Zum Jahresschluss hat die Feuerwehr 50 aktive Mitglieder zwischen 14 und 59 Jahren, davon 4 Mädchen. In insge­samt 83 Einsätzen wurden 690 Einsatzstunden geleistet. Hinzu kommen rund 1200 Stunden für den Wartungsdienst. Die Brandeinsätze verlangen nur mehr ein Sechstel des Zeitauf­wandes. 57% der Einsatzzeit war für Technische Hilfeleistung (Verkehrsunfälle, Unwetter­schäden, Wasser- und Ölschäden usw.) aufzubringen. Aber auch die Weiterbildung kam nicht zu kurz. So wurden Kurse an der Regensburger Feuerwehrschule und vier Übungen für Atemschutzträger in Ebersberg besucht. Neun Feuerwehrler erwarben das Silberne Leistungszeichen für technische Hilfeleistung, die im Landkreis Ebersberg entwickelt wurde.

Schluss                                                                                                                       nach oben

Zum Schluss noch einige Gedanken des Chronisten: Warum wurde überhaupt diese Chronik geschrieben? Sind nicht die Aufgaben der Gegenwart wichtiger -was bedeutet da schon Vergangenheit. Beides ist wichtig. So wie ein Haus eine Statik und ein Fundament braucht -beide sind unsichtbar-, so hat es auch ein sichtbares Inneres und Äußeres, das der jeweili­gen Zeit angepasst werden kann.

Fundament und Statik einer Feuerwehr ist die Kameradschaft. Kameradschaft ist zwar für die Gegenwart einer Feuerwehr das wichtigste Element.  Sie kann aber nie das Produkt der Gegenwart sein, sondern hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit und Geschichte einer Ge­meinschaft. So soll diese Chronik auch eine Dokumentation der Kameradschaft sein.

Vielleicht sind Widmungen nicht mehr modern. Der Chronist möchte diese Schrift aber trotzdem all jenen widmen, die die Kameradschaft dieser Glonner Feuerwehr gefördert; besonders jenen, die für diese Gemeinschaft Leben und Gesundheit geopfert haben. Ab­schließend wünscht er der Glonner Feuerwehr eine glückliche und erfolgreiche Zukunft. Der Wahlspruch “Gott zur Ehr, dem Nächsten zu Wehr ” möge immer Motiv dieser Gemeinschaft bleiben.

 

Diese Chronik erschien anlässlich des 125-jährigen Jubiläums in der Festschrift der Glonner FFW 2002.
Vervielfältigung und Nachdruck sind nicht erlaubt. Alle Rechte bei: © Hans Obermair, Glonn

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Marktplatz 10 – alte Hausnummer 25

Auch dieses Gebäude finden wir schon auf der Ortskarte von 1810, damals noch mit der Hausnummer 20.

Ortsmitte von Glonn 1810; © Bayr.Vermessungsamt – www-geodaten.bayern.de

Der Beruf der ersten bekannten Bewohner wird in den Kirchenbüchern als “Pictor” – “Maler” angegeben.

1778 heiratete der Zimmermeister und Schmied Ferdinand Beham in das Anwesen ein, sein Sohn, ebenfallls Zimmerer, Mathais Beham war von 1821 bis 1828 Gemeindevorsteher. 1858 wurde das Anwesen verkauft an Josef Angerer, der zu der Zimmerei hier noch das Branntweinschankrecht und das Krämerrecht aus seinem alten Wohnsitz Nr.34 mit brachte.

Seitdem gab es am Marktplatz eine von 5 Branntweinschänken im Ort und eine Krämerei. Bis 1908 war das Anwesen das einzige entlag der heutigen Wolfgang Wagner Straße.

Das Anwesen Hausnummer 25, Marktplatz 10; Zimmererwerkstatt, Brantweinschänke und Krämerei ; Gemälde um 1850 vermutlich von Magnus Meßner; ©Archiv Markt Glonn/Sammlung Kulturverein

Das Anwesen wechselte in den folgenden Jahrzehnten immer wieder die Besitzer, bis 1905 Paul Huber aus Nebelberg das Haus kauft. “Schon vor diesem Hauskauf hatte Huber Paul im Zuhaus seines Vetters Josef Zehetmaier an der Zinneberger Straße mit dem reparieren begonnen, darum der Name Radler Pauli.” (Maria Sedlmaier; Glonn-meine Heimat).

