
von Hans Obermair
erschienen am 28.9.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung
In den frühen Tagen der Bildung in Glonn waren die Elternhäuser die ersten „Schulhäuser“. Dort wurde zwar nicht Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt, da die Eltern selbst oft keine formale Bildung hatten, jedoch wurden grundlegende Überlebensfähigkeiten und religiöse Erziehung vermittelt. Wer darüberhinaus Bildung sucht, musste sich Kloster-oder Pfarrschulen anvertrauen. Bei der Überlasung der pfarrer übernahmen Katecheten mit anderen berufen, wie mesner oder Handwerker, den Unterricht. Der Schulbetrieb fand meist in Kirchen oder Pfarrhäusern statt. Da es keine Schulpflicht gab, waren es meist Kinder bildungsbewußter Eltern, die diese Schulen besuchten. Der Religionsunterricht hingegen war verpflichtend, wodurch die Pfarrer Kontakt zu den Kindern hatten und talentierte Schüler fördern konnten. Neben diesen Schulen boten auch Eremiten, die zurückgezogen lebten, Unterricht an.
Ein erstes eigenes Schulhaus in Glonn könnte schon vor dem Dreißigjährigen krieg existiert haben. Die erste Erwähnung einer Schule stammt aus dem Jahr 1560. Pfarrer Amann berichtete 1810 von einem Schulhausbau nach dem Schweden krieg, das aus den Steinen abgebrannter Häuser errichtet wurde. Die Schweden waren 1632 in Glonn, wobei fast alle Gebäude niederbrannten. Möglicherweise war eine Schule darunter. Pfarrer Johann Schmalzmair, der von 1634 bis 1644 in Glonn tätig war, könnte das Schulhaus wieder aufgebaut oder erstmals errichtet haben. 1666 wurde es als “Katzmayrhäusl” bekannt, benannt nach einem Lehrer, der 1642 verstarb, was darauf hinweist, dass das Gebäude bereits 1642 existierte.
Das Schulhaus stand vermutlich auf einem Grundstück, das zum Pfarrhof gehörte. Lehrer Knöpferl erwähnte 1793, dass er dort wohnte und unterrichtete. Der Ortsplan von 1810 zeigt, dass das Schulhaus vor dem heutigen Kaufhaus Obermaier stand. In einem Bericht von 1801 wurde die Schule als „Schulhütte” beschrieben, die für einen Schmierbrenner zu schlecht und unbequem sei. Forderungen nach einer Erweiterung oder einem Neubau wurden immer lauter, besonders weil die Witwe des Lehrers Knöpferl ebenfalls dort wohnte. Reparaturen wurden 1802 durchgeführt, jedoch blieb das Schulhaus unzureichend.
Mit der Einführung der Schulpflicht 1802 wurde die Erweiterung des Schulhauses dringlich. Ein Neubau schien jedoch aufgrund fehlender Handwerker und finanzieller Mittel schwer realisierbar. Kooperator Waltl schlug einen Neubau an einem ruhigeren Ort vor, da das alte Schulhaus an einem belebten Platz stand. Sein Finanzierungsplan umfasste Reparaturgelder, den Verkauf des alten Schulhauses und Beiträge von umliegenden Gemeinden. Trotz der Anerkennung durch das Landgericht verzögerten sich die Bauarbeiten.
Die baurechtlichen Anforderungen wurden 1803 festgelegt, darunter eine ruhige Lage und ausreichende Belüftung. Ein geeignetes Grundstück zu finden, blieb jedoch eine Herausforderung. Pfarrer Frank bot zwei Plätze an, die jedoch nicht überzeugten. Ein Neubau auf dem „Furthmüllerpoint” wurde favorisiert, aber nicht realisiert. Nach Franks Tod 1803 übernahm Pfarrer Benno Amann, der die Grundstücksfrage erneut stellte. Ein Erweiterungsplan von 1804 sah eine Vergrößerung des alten Schulhauses vor, jedoch blieb der Neubau auf der „Furthmüllerpoint” bevorzugt.
Bis 1810 geschah wenig. Pfarrer Amann appellierte an den König, da das Schulhaus mehr einem Kerker als einer Schule glich. Die politische Gemeinde, seit 1808 existie-rend, war verarmt. Ein neuer Plan von Meister Vorherr aus München wurde erstellt, aber Amann verstarb 1810. Sein Nachfolger, Pfarrer Moser, begann schließlich den Bau auf Pfarrgrund, der jedoch unvollendet blieb. In einem Schreiben von 1814 wurde berichtet, dass Moser „bei Nacht und Nebel” nach Tirol abgezogen war, jedoch hinterließ er Glonn eine neue Schule, die bis 1838 genutzt wurde.

