
von Hans Obermair
erschienen am 15.2.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung
Warum gibt es Glonn? Warum sind hier Leute „hängen geblieben”? Warum haben diese den Platz zum Ort und zum Markt gemacht? Eigentlich Fragen, die sich die Glonner und erst recht die Kommunalpolitik auch heute noch permanent zu stellen haben. Zukunft besteht ja aus der Vergangenheit.
Warum gibt es Glonn? Grund sind nicht die Bodenschätze oder irgendwelche Heilquellen, nicht das Klima oder das Wetter, nein, Grund ist schlicht und einfach das Wasser. Noch dazu ein Wasser, das in der Nähe aus Quellen oder aus der Tiefe kommt; unverbraucht und kaum belastet, gäbe es da nicht den hohen Kalkanteil. Für den heutigen Wasserkonsumenten zu viel, aber für die Entwicklung Glonns ein Segen: Der Tuffstein, besteht aus diesem Kalk, der sich unter Mitwirkung bestimmter Moose über die Jahr-tausende aus dem fließenden Wasser herauslöste und sich als wertvoller Baustoff bis zu einer Mächtigkeit von fünf Metern ablagerte. Nicht nur unsere Kirchen, viele Häuser, der Ortsname Steinhausen erinnern daran, sondern auch die vielen Mühlsteine, die das Getreide für unser „täglich Brot” aufbereiteten.
Wasser ist auch das Medium, das unsere Landschaft gestaltete. Zuletzt war es der Inn-Gletscher in der letzten, der „Würmeiszeit”, der uns mit seiner Eismächtigkeit bis hin zu den Endmoränen, die herrliche Landschaft ,,aushobelte” und Berge und Täler hinterließ. Täler die sich durch die ablaufende Gletscherschmelze zu Flusstälern gestalteten: Als Hauptader das Glonntal, das uns über Mangfall, Inn und Donau die Verbindung zum Schwarzen Meer schenkt. An die 30 Quellen sind es unterhalb des Weilers Ursprung, die die Glonn bilden. Gleichsam vom Gewicht der beiden Höfe wird der neue Fluss aus dem Berg ins Mühltal gepresst, gespeist aus dem Grundwassersee der Münchner Schotterebene.
Die Kelten nannten den Fluss den „klaren-reinen” eben Clana. Sie haben uns damit unseren schönen Ortsnamen gegeben. Die Glonn, allein im Oberlauf, ist auch die, die früher fünf Mühlen antrieb. Aber auch der „Lohmühle” des Gerbers und der Pumpe für die Zinneberger Wasserversorgung verlieh die Glonn ihre Kraft. Heute liefern diese Glonnmühlen wie auch die anderen umweltfreundlichen Strom.
Dann das von Süden und damit aus dem Bezirk Aibling kommende Wasser des Kupferbachtals. Früher auch die „Laus” genannt, weil es eben von dort (Unterlaus) kam. Auch Chronist Dunkes schreibt von der „Lauß”. Nachdem diese den aufgestauten „Lauser Weiher” speist und durchläuft, fließt das Wasser durchs Moor unter Spielberg. Das gibt dem Bach seine kupferne und damit namensgebende Farbe. Bei Reisenthal, dessen Hof bis zur Säkularisation dem Pfarrer von Aibling grundbar war, wurde der Kupferbach durch das klare Wasser des „Augrabens” gestärkt. Mächtiger geworden, kann es dann schon nach rund zwei Kilometer der Wiesmühle seine Kraft geben. Schaut man die Flurkarte von 1810 an, muss der Bach dann vor Glonn immer wieder in die Breite gegangen sein, denn von der Kirche bis zur Wiesmühle finden wir kein Haus. Es war eben wegen der Nässe nicht möglich. Als nächstes tauchte der Glonner Messerschmied das Wasserrad seiner Schleifmühle in diesen Bach. Nach ein paar Hundert Metern ist es der Schmied für seinen Hammer. Zwischen beiden ist der „Bader”, der sich auch „Chirurg” und „Balneator” nennt, und taucht seine Schöpfkelle oder gar den ganzen Patienten in die Fluten des Kupferbaches. Pfarrer Kneipp lässt wohl auch in Glonn grüßen.
Mit dem Schrankenbach von Norden, hat sich Glonn endlich zum „Dreiflüsseort” gesteigert. Bis der Lauf der Glonn in der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Ortsmitte in den Norden verlegt wurde, mündete der Schrankenbach in die Glonn erst in der Ortsmitte. Warum dieser auch „Donisbach” heißt: Ob er beim Anwesen des „Wasenmeisters” oder „Abdeckers” (Kadaververwertung), mit Namen Dionys (Donisl) Hartl, entspringt, oder auch für diesen eine Abwasserfunktion hatte, sei dahin gestellt. Dass es neben den drei Bächen auch noch viele Quellen gab, die für häusliche Versorgungen genutzt wurden, kam natürlich auch Mensch und Tier zugu-te.