Kurz nach dem Kauf brannte das Anwesen  am 26.März 1908 komplett ab, und Paul Huber musste, um den Neubau zu finanzieren, seinen Obstgarten verkaufen. Auf diesem entstand dann das heutige Nachbarhaus; Wolfgang Wagner Straße 3, damals Hausnummer 25 1/3.

“Beim Wiederaufbau wurde das Haus vergrößert, eine Mechanikerwerkstatt kam hinzu, ebenso ein Laden und ein Stüberl für den Schnapsausschank” (Maria Sedlmaier; Glonn-Meine Heimat).

Paul Huber verkaufte mit großem Erfolg Fahrräder, die gerade erst in Mode gekommen waren, und betrieb eine Reparaturwerkstatt für Fahrzeuge und Maschinen aller Art.

Das Maschinengeschäft Paul Huber auf einer Postkarte von etwa 1914; ©Archiv Markt Glonn

Aus der Mechanischen Werkstätte wurde mit der Zeit eine Autowerkstatt und eine Tankstelle kam in den 1930er Jahren auch hinzu.

Maschinengeschäft Paul Huber am Marktplatz 1934 ©Archiv Markt Glonn/Familie Meßner

1968 pachtete die Firma Mainzl die KFZ Werkstatt und blieb dort bis Ende der 1980er Jahre.

Die BP Tankstelle und das Autohaus am Marktplatz 10; ©Archiv Markt Glonn/Sammlung Kulturverein

Anfang der 90er wurde das ganze Gebäude umgebaut, die Werkstätten wurden ersetzt durch Ladengeschäfte. Im November 1995 eröffnete dort die Buchhandlung “Bücher Kreutzer” (bis 2013). Nachbarn waren  unter anderem  die Malerfirma Ametsbichler, die Allianz-Versicherung und ein Teeladen, die Glaserei Moser, Rahmen Voigt,  ein Reisebüro und ein Architekturbüro. Im Jahr 2006 eröffneten Ilonka und Markus Steinberger das Cafe und Restaurant “Marktblick”.

Markt auf dem Marktplatz im März 2007, im Hintergrund das Anwesen Marktplatz 10. ©Archiv Markt Glonn/JürgenRossmann

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Marktplatz 9 – Aussegnungshalle “Leichenhaus” – alte HsNr. 23a

Die Glonner Pfarrkirche mit dem 1949 erbauten 1949 erbauten Aussegnungshalle.

Das gemeindliche Leichenhaus auf dem Friedhof in Glonn wurde im Jahr 1949 fertiggestellt, und steht auf dem ebenfalls 1949 erweiterten Pfarrfriedhof.

Vor der Erweiterung befand sich hier eine Wiese, ein Teil davon gehörte der Posthalterfamilie Wagner; 1922 schenkte Therese Wagner, Posthalterswitwe, den Grund der  Kirche, er sollte einer etwaigen Friedhofserweiterung dienen. Die Dringlichkeit des Baus einer Leichenhalle und der Erweiterung war zu diesem Zeitpunkt schon länger offensichtlich, bereits 1911 hatte das Bezirksamtes die Gemeindeverwaltung aufgefordert etwas zu unternehmen.

Man konnte sich aber nie darüber einig werden, ob es sinnvoll und für die Anwohner zumutbar sei, ein Leichenhaus an so zentraler Stelle zu bauen.

Nach dem Krieg war die Notwendigkeit zur Vergrösserung des Friedhofes und der Bau einer Leichenhalle nicht mehr zu ignorieren. Glonn war duch den Zuzug von Flüchtlingen, Vertriebenen und Evakuierten von etwa 1500 auf über 3000 Einwohner gewachsen und entsprechend fanden auch doppelt so viele Beerdigungen statt. Die Wohnungsnot führte zu immens beengten Wohnverhältnissen, in denen die vorher übliche Aufbahrung des Toten im eigenen Haus bis zu Beerdigung nicht im geringsten mehr vorstellbar war.

