Als Glonn große Sprünge machte


von Hans Obermair
erschienen am12.11.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Veränderung in Natur und Leben vollzieht sich oft in Schüben. Also Ereignissen, die Grundsätzliches oder eine Richtung ruckartig beeinflussen. Die Gemeinde Glonn hat im laufe ihrer Geschichte mehrere derart prä-gende Entwicklungsschritte erlebt, die als Quantensprün-ge betrachtet werden können. Wenn auch die Entstehung keiner war, denn eine richtige Gründungsurkunde gibt es nicht. Und auch die Landschaft wurde durch den lnngletscher und die Jahrtausende geformt.

Die erste Erwähnung Glonns von 774 bezieht sich lediglich auf den Fluss und nicht auf den heutigen Ort. Ob die ersten Siedler ein Aha-Erlebnis hatten, um dauerhaft zu bleiben, ist fraglich. Es war wohl ein Kommen und Gehen, bis die Kelten den Fluss Clana nannten und dem Ort einen Namen gaben. Doch auch das ist nicht einzigartig, da es mehrere Clanas gibt. Die Römer könnten durch den Ausbau ihrer Verkehrswege den Raum bekannter gemacht haben. Steine und Lehm begünstigten den Straßenbau. Römerplätze wie Helfendorf und Oberseeon gibt es ja heute noch.
Mit der bedingten Schenkung von 774 wird der Bau einer Kirche in Georgenberg in Verbindung gebracht. Das Christentum brauchte solche Mittelpunkte, und Schenkungen stärkten die Verbindung zu Bistum und Bischof. Die Taufe war damals ein Untertauchen in fließendes Wasser, was in der Glonn auf jeden Fall, vielleicht auch beim Quellaustritt bei Georgenberg möglich war. Gräber belegen dort eine frühe Besiedlung. Ab 821 werden Priester in Glonn erwähnt, was auf eine Kirche schließen lässt. Diese Kirche war der Auslöser für Glonns zentrale Rolle und somit ein Quantensprung. 1315 wird Glonn als Pfarr- und Dekanatsort erwähnt, was die Bedeutung unterstreicht. Vor 1560 gab es in Glonn zudem bereits eine Schule.

Die Burg oder Schloss Zinneberg, 1235 erwähnt, war ein weiterer Pfeiler der Ortsentwicklung, erbaut aus Glonner Tuffstein. Sie war Arbeitgeber, Kunde und Sitz eines Ge-richts. Der Tuffstein war auch wichtig für den Bau und die Mühlsteine der Glonner Mühlen, die Kunden aus München anzogen, von denen nicht nur die Müller profitier-ten: 1857 hatten 53 von 54 Glonner Anwesen ein Gewer-be.

Glonn war Verwaltungseinheit und wurde um 1808/1818 Mittelpunkt der neuen Gemeinde. Die 1768 erbaute Kirche, eigentlich für die Seelenzahl damals noch viel zu groß, bezeugte die Entwicklung. Die Säkularisation 1803 traf nur Filialkirchen und arrondierte die Pfarrei.

Die Reichsgründung 1871, das Gewerberecht und die Währungsumstellung auf Mark legten den Grundstein für die Gründerzeit. Die Bauernbefreiung und verbesserte Anbaumethoden führten zu einem Bauboom. Die Bahn erreichte 1857 Westerham und 1872 Grafing, aber nicht Glonn. Erst 1894 kam der Anschluss, was den Erholungssuchenden nach Glonn brachte. 1901 erhielt Glonn das Marktrecht, ein weiterer Quantensprung. 1928 wurden Schlacht, Reinstorf und Kreuz nach Glonn umgepfarrt.

1632 war Glonn Schlachtort und wurde fast völlig zerstört, beklagte an die 30 Gefallene. Die Pest forderte weitere Opfer. Der Wiederaufbau zeugte vom Überlebenswillen. Der Spanische Erbfolgekrieg brachte Besetzungen und Re-krutierungen. 1870 starben fünf Glonner im Krieg mit Frankreich, 1914/18 waren es 65. Die Arbeitslosigkeit, Hungersnot und Inflation nach dem Ersten Weltkrieg schadeten der Gemeinde. Der Zweite Weltkrieg forderte 91 Opfer. Diese Kriege waren negative Quantensprünge.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Ausgebombte aus München aufgenommen. Heimatvertriebene kamen hinzu. Trotz der Schwierigkeiten wurde angepackt und ein Wirtschaftswunder geschaffen.
Die Nachkriegsentwicklung der Marktgemeinde ist einzigartig. Probleme wie Wasser, Abwasser, Bauentwicklung und Verkehr wurden angegangen. Die Verwaltungsreform 1978 führte zur Verwaltungsgemeinschaft mit Bruck, Moosach, Baiern, Oberpframmern und Egmating, für alle sechs Gemeinden ein großer Schritt. Das erste Dorffest 1992 war ein gesellschaftlicher Quantensprung.

Das verhaltene Wachstum Glonns erleichterte wohl die Integration von Neubürgern. Das Vereinsleben ist ein gelungenes Beispiel dafür. Für viele Neu-Glonner bedeutete ih-re Ansiedlung hier sicherlich einen persönlichen Quantensprung. Zukünftige Quantensprünge werden nicht ausbleiben. Ein solcher könnte eine umweltschonende Umfahrung sein.

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