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Die Zinneberger Siedlung

Die Zinneberger Siedlung

Erster Bauabschnitt 1949

Von 1840 bis 1930 war Glonn relativ moderat um nur 400 Einwohner gewachsen.  (Einwohnerstatistik 1840 bis 1952). Wer hier lebte, arbeitete zumeist auch im Ort, in der eigenen Landwirtschaft oder dem eigenen Handwerksbetrieb. Tagelöhner, Gesellen, Dienstboten und landwirtschaftliche Arbeiter lebten zumeist im Haus des Dienstherrn, Mietverhältnisse waren oft mit Arbeitsverhältnissen verknüpft. Die Wohnungsnot der Städte war in Glonn kaum zu spüren.  Das änderte sich schlagartig, als bereits während des 2.Weltkrieges, durch den Zuzug von „Ausgebombten“ aus der Stadt, aber vor allem nach Ende des Krieges die Bevölkerung durch „Heimatvertriebene“ um fast 75% wuchs: aus 1605 Einwohner im Jahr 1933 wurden 2877 im Jahr 1946.

Foto: Hintermaier/Archiv  hier gehts zur Vergrößerung/ alle Bilder zum Zoomen

gteste Wohnverhältnisse prägten auch in Glonn, wie in allen anderen Gemeinden des Landkreises die ersten Jahre nach dem Krieg.  Wenn auch viele der neuen Mitbürger nach und nach Arbeit und Auskommen in und um Glonn fanden, so gab es doch für Alt- und Neu-Glonner viel zu wenig Wohnraum. Daran konnte auch die strenge Wohnraumbewirtschaftung nichts ändern, nach deren Regeln ein Wohnraum mit 2 Personen belegt werden konnte und musste, nur Zimmer unter 10 qm und Küchen zählten nicht zum Wohnraum. Bei der Wohnraumzählung in Bayern im Dezember 1945 ergaben sich für Glonn 1769 Wohnräume, bei 2866 Menschen die in Glonn lebten. In diesen Wohnräumen waren zusätzlich zur einheimischen Bevölkerung 858 Flüchtlinge oder Evakuierte untergebracht. Ungefähr 300 Menschen lebten darüberhinaus in Gemeinschaftsunterkünften und Sammellagern, so z.B in der Turnhalle, dem Bahnhofsgebäude, im Gasthof Post, beim Huberwirt und in der Knabenschule. Vor allem die Belegung der Knabenschule bedurfte dringend einer Lösung, da 500 Schulkinder im Jahre 1946 in nur 2 freien Schulsälen unterrichtet werden mussten. Der Unterricht wurde in 6 Abteilungen durchgeführt, die täglich nur jeweils 2 Stunden Unterricht hatten.

Als ein Beispiel für die durchaus übliche Belegung von Wohnraum sei das Haus Nummer 6 ½  – heute Prof. Lebsche Strasse 22  – genannt: hier erhob die Gemeinde  im Januar 1947 Einspruch gegen die Beschlagnahme von einem der beiden Räume, die die Besitzerin und ihr 17 jähriger Sohn bewohnten; In dem Haus waren bereits 4 Familien mit insgesamt 14 Personen untergebracht waren und wie die Gemeinde  schrieb, sei  auch die Küche der Hausbesitzerin  viel zu klein, um ein Bett hineinzustellen auf dem der Sohn gegebebenfalls schlafen könnte.

Im April 1949 führte die Gemeinde noch einmal eine Wohnraumzählung durch – hier wurden nur die freien Wohnräume gezählt – daraus ergaben sich 46 Wohnräume, die meisten um die 15 qm gross, in der Regel ohne Heizmöglichkeit.

Auch wenn die Vorgaben der Militärregierung zur Registrierung und Belegung gewissenhaft befolgt wurden – auch weil die Sanktionen empfindlich waren –  und nahezu jeder Wohnraum wie vorgeschrieben belegt wurde, so war doch schon sehr bald ersichtlich, dass ohne vermehrte Neubauten die neuen Mitbürger nicht untergebracht werden konnten. Zu diesem Zwecke mussten Grundstücke gefunden, die zu erschwinglichen Preisen an Bauwillige abgegeben werden konnten. Da die Gemeinde nur Waldgrundstücke besaß, und in den Kassen kaum Geld für Neuankäufe war, versuchte man über Grundstückstausche an neue Siedlungsfläche zu gelangen.

Im Gemeinderat kam das Thema Siedlungen am 21.10.1948, vier Monate nach der Währungsreform, zum ersten Mal offiziell zur Sprache. Die Gemeinde überlegte, ein gemeindliches Waldgrundstück an der Straße nach Frauenreuth als Siedlungsgebiet auszuweisen,  die  Gemeinderäte Wacht und Kranner wurden beauftragt, die Möglichkeit der Erschließung zu eruieren.

