Am ersten Tag meldeten sich 21 Männer

von Hans Obermair
Erschienen am Dienstag, 08. März 2022, Ebersberger Zeitung / Lokalteil

Die Feuerwehr Glonn feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen – Blicke in die Anfänge

Eine Gruppenaufnahme der Glonner Feuerwehr, die wahrscheinlich zum zehnjährigen Bestehen 1882 entstanden ist. Foto: ©Hans Obermair

Glonn – „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ steht auch der Fahne der Glonner Wehr. Mit diesem Spruch soll gesagt sein, dass Feuerwehren nicht vordergründig Dienstleistungsunternehmen sind und sein wollen, sondern dass die Kultur des Helfens im Vordergrund steht. Die Bereitschaft und den Zwang, sich dem Feuer zur Wehr zu setzen, gibt es schon länger als jene menschliche Errungenschaft, selbst Feuer zu entfachen. Die Bereitschaft, auch dem Nächsten vor Feuerschaden zu bewahren – und damit sogar einen eigenen Nachteil in Kauf zu nehmen, ist ein Kultursprung in der Menschheitsgeschichte.

Allmählich gaben sich die Menschen auch Gesetze. Im Bereich des Feuerschutzes hatten sie ihre Aufgabe nicht allein darin, bei Feuersbrünsten regelnd einzugreifen, sondern auch dem Feuerschutz vorbeugend zu dienen. Die vierteljährliche Beschau der Feuerstätten durch den „Dorfvierer“ ist vorgeschrieben. Seit 1554 gibt es bei uns ein Feuerstättenverzeichnis.

Die Mittel zur Brandbekämpfung waren primitiv. Bis zur Entwicklung der Handspritze gab es nur den Kel, der von Mann zu Mann, vom Dorfweiher zur Brandstätte gereicht wurde. Hierin haben viele künstliche Dorfweiher ihren Ursprung. Ebenfalls wichtige Brandutensilien waren die Feuerleiter und der Feuerhaken. Alarm wurde mit den Kirchglocken und dem Signalhorn gegeben. Brandstiftung wurde als Strafdelikt schon in den Rechten des Mittelalters differenziert behandelt. Man unterschied zwischen Brandstiftung (Vorsatz) und „Feuerverwahrlosung“ (Fahrlässigkeit). Bei der Brandstiftung war die Todesstrafe fällig.

Durch das „Organische Edikt über die Bildung von Gemeinden“ von 1808 wird das Feuerschutzwesen auf die Landgemeinden übertragen. Alle Männer zwischen 18 und 55 Jahren waren in der „Pflichtfeuerwehr“ zur Hilfeleistung und wohl auch zu Übungen verpflichtet. Auch für die Gemeinde Glonn gab es eine „Lokallöschordnung“. 1866 lesen wir vom Bau eines Feuerwehrgerätehauses mit zwei Einfahrten. 900 Gulden für die Spritze und 507 Gulden für das Spritzenhaus. Die alte fahrbare Spritze, mit 300 Schuh Schlauch (ca. 90 Meter), die schon 1861 erwähnt ist und vermutlich 1856 vom Glonner Arzt und Bader Georg Mayr der Gemeinde gestiftet wurde, war als „Wasserzubringer“ gedacht.

Die Siebzigerjahre des vorletzten Jahrhunderts waren „Gründerjahre“ für die Freiwilligen Feuerwehren. Allein im Bezirksamt Ebersberg wurden in diesem Jahrzehnt 23 freiwillige Wehren gegründet. Warum? Wahrscheinlich waren die Pflichtfeuerwehren als behördliches Instrument ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen. Überdies war dieses Jahrzehnt ja auch eines, in dem viele Vereine gegründet werden. Ein gewonnener Krieg und die Reichsgründung sowie der sich daraus ergebende Patriotismus, waren dafür sicher ein Hintergrund.

Der 24. Mai 1872 war sicher wieder, so wie 240 Jahre vorher die Schlacht auf dem Kugelfeld im Jahre 1632, ein Schicksalstag für Glonn: Es ist die Geburtsstunde der freiwilligen Feuerwehr. Der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair berichtet uns, dass am ersten Tage schon 21 Mann beigetreten sind. Im Laufe des Jahres sind es dann schon 94 Mitglieder. Zum Vorstand des neuen Vereines wird Apotheker Birzer (stammt aus Regensburg) gewählt. Aber auch eine einfache Standarte, die es heute noch gibt, wird angeschafft. Kommandant ist der Wirt und Posthalter Wolfgang Wagner sen., er ist später auch Mitglied des Land- und Reichstages. Selbstverständlich ist er auch Gründungsmitglied des neuen Vereines.

Während 1873, der Vorstand noch von einem regen Vereinsleben und großer Begeisterung berichten konnte, hatte der Verein bereits 1875 seinen ersten Tiefpunkt. Der Gemeinderat beschloss mit 6:1 seine Auflösung. Ein Grund ist nicht angegeben. Vielleicht hatte sich mit dem neuen Verein das Feuerlöschwesen zu sehr verselbstständigt, hatte doch vor 1872 die Gemeinde allein das Sagen. Der Verein konnte aber kraft eigener Statuten von der Gemeinde nicht aufgelöst werden. Eine Vereinsversammlung wurde einberufen, die gegen die Auflösung stimmte.

Birzer verlässt 1876 Glonn. Neuer Vorstand wird Bürgermeister Nikolaus Niedermair. Vielleicht war er die Stimme gegen die Auflösung des Vereines. 1877 übernimmt Kommandant Wagner den Vorstand. 1878 folgt ihm der Lehrer Josef Hecht, der zugleich Gemeindeschreiber ist. 1880 wird Kommandant Wagner wieder Vorstand, diesmal für 22 Jahre – bis zu seinem Tod 1902. Ab 1875 ist er auch Mitglied des Bezirksfeuerwehrausschusses. Unter Wagners Vorstandschaft wird 1880 der Metzger Maier, 1884 der Käser Türk und 1889 sein Sohn Wolfgang Wagner jun. Kommandant. Letzterer bleibt es bis zu seinem Tod 1912.

Es schaut so aus, als hätte sich die Glonner Feuerwehr erst ab 1880 voll etabliert. Zu diesem Zeitpunkt war aber auch die erste Investitionsphase, nämlich der Bau eines Feuerwehrgerätehauses (ca. 1877), der Umbau der Spritze (800 Mark 1877), die Anschaffung eines Mannschaftswagens (418 Mark 1880). Sicher haben auch erfolgreiche Einsätze, so beim Brand in Reinstorf (1873), und des Schlickenrieder-Hinterhauses (1873) zum guten Ruf beigetragen. Die Feuerwehr war ein Stück Sicherheit. Als Zeichen der Anerkennung darf gewertet werden, dass 1881 der 6. Bezirksfeuerwehrtag in Glonn abgehalten wurde.

Der 150. Geburtstag der Feuerwehr wird vom 1. bis 4. Juli in Glonn gefeiert. Eine dann erscheinende Chronik wird über die gesamte Geschichte berichten.

zuück