Direkt nach dem Krieg begannnen erneut Planungen zur Erweiterung des Friedhofs und zum Bau des Leichenhauses, aber verschiedene Umstände und Einsprüche verzögerten den bereits genehmigten Bau. Im Spätherbst 1947 wurde mit dem Bau begonnen und im August 1948 konnten die Spenglermeister Alfons Strauss und Erwin Huber die Kuppel mit Kreuz aufsetzen  und mit einem Gedicht einweihen.

 

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Marktplatz 8 – alte Hausnummer 22

Zum ersten Mal erwähnt wird ein Gebäude an diesem Platz im Feuerstättenbuch von 1554 mit der Hausnummer 16. Der Hof gehörte zum Obereigentum der Pfarrei und diente dem Pfarrer in Glonn zur Versorgung. Daher stammt auch der Hausname “Widdumhof” oder “Widdumbauer” (zur Worterklärung: Wikipedia)
Um 1670 erwarb der Adam Dötsch, der erste Bäcker -„Bäck“ – von Glonn, den Hof vom Pfarrer.

1810 kaufte Bäcker Fanz Sales Winhart aus Grafing die Bäckerei des Dötsch und damit auch den Widdumhof am Marktplatz und nutzte den Stadl als Lagerraum; die Wohnräume wurden vermietet.

Familie Neuwirth vor ihrem Haus in der Lena-Christ-Straße. Hier befand sich bis zum Umzug an den Marktplatz 1927 die Werkstatt des Schreiners Franz Neuwirth und seines Sohnes Andreas Neuwirth. ©Archiv Markt Glonn/Sammlung Kulturverein

Ein Kostenvoranschlag des Schreiners Franz Neuwirth für 42 neue Schulbänke á 25 Mark im Jahr 1876; ©Archiv Markt Glonn

1927 verkaufte Josef Winhart an den Schreiner Andreas Neuwirth, der von der Lena-Christ-Straße an den Marktplatz zog und sich hier seine  Bau- und Möbelschreinerei erweiterte. Er beschäftigte Gesellen und Lehrlinge, wie auch seine vier Söhne und hatte immer genug Aufträge.

Die Schreinerei Andreas Neuwirth im Sommer 1970;      © Archiv Markt Glonn

Die Werkstatt wurde bis 1973 betrieben, dann wurden die Räume umgebaut und vermietet.

Der Katra Markt eröffnete 1974 als erster Supermarkt in Glonn am Marktplatz 8; ©Archiv Markt Glonn/privat

Im Juni 1973 eröffneten Angelika und Wilhelm Hintermaier hier auf 350qm Ladenfläche den ersten Selbstbedienungs-Supermarkt in Glonn.

Der Katra Markt wurde bis 1987 weitergeführt, dann mietete sich in den Geschäftsräumen der Schlecker Markt ein, der dort bis 2011 blieb.

Der Schlecker Markt am Marktplatz 8 – von 1988 bis 2011 ©Archiv Markt Glonn

Seit 2012 ist  das Fahrrad- und Spielzeuggeschaft Attenberger Mieter der Geschäftsräume am Marktplatz 8.

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Marktplatz 2 – Pfarrkirche St.Johannes der Täufer

Die Glonner Pfarrkirche St.Johannes der Täufer

Zur Geschichte der Glonner Pfarrkirche
von Hans Obermair

Patrozinium: Johannes der Täufer  – 24. Juni

Schon 1315 ist Glonn Sitz des Dekanates für den südöstlichen Landkreis Ebersberg. Die Pfarrei gibt es sicher schon Jahrhunderte länger. 1885 wird Reisenthal, 1924 Spielberg und 1928 Münster, Schlacht und Kreuz mit Lindach und Reinstorf von Egmating nach Glonn umgepfarrt. Über die jetzigen Filialkirchen Glonns kann unter den entsprechenden Rubriken nachgelesen werden. Die Filialkirchen Steinhausen, Dobelberg und Sonnenhausen sind im Zuge der Säkularisation abgerissen worden. Die Georgenbergener Kirche ist im Privatbesitz, deshalb wird sie nicht als Filiale aufgeführt. So auch die Weiglkapelle in Ursprung, die erst erbauten Hofkapellen in Reisenthal und Reinstorf , die Klosterkirche in Zinneberg, sowie die Kirche im Glonner Marienheim.