Am 16.12.1948 schenkten die Geschwister Max und Klara Lebsche der Gemeinde ein 3000 qm grosses Grundstück mit der Auflage Wohnraum zu schaffen; dieses Grundstück wurde von der Gemeinde im März 1949 verkauft, der Erlös von 1000,- floss in die Erschließung des neuen Baugebietes.

Am 11.1.1949 beschloß die Gemeinde dann, das Waldgrundstück an der Frauenreuther Strasse mit der Pfarrpfründestiftung zu tauschen, diese gab dafür ein Teilgrundstück an der Zinneberger Strasse – damit war der Standort der neuen Siedlung gewählt.

Im März beschloss der Gemeinderat ein Baugrundstück des neuen Siedlungsgebietes der Wohnungsgenossenschaft Ebersberg in Erbpacht zu überlassen,  um darauf ein Mehrfamilienhaus zu errichten, das nur an Glonner vermietet werden sollte. Im September 1949 wurde das Grundstück verkauft und Glonn trat der Wohnungsgenossenschaft mit einem Anteil bei.

Im Juli 1949 wurde der Bebauungsplan, den Baumeister Landthaler erstellt hatte, den Behörden vorgelegt und am 24. November verzeichnete das Gemeinderatsprotokoll bereits die ersten 6 Käufer der insgesamt 11 Parzellen zu einem Preis von 0,50 DM pro qm. Zusätzlich musste der Bewerber die Straßenbaukosten übernehmen, die ungefähr noch einmal die Hälfte des Kaufpreises betrugen, und sicherstellen, dass das neue Haus bis zum 1.1.1952 fertiggestellt wird, andernfalls das Grundstück an die Gemeinde zurückfallen würde.

Die Straßenbaukosten streckte die Gemeinde vor, und um die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten, erwarb die Gemeinde die Quelle in Ursprung und verlängerte die Trinkwasserversorgung von Herrmansdorf bis zur neuen Siedlung. Bereits 1950 standen 7 von 11 geplanten Häusern, davon ein 6-Familienhaus, das die Wohnbaugenossenschaft Ebersberg erbaute und an Glonner Familien vermietete. Am 24.8.1950 wurde beschlossen, dass die neuen Häuser die Hausnummern „Glonn Siedlung“ Hs Nr.1 bis 11 erhalten sollen.

2. Bauabschnitt

Bild 3 Von Nordosten Bebauung bis Einmündung Arcostraße. Das Haus rechts im Bild war bis in die 60er Jahre eine von mehreren Unterkünften italienischer Gastarbeiter einer Glonner Baufirma.

Bilder: F.Hintermaier/Archiv 

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1950 waren die ersten 11 Häuser der Siedlung Zinneberg bewohnt, aber an der Wohnungsnot in Glonn hatte sich dadurch natürlich noch nichts geändert. Am 18.Mai 1951 wendete die Gemeinde sich wiederholt an die Pfründepachtstelle Regensburg mit der Bitte um Überlassung des restlichen Teilgrundstückes. Als Begründung für die Dringlichkeit der Angelegenheit schilderte der Gemeinderat eindrücklich: „es sind immer noch 6-8 Elendswohnungen vorhanden bei denen 6-8 Personen in einem Raum leben müssen. Außerdem sind alle einigermaßen für Wohnzwecke geeigneten Räume beschlagnahmt und belegt. Um diesem Elend, den sittlichen Gefahren einigermaßen Herr zu werden, ist der Marktgemeinderat bemüht, den Siedlungsbau in jeder Weise zu fördern“.

Doch erst ein Jahr später konnte die Gemeinde den Grund für den 2. Bauabschnitt an der Zinneberger Straße im Erbbaurecht kaufen. Da die Gemeinde selbst nicht Bauträger sein durfte, beschloss man, die Bebauung des Geländes dem Kath. Siedlungs-und Wohungsbauwerk der Erzdiözese München Freising zu überlassen und in den aufzustellenden Bebauungsplan auch das Restgrundstück aufzunehmen, das zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht im Besitz der Gemeinde war. Als Straßensicherungskosten wurde 0,25 DM pro qm der Siedlerfläche bestimmt, das Abwasser sollte durch eine Kanalisation in die Abwassergräben laufen, die benötigten 300 Meter Betonrohre dafür bezahlte die Gemeinde, unter der Bedingung, dass die Kanalisation danach in den Besitz der Gemeinde übergehe. Diese Kanalrohre mit einem geringen Durchmesser lagen nicht sehr tief und nahmen die größtenteils ungeklärten häuslichen Abwasser auf, um sie in die Glonn bzw. in den Schrankenbach zu leiten. Erst im Jahr 1961 plante die Gemeinde eine allgemeine Ortskanalisation mit Klärwerk, die damals bestehenden Entwässerung beschrieb der planende Ingenieur in seinem Erläuterungsbericht

Im Oktober 1953 beschließt die Gemeinde außerdem, sich selbst als Bewerber beim Siedlungswerk zu melden, um ein Haus mit 2 Wohnungen zu bauen, die den Gendameriefamilien zur Verfügung stehen sollen.

