Als die Glonner Kirchen schwanden


von Hans Obermair
erschienen am 29.10.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Die Säkularisation veränderte die kirchliche Landschaft in der Gemeinde grundlegend.

In der Gemeinde Glonn und ihrer Umgebung reihen sich sechs Filialkirchen wie ein Kranz um die zentrale Pfarrkirche: Schlacht, Adling, Haslach, Kreuz, Frauenreuth und Münster. Diese Kirchen sind Zeugen einer langen Ge-schichte, die bis in die Säkularisation zurückreicht. Neben diesen Filialkirchen gibt es auch die Kirchen in Zinneberg, im Marienheim und in Georgenberg, die kirchenrechtlich keine Filialen, sondern Eigenkirchen sind. Während die Kirchen in Zinneberg und im Marienheim neueren Datums sind, haben die anderen eine Säkularisationsgeschichte, die geprägt ist von Abrissen und Umstrukturierungen. Die Kirchen von Steinhausen, Doblberg und Sonnenhausen fielen der Säkularisation zum Opfer und wurden „demoliert“.

Die Säkularisation war ein Prozess, der die uralten Strukturen und Institutionen der katholischen Kirche, wie Pfarreien, Kirchen und Klöster, im Zuge der Aufklärung politisch hinterfragte. Besonders im alten „Baiern“ wurden die Eigentumsverhältnisse der Klöster und Pfarreien kritisch betrachtet. Diese besaßen oft große Anwesen oder Grundstücke, die als „Obereigentum“ gegen Abgaben an „Untereigentümer” verliehen wurden. Der Reichsdeputationshauptschluss übertrug viele geistliche Besitzstände an den Staat, mit Genehmigung des Papstes und ohne großen Nachteil für die Kirche. Die Einführung der Kirchensteuer schuf einen Ausgleich.

In der Gemeinde Glonn hatte die Säkularisation weitreichende Auswirkungen. Die Kirche von Steinhausen, die dem Heiligen Nikolaus geweiht war und 1416 erstmals erwähnt wurde, war eine Eigenkirche der Herren von Steinhausen. Die Kirche maß gut 12 mal 5 Meter und wurde 1812 abgerissen. Trotz Bemühungen der Bevölkerung, das Gotteshaus zu retten, wurde das Inventar der Kirche zu einem guten Preis versteigert. Der Rohbau ging an einen Zimmermann, der das Material weiterverwendete.

Auch die Kirche in Schlacht wurde als entbehrlich eingestuft. 1807 zur Versteigerung angeboten, blieb sie jedoch bestehen, da nur Einrichtungsgegenstände verkauft wurden. 1813 wurde erneut die „Demolation“ verfügt, doch das Grundstück wurde von einem Finanzdirektor gekauft, der ein „Bethaus” errichten durfte. Dies rettete zumindest den Altarraum, und die Kirche ist heute noch ein Teil der Gemeinde.

Die Kirche in Kreuz, mit ihrer Weiheurkunde von 1268 und einer Wallfahrtstradition, wurde ebenfalls als entbehrlich angesehen. Trotz der Bedeutung der Kirche, die auch einen Friedhof besaß, wurde ihre Demolierung in Betracht gezogen. Die Kreuzer setzten sich jedoch erfolgreich für den Erhalt ihrer Kirche ein und boten sogar finanzielle Unterstützung für den Bau einer Schule in Glonn an. Dies führte zur Gründung einer eigenen Pfarrei, was die Kirche vor dem Abriss bewahrte.

Die Kirche von Doblberg, die bereits 1418 als Glonner Filiale erwähnt wurde, wurde ebenfalls abgerissen. Die Kirche war sehr baufällig, und 1807 wurde der Abbruch beschlossen. Die besondere Tragik des Abrisses: der Tod der beiden Mesnerbrüder Johann und Josef Feichtner, die dabei ums Leben kamen.

Die Kirche in Adling, die dem Heiligen Lampert geweiht ist, konnte durch das Engagement der Gemeinde gerettet werden. Trotz der Einstufung als „entbehrlich” bot die Gemeinde 170 Gulden für den Erhalt der Kirche und übernahm die Baulast. Dies führte dazu, dass die Kirche bis heute erhalten blieb. Die St. Ulrichskirche in Sonnenhausen überstand die Säkularisation nicht. Der Ort bestand nur aus einem Anwesen, und die Kirche wurde als entbehrlich angesehen. Sie wurde abgerissen, während die Schlosskapelle in Zinneberg als Hauskirche bestehen blieb.

Auch die Kirche in Georgenberg, die als „Urkirche” der Pfarrei gilt, wurde als entbehrlich eingestuft. Die Bauern in Georgenberg kauften die Kirche für 140 Gulden und bewahrten sie so vor dem Abriss.

Die gotische Kirche in Haslach, bekannt für ihre wertvolle Ausstattung, wurde ebenfalls als entbehrlich betrachtet. Pfarrer Amann argumentierte jedoch, dass die Kirche eine „Sepultur“ habe, was sie vor dem Abriss schützte. Vermutlich bezog sich der Pfarrer auf Gräber aus dem 30-jährigen Krieg, die als Beweis für die Bedeutung der Kirche dienten.

Die Kirchen in Glonn, Münster und Frauenreuth blieben von der Säkularisation unberührt, da ihre Friedhöfe weiterhin genutzt wurden. Die Säkularisation war zweifellos ein einschneidendes Ereignis für die kirchliche Landschaft in Glonn. Sie legte einerseits den Grundstein für die Bauernbefreiung von 1848, führte aber auch zur Vernichtung vieler wertvoller Kunstgegenstände und historischer Dokumente.

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