Im Jahre 774 schenkt  Ratpot der Sohn des Crimius seine (Eigen)-Kirche der Marienkirche in Freising, dem Bistumssitz. Höchstwahrscheinlich handelt es  sich dabei um die Kirche in Georgenberg. Noch 1803 waren dort beide Höfe im Obereigentum von Freising. Die erste Glonner Kirche war vermutlich der Taufplatz beziehungsweise die Taufkirche der Georgenberger Kirche, denn hier gab es den Fluss der für das damalige Taufritual vonnöten war. So wäre auch zu begründen, dass Johannes der Täufer Glonner Kirchenpatron ist. Wenn Georgenberg als erster Glonner Kirchensitz angenommen werden darf, ist auch nachvollziehbar dass  Reinstorf  und Kreuz bis 1928 Teil der Pfarrei Egmating sind.

Die erste Glonner (Tauf)-Kirche stand also in der Nähe eines Wassers, der Glonn. Man mutmaßte, dass dies am „Bäckerberg“, am Ostufer der Glonn gewesen sein könnte. Dort wurden auch Tuffplattengräber aus merowingischer Zeit, also um 700, entdeckt. Geht man aber davon aus, dass die Glonn bis zu ihrer Verlegung vor 1600 in der Nähe der Kirche verlief, kann sich beim jetzigen Kirchenstandort durchaus um den ursprünglichen handeln. Die Standorte der ehemaligen Tuffsteinlager, die sich ja durch den Fluss bildeten, unterstützen diese These. Ausserdem ist noch 1517 die „Oswoltmühle“ in der Nähe der Kirche nachzuweisen.

1966 unterkellerte man im Zuge des Heizungsbaues die jetzige gotischen Sakristei, die bis 1767 Altarraum der gotischen Vorgängerkirche war. Dabei fand man Reste eines romanischen Vorgängerbaues. Weiter entdeckte man bei der Unterkellerung Gräber, die einmal außerhalb der Kirche angelegt sein mussten, also vor dem romanischen Bau.  Folgerichtig wäre unsere jetzige Pfarrkirche mindestens der vierte Bau auf diesem Platz, der damit höchstwahrscheinlich als der erste Glonner Kirchenplatz in Frage kommt.

In einem Protokoll von 1642 sind 245 Reliquien in der Glonner Kirche aufgeführt. Schon oberhalb des Weiglberges, wahrscheinlich dort, wo sich das Marterl (Flucht aus Ägypten) befindet, knien sich die Pilger aus München nieder um diesem heiligen Schatz die Ehre zu erweisen. Noch bis 1803 pilgerten die Glonner zu unserer Lieben Frau nach München. Eine rund 20 Meter lange Fahne begleitet sie.  Daraus ergibt sich die  Bedeutung der Glonner Kirche und Pfarrei vor Jahrhunderten. Von der gotischen Kirche gibt es keine Abbildung. Laut einem Inventarverzeichnis von 1721 hat sie einen „Sadelturm“. Etwa wie die Kirche in Unterlaus. Auch der alte Altarraum entspricht den Maßen der Lauser Kirche. Und so ist ein Vergleich mit dieser Kirche nicht unangebracht.

Nicht nur die jetzige Sakristei, sondern auch einige Figuren und Bilder, die Glocken, sowie der Taufstein und die Epitaphe von Pfarrer Renzlhauser (1513) und den Pienzenauern (1596) wurden von der alten Kirche übernommen. Die alte gotische Kirche wird als baufällig bezeichnet. Glonn selbst hatte damals keine 50 Anwesen. Warum man den Neubau trotz der damals nur rund 1200 Pfarrkinder, von denen ja viele von den umliegenden Filialen kirchlich versorgt wurden, so groß plante, kann allenfalls damit begründet werden, dass die Filialen, bis auf die Frauenreuther, ebenfalls baufällig waren. Das sich immer mehr durchsetzende Schulwesen, mag für eine „zentrale“ Kirche ebenfalls ein Grund gewesen sein.