Der Bau der vom Siedlungswerk geplanten 8 Doppelhäuser ging nur stockend voran, weil die zugesagten Fördergelder der Bayerischen Staatsregierung immer wieder ausblieben, und die Genehmigung der Kanalisation in den Schrankenbach Schwierigkeiten machte, wie die Ebersberger Zeitung 1954 berichtete, sodass 1955 erst 5 der 8 Doppelhäuser errichtet und bezogen waren. Auch wenn, wie die EZ schreibt, in allen Häusern je 2 Familien Platz finden, so gab es doch auch im Jahr 1954 noch 98 Baubewerber in Glonn. Als 1959 auch in der Fuggerstraße geteert wurde, standen auf 18 Grundstücken 16 Häuser und ein Mehrfamilienhaus, jeder Besitzer wurde mit 1 DM pro Meter an den Teerungskosten beteiligt.

3.Bauabschnitt

     Zoom    
Zinneberger Siedlung 1967                                                                                                                     Zinneberger Siedlung ca. 1969
Bild: Luftbildverlag Betram/Gemeindearchiv Glonn
                                                                                      Bild: F.Hintermaier/Gemeindearchiv Glonn                     

Bereits 1959 stand für die Gemeinde fest, dass die Zinneberger Siedlung noch wachsen sollte, um für immer noch dringend benötigten Wohnraum zu sorgen. Im Wirtschaftsplan von 1952 war sogar ein wesentlich größeres Areal als Baugebiet ausgewiesen, als später bebaut wurde.

Bis zum Baubeginn vergingen dann aber doch noch einige Jahre: Zum einen mussten Verhandlungen mit den Grundbesitzern geführt werden, die z.B. östlich der Zinneberger Straße gar nicht an den Verkauf ihres landwirtschaftlichen Grundes dachten. Zum anderen gab es langwierige Verhandlungen mit der Pfarrpfründe, deren 14000 qm großen Grundbesitz die Gemeinde gerne kaufen, aber nicht, wie von der Pfarrpfründe vorgeschlagen, gegen einen Teil des Gemeindewaldes tauschen wollte.

Weitaus größere Hürden stellten aber die behördlichen Auflagen dar. Mit immer mehr Nachdruck verlangte das Landratsamt, dass zuerst die Planung einer Kanalisation für Glonn, zumindest einer Teilkanalisation für die neue Siedlung, in Angriff genommen werden müsse. Gleichzeitig wurde auch der alte Wirtschaftsplan von 1952 im Mai 1963 endgültig nicht mehr verlängert und musste durch einen neu zu erstellenden Flächennutzungsplan ersetzt werden.

So beschloss die Gemeinde am 21.12.1960, die Planung einer Gesamtkanalisation in Auftrag zu geben. Während des Baus der Kanalisation kristallisierte sich heraus, dass auch der Bau einer Kläranlage vonnöten werden würde, um alle Auflagen zu erfüllen und Zuschüsse zu erhalten und so wurde auch diese in Auftrag gegeben.

Im Juni 1963 war bereits ein erster Bebauungsplan für 65 Wohnhäusern fertiggestellt, der aber nicht behandelt werden konnte, da „noch Verhandlungen mit den verschiedenen Grundbesitzer zu führen“ waren. (GPR 14.6.1963).

Am 4.11.1963 waren die Verhandlungen mit der Pfarrpfründe erfolgreich abgeschlossen und die Gemeinde konnte das 14710 qm große Areal für 10,- /qm erwerben.  Erleichtert schrieb der Protokollant: „da bereits für das Gebiet … ein Bebauungsplan aufgestellt ist, kann die Gemeinde endlich einen sozialen Wohnungsbau durchführen.“

In der gleichen Sitzung wurde für den von Josef Landthaler erstellten Bebauungsplan für ca. 140 Wohnungen die Bebauungssatzung erlassen.