Glonn ist also in eine Flusslandschaft eingebettet. Mit allen Vor- und Nachteilen. Und so kann es in Glonn, auch als es noch keine Wasserleitungen gab, nie ernste Wasserprobleme gegeben haben. Aber auch für die Bekämpfung von Feuersbrünsten war man immer gut gerüstet. Dass man am Ufer der Glonn für Glonner und Umliegende sogenannte „Krautgärten” anlegen konnte, weil eben Wasser zum Gießen da war, mag so manche Kost aufgebessert haben. Von den Fischen, die ebenfalls den Tisch bereicherten, gar nicht zu reden. Deshalb waren auch die Fischrechte Jahrhunderte im Eigentum der Zinneberger. Was verboten ist, schmeckt natürlich besonders gut. Das wussten auch die Buben, und nicht nur die.
Dieser vom Wasser gebildete und von ihm durchzogene Boden brachte auch Probleme. Jeder Meter des Glonner Untergrunds kann deshalb, horizontal und vertikal, anders sein. Von der Kohle unterm Schulhaus bis hin zu Tuff und Torf kann hier alles nahe beieinander liegen. Und so wurde schon manche Baukalkulation über den Haufen geworfen, bis hin zum Konkurs.
In Glonn kann Bauen teurer sein, auch wegen der Bachabstände, die einzuhalten sind. Wo viel Wasser ist, kann auch das Hochwasser eher zuschlagen. Immer wieder mussten Anlieger zusehen wie ihr Anwesen „durchflutet” wurde – mit immensen Schäden, materiell und gesundheitlich. In feuchten Häusern zu wohnen, ist eben ungesund. Dass man dann immer wieder versuchte, solches zu verhindern, liegt auf der Hand. Begradigen und tiefer legen sind dann notwendige Maßnahmen. Der erste Wasserbau wird von den Müllern ausgegangen sein, die damit das Wasser auf ihre ,,Mühlen” lenkten.
Gehen wir ins 19. Jahrhundert. Wasserbauprojekte, ,,Kultivierung” genannt, prägen heute noch unsere Landschaft an Kupferbach, Schrankenbach und Glonn. Die Überflutungen der Ufergrundstücke sollten damit gemindert werden. Dass damit auch die Bewirtschaftungsflächen vergrößert wurden, diente auch der Verbesserung der Nahrungsgrundlage und das bei steigenden Bevölkerungszahlen. Hinzu kommt, durch die „Entsumpfung” wurde die Mückenplage mit all ihren Nebenwirkungen reduziert. Dies war ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt.
An Hand- und Spanndiensten der Beteiligten hat es sicher nicht gemangelt, aber auch nicht an behördlicher Mitwirkung. Ab 1863 ging man im Kupferbachtal ans Werk. Ein stark mäandernder Bach wurde in die „Gerade” gezwungen. Wohl auch deswegen, um mehr und schnelleres Wasser auf das Wasserrad der Wiesmühle zu bringen. Der Teil nach der Wiesmühle wurde dann ab 1946 „reguliert”. Diese Maßnahme war dem Hochwasser geschuldet. Ebenfalls 1863 ging es in einem weit größerem „Kulturprojekt” der Glonn an die „Mäander”. Wie es heißt, wurde „ab dem Orte Glon bis zur Obermühle (Piusheim)” reguliert. Mit errechneten Gesamtkosten von 2100 Gulden. Im Vorbericht heißt es, dass der gekrümmte Lauf besonders nachteilig sei, weil die anliegenden Wiesen in einem versumpften Zustand sind. Auch Überschwemmungen gäbe es. Zu regulieren waren 240 Tagwerk von 46 meist kleineren Landwirten. Für die war es auch eine Existenzfrage. Es entstand eine eigens gegründete Kulturgenossenschaft, deren Vorstand hatte für die Durchführung zu sorgen. Die Kosten wurden wohl nach Fläche umgelegt. Anhand der Flurkarten war die Schrankenbachregulierung schon 1857 abgeschlossen.
Dass die Herkunft Glonns viel mit Wasser zu tun hat, das ergibt sich auch seit 1931 aus dem Glonner Wappen: Mühlrad und Forelle. Das Mühlrad ist nur mehr Zeichen für das Wasser und seine Kraft. Die Forelle möge noch lange ein real existierendes Symbol bleiben. Vielleicht könnte dafür die fossile Schnecke, die man vor zwei Jahren beim Kanalbau unter der vielleicht 15 000 Jahre alten Tuffablagerung gefunden hat, ein Vorbild sein.