Schon 1762 wird, außerhalb des alten Grundrisses, mit dem Bau der jetzigen Kirche begonnen. Das Material wird nicht nur aus den umliegenden Tuffsteinbrüchen besorgt, sondern auch aus dem Baugrundstück selbst gebrochen. Doch das darunter liegende weiche Erdreich erschwerte die Fundamentierung, so dass man tiefer graben musste. Rund 1500 Gulden hatte man schon gesammelt. Eine Spendenaktion von 1768 bei den Pfarrkindern erbrachte weitere  600 Gulden an Barem, dann 200 Gulden des Graf Fugger von Zinneberg und vieles an Baumaterialien. Die obligatorischen Hand- und Spanndienste kamen an Eigenleistung hinzu. Die im Gesuch an den Kurfürsten von 1767 veranschlagten 2000 Gulden für Maurer- und Zimmererarbeiten reichten bei aber weitem nicht aus. Vielleicht hatte man bewusst etwas untertrieben, um so eine Genehmigung zu erhalten. Und so mussten von anderen Pfarreien Darlehen aufgenommen werden. Ende 1768 hatte man bereits 3533 Gulden ausgegeben. Die Finanznot der Pfarrei war ständiger Begleiter dieses Bauvorhabens. Im Zuge dessen konnte erst der vierte Baumeister das Werkt vollenden. Es war Anton Kirchgrabner  aus München. 1776 erhält er den Auftrag.  Er ist der Geschäftsnachfolger des berühmten Johann-Michael Fischer.

1767 erfolgte der Teilabbruch der alten Kirche. Nur der jetzige Altarraum ist mit einem Steingewölbe versehen. Über das Langhaus konnte es aus finanziellen Gründen nur ein hölzernes sein. 1777 wird der Kirchenbau vollendet.

Die im „Zopfstil“ (Rokokoklassizismus) erbaute Kirche wird schon während der Bauzeit Zug um Zug ausgestattet. Insgesamt beträgt die Bausumme an die 7000 Gulden. Davon rund 2600 für die Innenausstattung. Die Figuren des Hochaltars, sowie das Seitenkreuz stammen von Josef Götsch, einem Mitarbeiter von Ignaz Günther. Götsch hat auch für Klosterkirche in Rott am Inn gearbeitet. Soweit es ging wurden die örtlichen Handwerker mit einbezogen. So für die Kistlerarbeiten Mathias Göttfried, als Schmied Paul Strabl, als Seiler Mathias Pfattischer und als Schlosser Sebastian Wäsler.

Schon 1795 wurde die, wohl aus der alten Kirche stammende, Orgel gegen eine neue vom „Hoforgelmacher“ Merz getauscht. Bis die neue Kirche 1823 vom Erzbischof  Freiherr von Gebsattel eingeweiht wurde, hatte man schon die vierte aufwendige Dachreperatur zu finanzieren. Zur Einweihung  wurde das Ziegelplaster durch ein „Sollnhofener“ ersetzt. Ebenso wurde die Kirche vermutlich erstmals ausgemalt. Der Künstler war der aus Glonn stammenden Johann-Baptist Beham aus Aibling. 1858 erfolgte eine erneute Ausmalung durch den Glonner Maler Magnus Mesner, der 1860 auch einen Kreuzweg für die Kirche schuf. Obwohl das Turmdach 1834 eine Blechdeckung erhielt, galt es 1866 schon wieder als baufällig. 1871 erhielt der Turm anstatt der „welschen Haube“ sein jetziges Spitzdach.