Im März 1964 setzte die Gemeinde den Kaufpreis für die  zu vergebenden 36 Parzellen auf 23,- DM inclusive Erschließung, die die Gemeinde in eigener Regie durchführte, fest. Im August wurde der Bebauungsplan behördlicherseits genehmigt, sodass ab 16.12.1964 endlich die Auswahl der Baubewerber in Angriff genommen werden konnte. Die restlichen 35 größeren Parzellen umfassten noch einmal fast 50000 qm und wurden privat verkauft.

Im Juni 1965 konnten dann endlich die Erschließungsarbeiten vergeben werden, im Jahr 1967 waren die von der Gemeinde vergebenen Parzellen bereits bebaut.

 

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Fremdenverkehrsprospekte von Glonn

Der erste Fremdenverkehrsprospekt stammt aus dem Jahr 1908, wurde vom Kultur- und verschönerungsverein herausgegeben und lobte Glonn als Sommerfrische und Luftkurort, als “Veilchen, welches im Verborgenen blüht”, in nur “5 Wegstunden, eindreiviertel stündiger Radfahrt oder eineinviertel stündiger Bahnfahrt von München” aus zu erreichen.

Der nächste Fremdenverkehrsprospekt erschien 1933 oder 1934, die Fotografien stammen alle aus dem Fotoatelier Hintermaier:

Im Jahr 1954 konnte der Fremdenverkehrsverein unter anderem aus dem Erlös des Frühlingsfestes 1953 neue Prospekte drucken lassen.  Der Entwurf und die Linolschnitte stammten vom Künstler Rolf Ege, einem Münchner Künstler und Grafiker. Die Texte verfasste Wolfgang Koller, gedruckt wurden 8000 Stück.

 

1954 Einzug des Landrats Dr.Streibl und Bürgermeister Johann Eichmeier

Das Kaufhaus Obermaier und der Aufgang zur Kirche.

Links ein Ausschnitt aus dem Prospekt, rechts beim Einzug des Bürgermeisters zum Volksfest 1953

 

 

Den ganzen Prospekt finden Sie hier:

Im Jahr 1965 berichtete der Kulturverein, dass die letzten Prospekte verbraucht seien und beschloss eine Neuauflage bzw. eventuell einen neuen Prospekt herauszubringen, für dessen Bilder auch ein Farb-Foto-Wettbewerb veranstaltet werden sollte. Leider gibt es keine Unterlagen oder gar Fotos aus diesem Wettbewerb. Anfang der 70er Jahre wurde dann der neue Prospekt herausgegeben, mit einer Glonnerin als Titelschönheit!

Den ganzen Prospekt finden Sie hier

Das erste Volksfest nach dem Krieg

Der 1952 wiedergegründete Verkehrs- und Verschönerungsverein organisierte für den Mai 1953 ein 9-tägiges Volksfest mit gleichzeitiger Landmaschinen- und Gewerbeausstellung. Festwirt des 1200 Gäste fassenden Zeltes war Hans Wagner, der Wirt der Gaststätte Huber und Inhaber der gleichnamigen Metzgerei; ein beeindruckendes Aufgebot an Schaustellern und Rahmenprogramm wurde auf die Beine gestellt. Mit dabei waren ein Kettenkarussell, ein Autoscooter, ein Kinderkarussell, und eine Schiffschaukel, ein “moderner Eispalast”, ein Alpenschützenhaus, 2 Schießbuden, ein Städteblinker und  Schlaghammer, wie der beauftragte Veranstalter Georg Trifellner ankündigt. Mit dem Erlös sollte der neue Fremdenverkehrsprospekt finanziert werden. Und tatsächlich strömten trotz schlechten Wetters zehntausende Menschen auf die Festwiese.

Die Festwiese 1953 mit Riesenrad

Nachdem der Festwirt, die Kapelle, die Vereine und einzelne Berufsgruppen auf geschmückten Wagen eingezogen waren, nach Standkonzert und Ansprachen, ließ man sich im Festzelt von der Blaskapelle „Otto Ebner“ des bayerischen Rundfunks, vom Roider Jackl und Georg Blädl  unterhalten, wählte eine Schönheitskönigin, fuhr auf dem Riesenrad, Kettenkarussell, oder Autoscooter, bewunderte die Artistengruppe „Rilke“ die auf einem Hochseil vom Marktplatz zum Kirchturm ihre Kunststücke zeigte. Der Bauerntag, sowie der Tag der Heimatvertriebenen, mit prominenten Rednern, eine Gewerbeausstellung im Schulhaus und die Landmaschinenausstellung zogen weitere tausende Besucher an. Das Volksfest wurde ein großer Erfolg, das Ziel des Verkehrsvereines, den Fremdenverkehr zu unterstützen wurde erreicht: durch den Erlös konnten 8000 Prospekte gedruckt und verteilt werden – und im Jahresbericht 1954 konnte der der Verkehrsverein dann von einem Anstieg der Übernachtungen auf 7346 gegenüber 1200 im Jahre 1952 berichten!

