von Hans Obermair
erschienen am 18.1.2024 in leicht veränderter Form im Lokalteil der Ebersberger Zeitung
Die Marktgemeinde feiert 1250 jähriges Bestehen
Obwohl in der Niedermairchronik von 1909 schon die Schenkung vom 31.3.774, als erste urkundliche Erwähnung des Namen Glonn enthalten ist, ist für 1924 keine 1100 Jahrfeier erwähnt. Dass damals die Glonner nicht feierten, hängt wohl mit den Umständen der Zeit zusammen. Dagegen wurden 1974 die 1200 Jahre ein ganzes Jahr lang ausgiebig begangen. Ein 1200-Jahr-Emblem, viele Zeitungsberichte, insbesondere eine Festschrift von Wolfgang Koller, aber auch viele persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen sind noch präsent. Auch das traurigste Ereignis des Festjahres, der plötzliche Tod von Wolfgang Koller während der Festansprache am 28.4.1974, wird dauernd in Erinnerung bleiben.
Die Urkunde von 774, ist Teil der Freisinger Traditionen, die uns der Historiker Bitterauf aufbereitet hat. Die Urkunde verweist auf eine Schenkung, in der ein gewisser Ratbot, an die Marienkirche in Freising und wohl auch dem bischöflichen Haus, Freising war seit 739 Bistum, seine Ländereien an „Mosaha“ und „Clana“, also an Moosach und Glonn nach seinem Tod übergeben wird. Ratbot war Sohn und Erbe des Criminus. Woher dieser die geschenkten Güter hatte, ist nicht bekannt. In der Urkunde ist die Rede von Wiesen, Weiden, Wäldern und fließenden Gewässern. Diese Aufzählung lässt darauf schließen dass es sich, eventuell auch nur teilweise, um bewirtschafteten Boden handelte, der von einem „Landgut“ aus betreut wurde. Es ist in der Urkunde auch von Häusern und Höfen die Rede. Einen Ort oder Sitz hierzu muss es wohl gegeben haben. Es ist aber weder Moosach noch Glonn als Ort, sondern nur als Fluss genannt. Obwohl es Glonn, durch zahlreiche Funde belegt, 774 schon als „Platz“ gegeben haben muss. Der Ort Moosach wird laut Chronik 788 erstmals erwähnt. Also hat es schon bestanden und kann damit auch wesentlich älter sein.
Anhand der Beschreibung des Schenkungsgutes könnte es sich auch um ein größeres Areal handeln. Dies wäre an der Moosach möglich von der Quelle in der Nähe des Steinsees bis zur Attel und an der Glonn von Glonn/Mühltal/Ursprung bis Aibling. Gemeint sind wohl aber nur die beiden oberen Flussläufe. Hier gibt es auch geschichtlich bedeutende Orte beziehungsweise Sitze: Zum Beispiel Altenburg, Falkenberg, Zinneberg, Sonnnenhausen. Wenn diese Orte auch erst später erstmals beurkundet sind, können sie auch wesentlich älter sein. Der wahrscheinlichste Ort von dem das Schenkungsobjekt aus bewirtschaftet wurde, ist der Platz Georgenberg. Noch 1554 können wir aus dem Feuerstättenbuch entnehmen, dass die beiden „ganzen“ Höfe („Moar“ und „Dumberger“) in Georgenberg als einzige im Glonner Gäu im Obereigentum des „Capitels“ von Freising sind. Ein weitere Tatsache dass Georgenberg der Ort des Ratpot gewesen sein wird: Am 20. Januar 813 hat Bischof Hitto aus Freising jene Kirche in Georgenberg eingeweiht. Und wie Meichelbeck feststellt, hat Hahmunt die Schenkung, es dürfte sich um die von 774 handeln, erneuert. Dies macht wahrscheinlich, dass es eine Beziehung zwischen Ratpot und Hahmunt gab. Und wie es der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair meint, kann die Kirche in Georgenberg sogar die erste Glonner Pfarrkirche gewesen sein. Dafür spricht auch, dass das nächst bei Glonn liegende Reinstorf, noch bis 1928, zur Pfarrei Egmating gehörte. Dass der Pfarrsitz mit Pfarrkirche irgendwann aus praktischen Gründen nach Glonn verlegt wurde, weil zum frühen Taufritus das „Untertauchen“ gehörte, wäre logisch. Und hierzu brauchte man ein Gewässer, eben die Glonn. Das Glonner Patrozinium Johannes der Täufer“ spricht auch dafür. Wo stand diese erste Glonner Taufkirche? Wahrscheinlich am Platz der jetzigen Pfarrkirche, denn die Glonn floss bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts nicht im Glonner Norden, wie heute, sondern in der Ortsmitte. Die Tuffplattengräber auf dem „Bäckerberg“ im Osten Glonns könnten aus der Zeit vor der ersten Glonner Kirche stammen.