Auf diesem Gemälde von Magnus Meßner (1833-1860) sieht man noch die “welsche Haube” der Pfarrkirche, die 1871 durch das heutige Spitzdach ersetzt wurde. ©Archiv Markt Glonn

Eine Nazareneraustattung blieb auch der Glonner Kirche nicht erspart. 1870 kamen die Götschfiguren auf den Speicher. Ein Altargemälde (Jesu Taufe) des Malers Rick aus Ebersberg und Petrus und Paulus als Seitenfiguren des Bildhauers Renn aus München zieren jetzt den Hochaltar. Bei dieser Neugestaltung erhielt der Hochaltar auch zwei Seitenbögen mit den aufgesetzten Figuren der Heiligen Elisabeth und Notburga. Die weiteren Seitenaltäre dürften schon früher verschwunden sein. Schon 1893 kam es zu einer neuen Restaurierung. Die Kirche erhält eine Stuckaustattung. Die damit eingerahmten Deckengemälde, die heute noch bestehen,  schuf Kunstmaler Steiner aus  Fürstenfeldbruck.

Inneraaum der Pfarrkirche 1943 zum 50-jährigen Priesterjubiläum von Pfarrer Otto Boxhorn. Bild: E Archiv Markt Glonn/Fam.Meßner

Der Altar erhielt allerdings erst bei der Renovierung unter Pfarrer Loithaler wieder sein ursprüngliches Aussehen mit den Götschfiguren.

Innenraum der Kirche 1970. Am Altar befinden sich wieder die Götsch Figuren, die Bänke werden ersetzt. Bild: ©Archiv Markt Glonn/Laszlo Schwarzenberger

Nachdem 1966 die Kirche eine Heizung erhielt und 1974 die Emporen erneuert wurden, ging es 1976 um die Aussenrenovierung. Dabei wurden die Langhausfundamente neu geschaffen und der sich schon nach aussen neigende Turm mit einer Betonkonstruktion nach innen gesichert.

1976 wurde die ganze Kirche eingerüstet und auf Standfestigkeit überprüft. ©Archiv Markt Glonn

Auch unter Pfarrer Schneider erfolgte 1993 und 1994 die große Innenrestauration. Auslösend für diese Maßnahmen waren sich lösende Stuckteile der Decke.

Fortsetzung folgt….

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Marktplatz 5 und 6 – alte Hausnummer 20

Hier stand bereits im 16. Jahrhundert ein Gasthaus, das erstmalig im Kuchlbuch von 1517 und im Feuerstättenbuch von 1554 erwähnt wird als  „Taferne zu Glonn“.
Inhaberin war damals eine „Frau von Pienzenau“, wahrscheinlich Afra von Pienzenau.

Das Wirtsanwesen auf dem frühesten Ortsplan von 1810- es ist mit Abstand der größte Gebäudekomplex in Glonn. Quelle: Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de

“Zehentherrliche Renten des Schullehrers von Glonn”, 1813; Bild: Archiv Markt Glonn

Eine weitere Wirtin, von der wir wissen, war Magdalena Zächerlin, die 1648 verstarb. Sie vermachte einen Teil ihres Vermögens, nämlich den ihr zustehenden Zehent aus vier Münsterer Anwesen, der Glonner Schule und sicherte so deren Bestand für die nächsten 150 Jahre.

In dieser Aufstellung von 1813 finden sich noch die Zehent-Einnahmen zugunsten der Glonner Schule aus den Münsterer Höfen.

 

 

 

1793 heiratete  Sigmund Wagner (1769-1830), Wirtssohn aus Attaching, in die Wirtsfamilie ein und begründete die erfolgreiche „Wirtsdynastie“ der Wagners für die nächsten 115 Jahre.

Auf Sigmund Wagner folgte sein Sohn Josef Wagner 1805-1851),  dessen Sohn Wolfgang Wagner senior (1834-1902) und wiederum dessen Sohn Wolfgang Wagner junior (1865-1912).

Bis 1862 war “die Post” in Glonn das einzige Wirtshaus, ansonsten gab es nur “Branntweinschänken”. Erst 1862 erhielt Sebastian Schlickenrieder die Konzession zur  Eröffnung eines weiteren Gasthauses, des “Neuwirts”.

1864 wurde Wolfgang Wagner sen. auf eigenes Betreiben “Königlicher Posthalter” und betrieb die Postexpedition in seinem Anwesen.