Hier gehts zur Bildergalerie: Alle Bilder: Kulturverein Glonn

 

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Kaufvertrag vom 20.2.1858

Kaufvertrag

Zwischen Johann Sedlmair Zimmermeister von Glonn und Jodeph Angerer Krämmer von da

Es erscheinen Obige und geben nachstehenden Kauf zu Protokoll

Joseph Angerer erkauft das Zimmermeister Anwesen bestehend in 1/16 Gütl von 5 Tagwerk Gründen um die Summe von 4250 fl / viertausendzweihundertfünfzig Gulden / unter nachstehenden Bedingungen:
1.
Beim Hause verbleiben die ganze Küche, sämtliches Futter. Eine Windmühle, die Gsottbank, 6 Hühner, 1 Schubkarre, die vorhandenen Schaufeln und Gabel, dann eine Holz und Spansäge und der Düngerhaufen.
2.
Von der Kaufsumme zu 4250 fl werden am Verbriefungstage 2900 fl bar erlegt und die restlichen 1750 fl nach einem halben Jahre vom 28.Februar 1858 an.
3.
Als Reugeld bedingen sich beide Theile die Summe von 100fl.
4.
Die aus diesem Kaufe erlaufenden Gerichtskosten übernimmt der Käufer, jedoch ohne Ablösungskosten, welche nach Erklärung des Verkäufers schon bezahlt sind.
5.
Die Auträglerin Maria Beham bleibt auf dem Anwesen unter der Bedingung des Vertragsbriefes vom 30ten April 1838 und entschlägt sich der Käufer jeder Zahlungspflicht als Hypothek und Currentschulden
Hiemit nach Verlesen geschloßen und unterzeichnet
Glonn am 20.Febr.1858

Kath.Sedlmair
Joh. Sedlmair
Joseph Angerer

Gruber Vorsteher
I.Wimmer Pfleger

 

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Kaufvertrag 1858

Kauf Vertrag von 1858

Abgeschlossen zwischen Martin Zehetmair Weber in Mattenhofen und Peter Heller Webergeselle der Gemeinde Bruckhof

Es erscheinen Obige und geben nachstehenden Kauf zu Protokoll
1.
Peter Heller kauft das Webergütl zu Mattenhofen mit Webergerechtsame um die Summe von 2100fl  / zweitausendeinhundert Gulden / unter nachstehenden Bedingungen
Beim Hause verbleiben das um das Haus aufgerichtete Brennholz und Milchkasten, das Kanappe. Ein Tisch, sämtlicher Dünger, 2 Weberstühle mit den dazugehörigen Werkzeugen, die vorhandene Fütter…(?) , ein Geschirr Kasten nebst einer Windmühle, dann 2 Metzen Korn.
2.
Käufer übernimmt 100fl / einhundert Gulden / Hypothek Kapital zur Kirche Glonn und 75 fl zur Kirche Jakobsbaiern und sind sonach, nach Empfang von 25 fl Darangeld am 7.ten(?) April 1858  1900 fl / eintausendneunhundert Gulden / auszubezahlen.
3.
Vom 1.April angefangen übernimmt der Käufer alle auf dem Haus ruhenden Lasten und Abgaben sowie die Zinsenfür die 175 fl Hypotheken. Die Gerichtskosten hingegen übernimmt der Käufer alleinig.
4.
Als Reugeld bedingen sich beide Theile 100 fl /hundert Gulden/.
5.
Sollte der Verkäufer bis 1ten April 1858 keinen passenden Ankauf haben, so kann er noch fünf Monat im Haus verbleiben
Hiermit nach Verlesen unterzeichnet

Peter Heller
Martin Zehetmaier
Maria Zehetmaier
I.Wimmer Pfleger
Lorenz Kirmair
Johann Reithuber
Thomas Grasberger

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Kaufvertrag 1858

Kauf Vertrag

Abgeschlossen zwischen Martin Zehetmair Weber in Mattenhofen und Peter Heller Webergeselle der Gemeinde Bruckh
Es erscheinen Obige und geben nachstehenden Kauf zu Protokoll

