
von Hans Obermair
erschienen am 6.4.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung
Wenn einem „Mühlrad und Forelle“ auf dem Querschild eines Hosenträgers begegnen, dann hat das was mit Glonn zu tun. Der Träger dieser Hose ist dann zu einem hohen Prozentsatz ein Glonner.
Er muss deswegen nicht in Glonn geboren sein, aber mit großer Wahrscheinlichkeit gehört er zur Glonner Musi oder zu den Glonner Trachtlern. Auch die Freiwillige Feuerwehr trägt dieses unmissverständliche Glonner Kennzeichen, auf dem Ärmel und auf der Fahne, so wie auch die vielen anderen Vereine des Marktfleckens. Alle die es tragen, tragen es mit etwas Stolz, niemand versteckt es. Unser Glonner Wappen ist also nicht nur ein hoheitliches Zeichen, sondern hat, wie wir gesehen haben, auch eine Erkennungsfunktion. Letztere ist aber auch die Ursprungsidee warum man Wappen „erfunden“ hat. Es hat „ritterlichen Ursprung und zwar um die Erkennbarkeit eines Ritters zu erleichtern. Denn die trugen bei ihren Turnieren, aber auch Kämpfen, eine Rüstung. Und die sahen im Grund alle gleich aus. Zum einen sollte ein Ritter im Turnier für sein „Fans“ erkennbar sein, aber auch beim Kampf, um im Ernstfall nicht den eigenen Kumpan für den Feind zu halten. Die Wappen, die sich ab dem 12. Jahrhundert entwickelt haben, waren sozusagen als „Visitenkarte“ auf dem „Schild“, dem „Schutzblech“ des Ritters, angebracht. Da hatte es den meisten Platz, um auch möglichst sichtbar zu sein. Dieses Zeichen wurde im Laufe der Zeit auch zum Emblem für ganze Familien, nicht nur für Adelige, sondern auch für Bürger. Allmählich wurde Wappen auch als Hoheitszeichen für Länder, Städte, Märkte und Gemeinden angenommen. Aber auch alle möglichen Zünfte, Gilden und Gemeinschaften nützten dieses Medium. Man war zwar damit nicht „ritterbürtig“, man konnte aber auf allen möglichen Gegenständen, Papieren, Stempeln und Sigeln sein „Gesicht“ zeigen und verbreiten. Mit einem Wappen gehörte man ja zu den „Gwappit´n“, was ja heute im Volksmund noch Bedeutung hat. Wie oft die Wappenidee Umsetzung fand, zeigt uns der Wappenkundler Johann Siebmacher, der ab 1596 seine Wappenbände mit damals fast 6000 existierenden Wappen herausgab. Ein heutiges Wappenbuch zeigt über
20 000 Beispiele.
Dass sich die 1848 „befreiten“ größeren Bauern zum Zeichen ihres „Standings“ auch mit einem Wappen schmücken wollten, ist begreiflich. An Tradition hat es ja nicht gefehlt. Clevere Geschäftemacher nützten das aus. Zum Namen passende Wappenvorlagen dienten als Muster für ein grafisches Angebot an die Interessenten. Mit einem „ich habe euer Wappen gefunden“ war schnell ein Geschäft gemacht. So wie „echte“ Adels-und Bürgerwappen wurden diese dann verwendet und gezeigt. Dass die Käufer auf den „Leim“ gegangen sind, hätte man im „Siebmacher“ oder einem anderen Wappenbuch nachvollziehen können.
Aber zurück zum Glonner Wappen: Glonn hatte bis dahin kein Wappen. Erst im Jahre 1931 wurde unter Bürgermeister Ludwig Mayer ein Wappen beantragt und vom Bayerischen Innenministerium am 16. November genehmigt. In diesem Jahr war auch die Einweihung des neuen Rathauses. Mag sein, dass dieses Ereignis den Bürgerstolz besonders entfachte und zu diesem Antrag führte. Auf jeden Fall stand auch Professor Lebsche hinter dieser Idee. Bürgermeister Mayer hält dies am 27. April 1932 schriftlich so fest: „Herr Universitäts-Professor Dr. Max Lebsche, Sohn des hiesigen Sanitätsrates Lebsche, hat ich um den Entwurf sowie um das Zustandekommen reichen Verdienst erworben. In hochherziger Weise übernahm Herr Professor auch die gesamten Kosten der Ausführung. Die künstlerische Ausführung lag in den Händen von Professor Hupp, Heraldiker in Schleißheim und Professor Buchner in München. Am 22. April 1932 wurde das Wappen am neuen Rathaus angebracht“.
An geschichtlichen Motiven für ein Wappen hätte es in Glonn sicher keinen Mangel gegeben. Stattdessen wurde aber ein „sprechendes“ Motiv gewählt. Die Idee beziehungsweise die Vorgabe dürfte von Professor Lebsche stammen. Hier die offizielle Beschreibung: „In Silber ein schwarzes Mühlrad, überhöht von einer rechtshin schwimmenden Forelle“ Damit wurde den Besiedlungsmotiven Glonns Rechnung getragen: Das Mühlrad, das 16 Zacken hat, hat übrigens mit den 16 Bundesländern nichts zu tun, sondern soll an das Wasser erinnern, die Lebensgrundlage für Mensch und Tier, sowie „Kraftquell“ für die sieben Glonner Mühlen. Aber auch an den Tuffstein, aus dem Wasser geworden und Basis für den Mühlstein, dem wichtigsten Utensil einer Mühle. Die Forelle steht für Leben, Nahrung und Beweglichkeit.
Einer der Schöpfer des neuen Wappens, der weithin bekannte Heraldiker Prof. Hupp, entwarf nicht nur Wappen sondern auch Banknoten und Firmenlogos, auch für Brauereien. Eine frühere Zusammenarbeit mit dem Architekten Gabriel von Seidl ist verbürgt. Das Glonner Wappen ist nur eines von rund 10000 Werken, die Hupp gestaltet hat. Von ihm stammt auch das Bayerische Staatswappen von 1923. 1906 wurde Hupp vom Prinzregent Luitpold zum Professor ernannt. Obwohl Hupp ein hochrangiger Künstler war, er wollte als Handwerker gesehen werden.
Das neue Wappen ziert nicht nur das Gemeindesiegel, sondern auch als in Stein gehauenes Relief über dem Eingang des Rathauses. Der Bildhauer ist nicht bekannt. Vielleicht war es wieder der Bildhauer Maier, der 1923 den „sterbenden Krieger“ am neuen Kriegerdenkmal geschaffen hat. Jedenfalls hat diese Skulptur „fünf Zentner“, wie es im „Oberbayer“ vom Mai 1932 heißt, und scheint für die Ewigkeit geschaffen zu sein. Hoffentlich!
Sicher war das neue Rathaus ein günstiger Anlass für ein Gemeindewappen. Aber Professor Max Lebsche und Bürgermeister Ludwig Mayer, der „Neuwirt“, dürften aber auch die Zeichen der Zeit erkannt haben, und damit den drohenden Nationalsozialismus. Deshalb hat Lebsche 1930, er hatte den Staatsdienst quittiert und seine eigene Klinik aufgebaut. 1933 nach der „Machtübernahme“, wäre es sicher nicht mehr möglich gewesen, solch konservative Motive wie in einem Glonner Wappen zu verwenden. Die „Nazis“ haben dann ab 1933 ihre eigene Symbolwelt aufgebaut und reichlich demonstriert –allerdings nicht mit Mühlrad und Forelle.