Von hier aus verkehrten nun auch die Postkutschen; Pfarrer Niedermair schreibt dazu in seiner Chronik von 1909:

“Als nun die Eisenbahn von Holzkirchen nach Rosenheim am 25.Oktober 1857 in Betrieb gesetzt wurde, suchte man sich in Glonn damit in Verbindung zu setzen. Auf Bitten der Glonner Bürgerschaft, besonders des Posthalters, erhielt Glonn am 1.Juli 1864 den Postverkehr mit einem Postomnibus, der anfangs täglich zwischen Glonn und Westerham, dann über Hohenrain verkehrte. Als aber am 1. Mai 1876 die Bahnlinie München-Grafing-Rosenheim eröffnet wurde, fuhr die Postkutsche nach Grafing, bis sie vom Stahlross abgelöst wurde.”

Die letzte Postkutsche für am 23.Mai 1894 von Glonn ab. Die Herren rechts mit Bowlerhut sind Wolfgang Wagner senior und junior. Archiv Markt Glonn

Dass Glonn 1894 ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, ist ebenfalls nicht zuletzt dem Posthalter Wolfgang Wagner senior zu verdanken.

Schon Sigmund Wagner war vor 1821 Ortsvorsteher in Glonn und im Gemeindeleben aktiv, genauso wie seine Nachfahren. Wolfgang Wagner senior engagierte sich darüber hinaus auch in der Politik. Es war 12 Jahre lang Mitglied des Bayerischen Landtages (1881-1893), neun Jahre Mitglied des Deutschen Reichstages (1884-1893), und Mitglied im Distriktsrat. In Glonn war er unter anderem Gründungsmitglied der Freiwilligen Feuerwehr, Begründer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft, Ehrenmitglied im Schützenverein.

Bevor er 1890 an seinen Sohn Wolfgang junior das Postwirtsanwesen übergab, erbaute er in den Jahren 1887-1889  die Posthalter Villa gegenüber als Altersruhesitz.

Wolfgang Wagner senior und seine Frau Maria vor der 1887 erbauten Posthalter Villa. Bild: Archiv Markt Glonn

Wolfgang Wagner senior starb 1902, sein Sohn Wolfgang Wagner verkaufte 1908 aus unbekannten Gründen die Gastwirtschaft und die dazugehörige Landwirtschaft an den Baron von Büsing in Zinneberg.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wolfgang Wagner starb mit nur 46 Jahren im Jahr 1912, seine Frau verkaufte 1918 auch die Villa an Baron von Büsing und zog mit ihren Kindern, von denen 2 Söhne im 1.Weltkrieg gefallen waren,  nach München. Damit endete die Zeit der Wagners als Postwirte in Glonn

Diese Zusammenfassung beruht auf der Veröffentlichung von Hans Obermair
„Glonn und seine Wirte“ – Die Entstehungsgeschichte der Glonner Wirtshäuser vor 1900;
in: Jahrbuch des Historischen Vereins für den Landkreis Ebersberg e.V., Band 3, S.48-73; 2000;

Nach 1918

Der neue Besitzer, Baron von Büsing, verpachtete die Wirtschaft ab 1908 an die Familie Gruber, die sie über 40 Jahre betrieb, auch als der Baron zwischen 1923 und 1927 alle seine Besitztümer in und um Glonn verkaufte. Den Gasthof zur Post erwarb  1927 die Paulaner Brauerei.

Gastgarten unter Bäumen und die Kegelbahn gegenüber des Gasthauses zur Post um 1900 Bild: Archiv Markt Glonn

Zur Wirtschaft gehörten auch ein Gastgarten und eine Kegelbahn, die gegen über der Wirtschaft lagen.

Links der Gastgarten unter großen Kastanien, rechts der (heutigen Münchener) Straße die Gastwirtschaft; um 1930. Bild: Archiv Markt Glonn

1969 wurde der ganze Komplex, der inzwischen sichtbar in die Jahre gekommen war, abgerissen und fast genauso wieder aufgebaut.

Der Gasthof zur Post 1969 kurz vor dem Abriss. Bild: Archiv Markt Glonn

Der Gasthof zur Post nach dem Neubau, ca. 1975. Bild: Archiv Markt Glonn

Der Gastgarten, der bisher auf der anderen Straßenseite gelegen war, kam nun neben die Wirtschaft. Auch die Kegelbahn, die neben dem Gastgarten lag, wurde aufgegeben und abgerissen.