1.
Peter Heller kauft das Webergütl zu Mattenhofen mit Webergerechtsame um die Summe von 2100fl  / zweitausendeinhundert Gulden / unter nachstehenden Bedingungen
Beim Hause verbleiben das um das Haus aufgerichtete Brennholz und Milchkasten, das Kanappe. Ein Tisch, sämtlicher Dünger, 2 Weberstühle mit den dazugehörigen Werkzeugen, die vorhandene Fütter…(?) , ein Geschirr Kasten nebst einer Windmühle, dann 2 Metzen Korn.
2.
Käufer übernimmt 100fl / einhundert Gulden / Hypothek Kapital zur Kirche Glonn und 75 fl zur Kirche Jakobsbaiern und sind sonach, nach Empfang von 25 fl Darangeld am 7.ten(?) April 1858  1900 fl / eintausendneunhundert Gulden / auszubezahlen.
3.
Vom 1.April angefangen übernimmt der Käufer alle auf dem Haus ruhenden Lasten und Abgaben sowie die Zinsenfür die 175 fl Hypotheken. Die Gerichtskosten hingegen übernimmt der Käufer alleinig.
4.
Als Reugeld bedingen sich beide Theile 100 fl /hundert Gulden/.
5.
Sollte der Verkäufer bis 1ten April 1858 keinen passenden Ankauf haben, so kann er noch fünf Monat im Haus verbleibe
Hiermit nach Verlesen unterzeichnet

Die Windmühle

Windmühle

In den ersten Protokollbüchern der Gemeinde ab 1857 finden sich unter anderem einige Niederschriften von Kaufverträgen, deren Vertragsbedingungen vor der Beurkundung von den Beteiligten und dem Gemeindevorsteher unterschrieben wurden. Dies gehörte neben der Verleihung von Heimatrechten, der Verwaltung des Gemeinde- und Stiftungsvermögens, der Mitsprache bei der Vergabe von Gewerbekonzessionen, der Armen- und Schulpflegschaft und ortspolizeilichen Aufgaben zu den sehr eingeschränkten Selbstverwaltungsrechten der Gemeinde um diese Zeit. Die Verwaltungshoheit lag bei den königlichen Landgerichten und später bei den königlichen Bezirksämtern.
Erst mit den Gemeindereformen von 1869 wurde den Gemeinden zunehmend mehr Selbstverwaltung zugestanden.

In den Kaufverträgen ist neben dem Kaufpreis auch die Auflistung der Dinge interessant, die beim Haus bleiben oder mitverkauft werden – hier zeigt sich die Wertigkeit von Tisch, Kanapee, Bett oder Kasten, deren Verkauf genauso geregelt wurde, wie der von Holz, Stroh oder Saatgut oder eben landwirtschaftlichen Maschinen. Den Wortlaut zweier Kaufverträge von 1858 und das Original finden Sie hier und hier

In einigen Verträgen wird auch eine „Windmühle“ erwähnt.
Eine solche Windmühle, auch Putzmühle, Windfege oder auch Rotationsworfelmaschine war eines der ersten Sammlungsstücke des Glonner Heimatmuseums – leider ist nicht überliefert, von wem sie stammt. Mit ihr wird nicht – wie der Name nahelegt – Getreide gemahlen, sondern das gedroschene Getreide gereinigt und von der Spreu getrennt. Zum selben Zweck wurde auch die Klappermühle benutzt, eine solche steht ebenfalls im Heimatmuseum, sie stammt von Egid Huber in Balkham, der sie im Jahr 1990 dem Heimatmuseum schenkte.

Von Frau Mittermüller aus Westerndorf stammen dankenswerterweise die folgenden Aufnahmen einer Windmühle, die noch in ihrer Kindheit auf dem elterlichen Hof in Steinhöring bis ca. 1960 benutzt wurde. Zu dieser Zeit  allerdings mit Elektromotor. Gemeinsam mit ihrem Neffen Hans Seehuber hat sie die Windmühle ganz hinten im Stadel gefunden und ans Tageslicht befördert. Vielen Dank dafür! Auf der Windmühle ist auch der Hersteller benannt, Wolfgang Forstner aus Steppach bei Wasserburg, heute zur Gemeinde Edling gehörend. Der Schreinereibetrieb Forstner befindet sich noch heute in vierter Generation in den Händen der Familie – Wolfgang Forstner war der Urgroßvater des heutigen Firmeninhabers Willibald Forstner.