Der Name Criminus oder Crimuni, also der Vater des Ratbot, klingt römisch-lateinisch. Dass dieser Name die rund 300 Jahre, seitdem Römer in Bayern keine Rolle mehr spielten, überdauert hätte, ist eher unwahrscheinlich. Aber Lateinisch, die Sprache der Römer, war ja auch Kirchensprache und so gibt es bis in unsere Tage viele aus dem Lateinischen kommenden Berufsbezeichnung. Wenn auch das lateinische „criminis“ in allen seinen Ausformungen mit Schuld und Klage zu tun hat, wird Criminus wohl kaum „kriminell“ gewesen sein. Aber eine Tätigkeit im damaligen Rechtsystem wäre denkbar. Zu solchem passen auch „Ländereien“. Eben standesgemäß. Und wie es noch vor ein paar Jahrhunderten war, war die Nennung des Standes oder Berufes wichtiger als des Familiennames. Das gilt auch für „gewichtige“ Hausnamen wie zum Beispiel dem „Moar“. Und wenn dann der Sohn „nur mehr“ Ratpot hieß, kann das plausibel sein.
Warum diese Schenkung durch Ratpot. In der Urkunde von 774 geht hervor, dass er diese auf „Eingebung des göttlichen Lenkers“ tue. Womöglich war oder wurde Ratpot auch Priester. Warum? Eventuell verfügte es Vater Criminus und verband es mit der Schenkung. Übrigens, diese Schenkung wurde in der Regel mündlich gegeben und das unter Zeugen, die zur Bekräftigung oder auch zur Wirksamkeit ihrer Zeugenschaft an den Ohren gezogen wurden. Wie es heißt, waren unter den Zeugen, der Bischof als Vertreter der/des Beschenkten, drei „Presbyter“ also Priester und ein Diakon. Das Versprechen wurde bei Anwesenheit des Bischofes wohl in Freising gegeben. Von der Zeit her könnte es Bischof Arbeo gewesen sein. Dass beim Schenkungsversprechen auch Notizen gemacht worden, wäre zweckdienlich. Das Datum der Schenkungserklärung war wahrscheinlich deutlich vor dem der Urkunde am 31.3.774. Dieses kann frühestens 756 oder 757 gewesen sein, weil in diesem Jahr Tassilo III, auf den in der Urkunde hingewiesen wird, Bayerns Herzog wurde. Schenkungen dieser Art wurden bei Besuchen oder Anlässen mündlich, wenn auch unter Zeugen, gemacht. Der Eintrag in Schenkungsverzeichnisse oder Inventare wurde, in der Regel in gewissen Zeitabständen, beziehungsweise bei gewissen Ereignissen oder Gelegenheiten, und durch speziell ausgebildete Fachleute (eventuell bischöfliche Notare) nachgeholt. Man war sich sicher auch dessen bewusst, dass solche Urkunden nicht nur Nachweise zu sein haben, sondern auch das Spiegelbild einer Amtszeit sind, das noch nach vielen Jahrhunderten eine gute Beurteilung auslösen soll.
Wegen „774“ also der Ersterwähnung Glonns gab es immer wieder Diskussionen. Es gibt nämlich im Landkreis Dachau auch ein Glonn an der Glonn, das im Zusammenhang mit einer Kirchenschenkung in den Freisinger Kirchentraditionen mit Urkunde vom 30. März 774 erwähnt ist. Der Schenker hieß nicht Ratpot, sondern Onolfus. Es waren also verschiedene Schenkungen. Möglicherweise waren die gleichen Ortsnamen der Grund für den Eintrag in dieser Reihenfolge. Dass das Datum für Glonn auch mit 21. März angegeben wird, kann mit der Umstellung des Julianischen- auf den Gregorianischen Kalender im Jahr 1582 zusammenhängen. Damals wurden im Oktober zehn Kalendertage übersprungen. Ein Beispiel, dass Schenkung und Eintragung häufig nicht unmittelbar erfolgten, war das Jahr 788. Das Herzogtum Bayern wurde dem Fränkischen Reich einverleibt. Aus diesem Grunde war das Bedürfnis zur Sicherung von Rechten groß was zu vielen nachträglichen Urkunden führte und wiederum in 1988 zu so vielen 1200-Jahrfeiern. So könnte es auch in Moosach gewesen sein.