Ende der 1990er Jahre schloß das Gasthaus zur Post nach mehr als 350 jahren durchgehender Gastlichkeit endgültig seine Türen.

Im Jahr 2002 wurde der alte Gasthof zu Läden und Wohnungen umgebaut.

Heute sind hier Läden, Büros und Wohnungen – der ehemalige Gasthof zur Post im Jahr 2002 nach dem Umbau; Bild: Archiv Markt Glonn/Jürgen Rossmann

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Marktplatz 7 – alte Hausnummer 21

Die Posthalter-Villa

Bis zum Bau der Posthalter Villa stand auf dem Grundstück am Marktplatz ein kleines hölzernes Haus, in dem im 17. Jahrhundert der Glonner Mesner wohnte.  Später findet sich dort ein Kistler (Schreiner) als Besitzer, darum hatte das Haus auch lange den Hausnamen „Kistler“.

Ausschnitt aus der Karte von 1810 mit dem “Kistler”(19) zwischen dem Wirt (17), dem Surauerhof (41)und dem Widdumhof im Kirchenbesitz (42) ©”Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de (Daten verändert), Lizenz: CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de)”

1851 erwarb der Posthalter Wolfgang Wagner, bzw. seine Ehefrau Maria Wagner das Haus und es wurde vermietet. Friedrich Kugler, Uhrmacher und Magnus Messner, Maler waren die ersten Mieter. Auch der Lehrer Johann Baptist Dunkes wohnte um 1877 hier.

Der Posthalter und Gastwirt Wolfgang Wagner (1834-1902) mit seiner Ehefrau Maria (1834-1906) vor der “Posthalter Villa” ©Archiv/privat

Wolfgang Wagner, 1834-1902, war als Landtags- und sogar Reichtagsabgeordneter ein reicher und einflussreicher Mann in Glonn. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, für Glonn den Bau einer Lokalbahn durchzusetzen. Bis 1862 war er der einzige Wirt in Glonn, der Eröffnung der zweiten Gastwirtschaft in Glonn, dem Neuwirt, ging ein zähes und langjähriges Ringen um die Konzession voraus.

Bauplan 1889 Posthalter Villa Vorderansicht ©Archiv Glonn/privat

1889 erbaute der Posthalter und Wirt Wolfgang Wagner dann auf dem Grundstück eine Villa als „Altersruhesitz“.

Der Bau wurde nach den Plänen des Architekturbüros Georg Meister, München und mit der Hilfe eines italienischen Bautrupps ausgeführt, den Wolfgang Wagner von auf einer Reise nach Italien kennenlernte und für seinen Bau engagierte.

Die Villa im Jahr 1935 ©Archihv Glonn/privat

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1902 bezog der Sohn Wolfgang Wagner, ebenfalls Landtagsabgeordneter, die Villa mit seiner Frau und seinen Kindern. Er verkauft den Gasthof und den Surauerhof 1908 an den Baron Büsing in Zinneberg und nach seinem frühen Tod 1912 verkaufte seine Witwe 1918 auch die Villa an den Baron.
Der Baron von Büsing-Orville wiederum verlässt um 1923 Zinneberg und verkauft davor sukzessive alle seine Besitztümer, die Gastwirtschaft und die Villa erwarb die Paulaner Brauerei, Teile des Marktplatzes und das Surauerhaus (heutiges Rathaus) kaufte die Gemeinde Glonn.

1927 konnte der Arzt Dr. Alfred Kreutzer, der sich 1921 in Glonn niedergelassen hatte, die Posthalter-Villa als Wohn- und Praxissitz erwerben.  Im Laufe der Zeit erhält die Villa nun den Namen “Doktorvilla”, später dann auch “Kreutzer-Villa”, da sowohl Sohn Peter Kreutzer (*1924+2002), als auch Enkel Michael Kreutzer den Praxisbetrieb am selben Ort weiterführten.

Zwischen 1935 und 1940 wurden alle Verzierungen, Schnörkel und Türmchen entfernt und die Villa erhielt ihr heutiges Aussehen.

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