Bild 1                               Bild 2                  Bild 3                                Bild 4

Windmühlenmacher war ein Lehrberuf, in Verzeichnissen der königlichen Landwirthschafts- und Gewerbsschule in Straubing finden sich unter den Schülern und Gesellen einige Windmühlenmacher. Im Jahre 1864 stellte der Windmühlenmacher Franz Stadlmaier aus Schrobenhausen 3 Putzmühlen und einen Gesottstuhl zum Verkauf aus, der Preis für die Putzmühlen betrug 110, 90 oder 80 Gulden: Verzeichnis der zur Ausstellung während des Oktoberfestes … im Glaspalaste und auf der Theresienwiese zu München angemeldeten landwirthschaftlichen Ausstellungsgegenstände der zur Ausstellung im Glaspalaste angemeldeten Cultur-Pläne. 1864
Für seine landwirtschaftlichen Maschinen erhielt Franz Stadlmaier im Übrigen dort auch die kleine silberne Gedenkmünze als Auszeichnung.
Bereits im Jahresbericht der königlichen landwirthschaftlichen Centralschule zu Schleißheim von 1841 werden die Funktionsweise und die Vorzüge  einer solchen Getreideputzmühle ausführlich beschrieben.

Und wir immer: wenn Ihnen dazu etwas einfällt: Geschichten, Bilder, Erinnerungen … dann melden Sie sich bitte im Archiv!

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Der Eisgalgen

Und so stand der Eisgalgen im Winter auf  dem Pfarrgrundstück hinter dem damaligen Lederer Anwesen – so wurde er vor allem vom “Huberwirt” für die Metzgerei genutzt.

Vielen Dank an Frau Hintermaier, deren Mann Franz Hintermaier das Foto um 1960 herum aufgenommen hat, und die es uns freundlicherweise  – zusammen mit vielen anderen interessanten Aufnahmen von Glonn – zur Verfügung gestellt hat!

Der Eisgalgen auf dem Pfarrgrundstück in voller Pracht Der Eisgalgen in Glonn

Foto: Franz Hintermaier/Archiv Glonn

Der Eisgalgen hinter dem Lederer Anwesen ca. 1954

Foto: Aero Express München/Besitz Kulturverein

Wenn man genau hinschaut, sieht man auf dem Ausschnitt der Luftbildaufnahme von ca. 1955 ein Holzgestell im Garten des Pfarrhofes direkt hinter dem „Lederer-Anwesen“, heute „Schuh und Sport Obermair“, ungefähr dort, wo heute die Freifläche des Kindergartens ist. An diesen „Eisgalgen“ als Spielplatz seiner Kindheit hat sich Leonhard Huber erinnert und ihn nach geduldiger Suche auch auf einer Luftaufnahme von Mitte der 50er Jahre gefunden. Auch zwei seiner Schulkameraden, die er befragte, können sich noch gut an das Gerüst zur Eisherstellung erinnern. Zum Eisgalgen, einem Gestell, das auf einer Fläche von ungefähr 5*5 Metern gebaut war und im Winter zur Eiserzeugung mit Wasser überspritzt wurde, führte vermutlich eine Wasserleitung und das Gerüst wurde im Winter mit Wasser besprüht. Das auf diese Weise erzeugte Eis wurde durch den Huberwirt Johann Wagner im Eiskeller genutzt. Anna Obermair, Tochter des “Lederers” kann sich an das Gerüst auch noch aus ihrer Kindheit erinnern.
Auch der Wirt Lanzenberger hatte einen solchen Eiskeller im Furtmüllerweg.
Auf jeden Fall erinnert  sich Leonhard Huber an dieses Gestell als Spielplatz: „Im Sommer war es für uns Buben ein herrliches – verbotenes – Klettergerüst“, oder auch ein “ideales Fussballtor“, „im Winter, natürlich ebenfalls verboten, war es eine reizvolle gefährliche Spielerei mit riesigen Eiszapfen. Und ein toller Anblick war es natürlich ebenso!“
Hans Wagner, Sohn des “Huberwirts”, erinnert sich ebenfalls noch gut an das Abschlagen des Eises vom Eisgerüst und des Auffüllen des Eiskellers des “Huberwirts”. Das Eis diente hauptsächlich zur Kühlung für die Metzgerei, das kühle Bier war ein willkommener Nebeneffekt. Das Eis hielt sich im 3 Meter hohen Kühlhaus, in dem die Kühlräume seitlich und von oben mit Eis befüllt wurden, bis zum nächsten Winter! Bis zum Ende der 60er Jahre wurde die Kühlung mit Eis betrieben, danach wurde eine moderne Kühlanlage installiert. Das Auffüllen des Eiskellers dauerte ein bis zwei Tage und war eine schwere Arbeit für mehrere Männer, den Transport vom Eisgerüst zum Eiskeller übernahm unter anderem Sigmund Winhart – der “Winharts Mundl” – mit Pferd und Wagen. Später wurde dann auch Traktoren eingesetzt.

An drei weitere Standorte erinnert sich ein anderer Glonner: Auch am Postanger, beim Neuwirt und beim Schwaiger standen diese Eisgerüste, vielleicht auch nur temporär im Winter.

Wer erinnert sich ebenfalls an diese „Eisgalgen“? Wer hat eventuell weitere Informationen über Bauweise, Nutzungsdauer, Menge des hergestellten Eises, Abnehmer, vielleicht sogar Fotos etc.?

Dann melden Sie sich doch bitte im Gemeindearchiv Glonn
Vielen herzlichen Dank an Leonhard Huber für dieses wunderbare Fundstück!

Mehr zur Funktionsweise und Nutzung von Eisgalgen findet sich bei Wikipedia

Auf einem weiteren Luftbild von 1964 findet sich noch ein weiterer solcher Eisgalgen hinter dem Gasthof Lanzenberger:

Der Eisgalgen hinterm Lanzenberger Anwesen ca.1964          Foto: Deutsche Luftbild K.G./Privatbesitz

 

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Die Mietwaschküche

Die Mietwaschküche

Am 24.Oktober 1953 wurde sie bestellt, am 20. November geliefert, per Bahnfracht an die Bahnstation Glonn, die Original Miele Trommelwaschmaschine Nr.108 für Kohlefeuerung mit Drehstrom 220/230 Volt für DM 2350,- sowie die Original Miele Wäsche Schleuder Größe 2 für 8 Kilogramm Wäsche für 905,-. Einige Tage später trafen auch die bestellten Bottiche ein.

Aufgestellt wurden diese Geräte in der neuen Mietwaschküche, die die Gemeinde im Feuerwehrhaus einrichtete und in dem die Hausfrau  für 2 DM pro Waschgang ihre Wäsche waschen konnten. Zur Aufsicht und Anleitung wurde Juliane Gruber eingestellt, die bis dahin eine Wäscherei in Glonn betrieb und deren Geschäft, wie sie in ihrer Bewerbung um die Stelle schrieb, nach Eröffnung der Mietwaschküche nicht mehr lohnend sein würde.  Eine Spende in Höhe von 1000 Mark von Max Lebsche, gedacht als “Grundstock für Werke der Volksgesundheit“ , hatte diese Einrichtung unter anderem möglich gemacht. Die Mietwaschküche bestand bis 1964. In den ersten Jahren wurde die Waschküche intensiv genutzt – so verzeichnet die Gemeindekasse im Jahr 1954 im Januar Einnahmen von 208,50. Bei einer Gebühr von  2 DM pro Wäsche, wie im Gemeinderat von Nov. 1953 beschlossen, sind das über 100 Maschinen, die gewaschen wurden.  Juliane Gruber erhielt zuerst 30%, später 40% dieser Einnahmen als “Entschädigung”. Es ist anzunehmen, dass die Waschküche  sehr stark von Vertriebenen, Flüchtlingen und Evakuierten  Neu-Glonnern genutzt wurde, die zum Teil in sehr beengten räumlichen Verhältnissen in Glonn leben mussten. Die Statistik verzeichnet im Jahre 1954 893 Vertriebene und Evakuierte und 1987 Einheimische. Die Bevölkerung war nicht nur in Glonn nach dem Krieg schlagartig um 35% gestiegen,  sondern in allen anderen Gemeinden des Landkreises. Die Wohnungsnot war also auch im  Jahre 1954 noch entsprechend groß, nicht selten lebten ganze Familien in einem Zimmer zur Untermiete. Die Anschaffung einer eigenen Waschmaschine erübrigte sich in den 50er Jahren für die allermeisten Bewohner Glonns, kostete doch eine Miele Waschmaschine für den Privathaushalt  bis zu 2000 DM. Der Stundenlohn der Mauer und Elektriker,  die beim Ausbau der Waschküche beschäftigt waren betrug im Jahre 1954 zwischen 1.80 und 2.80. Einige Rechnungen der beteiligten Handwerksbetriebe – alle heute noch in Glonn bekannt –  finden sie hier :

Rechnung Firma Landthaler
Rechnung Schreinerei Bredenhöller
Rechnung Jos.Altinger Elektro

Mit den Jahren nahmen die Nutzung und damit auch die Einnahmen der Waschküche immer mehr ab, während z.B. die Stromkosten für den Betrieb zunehmend stiegen. Das Wirtschaftswunder machte sich nun auch in Glonn bemerkbar, der Wohlstand stieg und auch der Wohnungsbau war vorangekommen. Die meisten Glonner lebten in ausreichendem Wohnraum und hatten Arbeit gefunden, man konnte sich wieder ein bisschen was leisten – unter anderem auch eine Waschmaschine.

 

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